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Interview/Story - Philipp Milner (NAM)


Es geht auch andersrum. Während die Einen heutzutage ohne tiefer gehende instrumentale Kenntnisse direkt ihre erste CD veröffentlichen, üben und spielen die Anderen erstmal fast ein Vierteljahrhundert mehr oder weniger im Hintergrund - so zum Beispiel Philipp Milner, der gerade unter dem Namen NAM sein Solo Debütalbum herausgebracht hat. Der musikalische Werdegang des 30-jährigen (ausführlich hier nachzulesen) war alles andere als geradlinig. Begonnen hat er mit sieben Jahren am klassischen Klavier, was mehr und mehr vertieft wurde und gar in ein Studium mündete, danach ging es in den Jazzbereich, bevor Milner der Nürnberger Band Psylocibe beitrat, die stilistisch nicht weit entfernt von Jamiroquai musizierte. Weitere Stationen wie die des Lehrbeauftragten für Chanson an der Leipziger Musikhochschule und gleichzeitig diverse andere Tätigkeiten am deutschen Nationaltheater in Weimar folgten, bevor Milner die Band StoryPlay mit gründete - die wiederum spielten Indiepop.

Bekannter wurde Milner dann in der Thüringer Hip Hop Band Clueso, denen er besonders bei der Produktion unter die Arme griff, einige Parts komponierte und auf Tour das Keyboard bedient.

Da stellt sich direkt die offensichtliche Frage, wie es zu diesem doch eher krummen musikalischen Lebenslauf kommt. Popmusik habe ihn schon immer interessiert, antwortet Milner, den klassischen Unterricht habe er eher aus Notwendigkeit genommen, da es nichts anderes Musikalisches gab. Erst Jahre später sei er dann in Weimar auf Jazzklavier umgestiegen, weil es dem Pop näher steht - und mit Clueso ist er diesem Pop noch ein Stückchen näher gerückt.

"International Airport" wurde, so Milner, eigentlich nur deswegen veröffentlicht, weil alle Stücke schon fertig komponiert auf seinem Computer lagerten. Es war eine Auftragsarbeit für die Space Night (Bayern 3), auf der Weltall-Bilder mit entspannt-elektronischer Musik untermalt werden. Der Auftrag wurde von Milner abgearbeitet, letztendlich wurde aber nie etwas draus und so werden die Stücke unter dem Pseudonym NAM (so heißt der Auftraggeber des Projekts) und dem Titel "International Airport" jetzt über das Label Zughafen veröffentlicht.

Die Einfachheit des Artworks geht bei "International Airport" laut Milner Hand in Hand mit der Musik, die auch eher einfach gehalten ist - logischerweise weil sie nicht von den Bildern der Space Night ablenken, sondern diese untermalen sollte. Nur als Download will er die Musik aber dann doch nicht anbieten, denn dazu findet Milner "das Cover in Verbindung mit der Musik zu schön".

Musikalisch sieht Milner bei NAM keinen Einfluss oder eine Verknüpfung zu seinen zahlreichen früheren Werken und Projekten, "da es ein eigenständiges Auftragsprojekt war und zu der Sendung Space Night passen sollte".
"International Airport" entstand weitgehend in Alleinarbeit, nur "die Texte waren schon vorhandene Texte von Freunden. Der Text von Roger Ditter (zum Stück "never say" - Anm. d. Verfassers) ist beispielsweise vor 15 Jahren in unserer Schülerband entstanden." Nur Schwester Eva, die auch die Lyrics zu "Bored Virus" und "Happy Virus" schrieb, hat laut Philipp an letzterem auch musikalisch mitgewerkelt.
Nach dem nicht erfolgten Einsatz von der Musik auf "International Airport" in der Space Night kann Milner sich die Musik weitgehend überall vorstellen, ob im Wohnzimmer, in einer Loungebar oder auf einer entspannten Party, NAM scheint universell einsetzbar.

Die Zukunft von diesem Projekt ist indessen anscheinend schon besiegelt, denn "Livepläne gibt es", laut Milner "nicht" - und wegen dem Auftrag für die Space Night wird es wohl eher eine einmalige Sache gewesen sein. Die Musik jedoch geht weiter: "Ich arbeite gerade mit meiner Schwester an einem neuen elektronischen Album, das im Sommer 2006 erscheinen wird."

Wie es musikalisch genau wird, kann wohl noch nicht gesagt werden - aber vielleicht ist es ja wieder ein Stückchen näher am Pop.

stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!