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Interview - Kind Im Magen?


  • Erstmal Glückwunsch zum neuen Album "DKVBS", das ja jetzt bereits in einigen Läden erhältlich ist. Von meiner Seite gibt's ausdrückliches Lob: Das erste Deutschpunkalbum seit langer Zeit, das mir über weite Strecken richtig gut reinläuft. Zumal für eine sehr junge Band beachtlich. Wie sind die einzelnen Bandmitglieder zur Musik - sowohl als Konsumenten, als auch aktiv - und schließlich zu KIND IM MAGEN? gekommen? Und was macht ihr, wenn ihr nicht gerade mit Kind Im Magen? unterwegs seid?


Trip Tom: Erste einmal Dankeschön. Bei uns in Sonthofen gibt es einen Rock-Club der schon immer eine Anlaufstelle für Leute der alternativen Szene war. Dort traf man sich immer wieder und stellte im Laufe der Zeit gemeinsame Interessen an der Musik fest. Es entstand eine enge Freundschaft zwischen uns allen und so kam dann auch die Idee gemeinsam Musik zu machen, da ich schon länger Gitarre bzw. Bass spielte. Das war dann an Weihnachten vor 3 Jahren beim gemeinsamen Grillen auf dem Balkon. Ich bin der einzige der noch regulär zur Schule geht, aber in der Freizeit gehen wir viel auf Konzerte, verreisen spontan oder denken darüber nach, was wir als nächstes mit KIND IM MAGEN? machen werden.

  • Die Deutschpunkszene ist ja mittlerweile wieder etwas gesundgeschrumpft, nachdem Ende der 80er und Anfang der 90er das ganze Genre explodiert ist. Inwieweit gibt es bei Euch im Süden Deutschlands eine derartige Szene und fühlt ihr euch da irgendwo zugehörig? Welche Bands haben Euch in eurem Stil beeinflusst und bekräftigt? Musikalisch sehe ich die Band ja eher in internationalen (Fun)Punkrock-Gewässern...


Trip Tom: Es gibt hier schon eine Szene. Aber die ist meiner Meinung nach etwas ambivalent. Es gibt viele Prolls, die angeblich politisch sind, dagegen auch viele andere Punks, bei denen sich ihr Leben um die Musik und die damit verbundene Lebenseinstellung dreht. Wir gehören eher zu den letzteren. Bei uns gab es auch einige Großdemonstrationen, die dank der aggressiveren Punks ziemlich mit der Polizei in Stress geriet. Deswegen dürfen wir in einigen Locations auch nicht mehr spielen, weil der Veranstalter kein Bock auf Chaos hat. Das führte dann dazu, dass ich mich von dem einen Teil der Szene auch ein bisschen distanziert habe. Stilistisch haben mich ausschließlich ausländische Bands inspiriert. Das sind z.B. Rancid, Danko Jones, The Living End, The Hives, Green Day. Eher die Rock’n’Roll Schiene. Der „Fun“, den du auf uns beziehst, würde ich lediglich am Spaß der Sache sehen. Nicht an der Art der Musik.

  • Was mir besonders gefällt an DKVBS ist das spontane und geradeheraus Gespielte, was zumindest den Eindruck erweckt, dass auch eine Menge Spaß beim Einspielen des Albums eine Rolle gespielt hat. Dabei ist aber die Produktion nie verwaschen oder drucklos. Wie lief Einspielen, Produzieren und Mischen des Albums ab?


Trip Tom: Eingespielt haben wir das Album in nur 8 Tagen in einem Studio mitten in den Bergen. Das war eine ganz anderes Szenario, welches uns allen möglich gemacht hat, voll auf die Songs zu konzentrieren. Das heißt aber nicht, dass wir das mit ernster Miene durchgezogen haben. Wir hatten sehr viel Spaß beim Aufnehmen. Produziert hat mein Schlagzeuger Benny und ich mit einem Techniker von 4inch aus Düsseldorf. Wir haben schon gleich bei der Aufnahme darauf Wert gelegt, die Stimmung der Songs bestmöglich aufzunehmen. Das Abmischen hat dann unser Mann in Düsseldorf übernommen. Übers Internet haben wir die Songs hin und her geschickt, bis sie uns schließlich gefallen haben.


  • Ich war etwas überrascht, dass im Infozettel die etwas ruhigere Seite zuerst erwähnt wurde, als die Sprache auf das neue Album kam, wobei doch mit "Ein Schritt zuviel", "Geben und Nehmen" und "Schläfer" lediglich drei etwas nachdenklichere, teilweise akustische Stücke auf DKVBS enthalten sind, die sich doch ganz gut in das Album einfügen. Wart ihr früher soviel härter, oder wolltet Ihr den etwaigen Kritikern dieser neuen Seite direkt den Wind aus den Segeln nehmen?


Trip Tom: Nein, gar nicht. Wir wollten nur zeigen, dass wir auch andere Songs schreiben können und uns weiterentwickelt haben.

  • Besonders gut gefallen mir die etwas deftigeren Tracks auf DKVBS, die mich teilweise an nordischen PunkROCK wie Turbonegro und Co. erinnern. Habt Ihr schon über Kooperationen in Form von Konzerten nachgedacht?


Trip Tom: Ja klar. Aber wir wollten zunächst unsere eigenen Konzerte spielen um auch andere gleichgesinnte Bands zu treffen. Das andere kommt auch noch.

  • Wie ich gelesen habe, hatte Ihr ja Mitte des Jahres die Ehre, ein Konzert in Berlin im ehrwürdigen Acud zu geben. Wie war's? Aus eigener Erfahrung ist das undankbare Berliner Publikum ja nicht leicht zum Mitgehen zu bewegen...
    Und ganz wichtig: Wo gab's den Ekeldöner - nicht dass ich auch noch drauf reinfalle? (Übrigens gibt's ganz in der Nähe einen von Berlins besten Döner... für nächstes Mal)


Trip Tom (lacht): Das Ekelprodukt waren dieses Mal die Pommes. Die gab’s an so ner Imbissbude gleich beim Park. Schmeckten nach altem Fett, waren lasch und verursachten Bauchweh und Lebensmittelhusten. Das Konzert war aber der Hammer. Was du auf uns als Band zurückschließt, sei dir überlassen, aber die Leute waren gleich voll dabei. Das hat uns selber etwas überrascht und dann aber um so mehr Spaß gemacht. Sie konnten sich sogar zum Singen überreden lassen...

  • Etwas kritisch gegenüber stehe ich dem Bandnamen. Drei Dinge schossen mir durch den Kopf, als ich ihn zum ersten Mal hörte: Infantil, Schnapsidee und provokant. Habt ihr den Gedanken, ihr könntet ihn irgendwann einmal bereuen?


Trip Tom: Nein. Ich hatte zwar am Anfang mit dem Namen einige Zweifel, aber mittlerweile hören sich „Sportfreunde Stiller“ oder „Wir sind Helden“ genauso bescheuert an. Oder andersrum. Wenigstens denkt derjenige darüber nach und vergisst ihn so schnell nicht wieder.

  • Ähnlich gemischt waren meine Gefühle, als ich im Infozettel einen ganzen Absatz über "modisches Lifestyle" und etwas von "Sexy Punkrock Revueshow" las. Gegen nette Bühnenshow ist natürlich nichts einzuwenden, aber wie weit geht das bei Euch? Könnt ihr das Ganze etwas konkretisieren und warum in den Infos so ausdrücklich darauf hingewiesen wird?


Trip Tom: Modischer Lifestyle ist bei uns die eigens entworfene Modekollektion in schwarz-weiß-rot, die wir auf der Bühne tragen. Das ganze bringt ein bisschen Sleaze und Trash mit sich, was aber mit Humor genommen werden soll. Jedes Konzert hat eine extra konzipierte Show, die die Band als Ganzes, sowie den Zuschauer mit einbinden soll. Ich würde mir so was von vielen anderen Bands wünschen, also mach ich es doch am besten selber.

  • Zu den Texten: Politisch ist da ja nicht (mehr?) viel los. Sind euch in der Hinsicht die Themen leid geworden, kommt das wieder, oder überlasst ihr das lieber anderen und arbeitet lieber Spaßiges und persönliche Themen ab?


Trip Tom: Genau. Eine Deutschpunkband muss nicht immer zu politisch oder zu lustig sein! Wir erleben soviel Intensives, das uns auch bis ins Songwriting folgt. Für mich persönlich, steht sowieso die Musik im Vordergrund. Aber der Text muss auch dazu passen.

  • Wie persönlich und/oder biographisch sind die Texte? Sind Euch die ernsteren Texte wichtig im Sinne vom Abarbeiten von Problemen oder Ähnlichem?


Trip Tom: Probleme sind es nicht unbedingt. Das hört sich gleich so melancholisch an. Es sind eher Erlebnisse und Erfahrungen, die man aus den Songs heraushört. Für uns ist DKVBS wie ein Audio-Tagebuch, weil es auch in einer Zeit entstand, als wir sehr viel erlebt haben.

  • Noch sind die meisten der Texte deutsch. Wird es in Zukunft mehr englische Texte a lá "She's got Balls" geben, oder war das eine einzigartige, spontane Sache? Und warum überhaupt auf Deutsch, wenn es überwiegend Spaßtexte sind?


Trip Tom: Wie ich sagte, finde ich nicht, dass es überwiegend Spaßtexte sind. Wir singen auf Deutsch, da wir uns in unserer Sprache am besten verständigen können und so wollen wir das auch haben. Allerdings haben wir auch – wie schon auf der Vorgänger-EP „Leben leben“ – einen englischsprachigen Song. Ich glaube, dass es immer einen nicht-deutschen Song auf den Platten geben wird. Vielleicht ist der nächste auf Latein oder Portu-guatemalisch?!

  • Der Titel ist offensichtlich eine Anspielung auf die "Kinder vom Bahnhof Zoo". Steckt da auch Kritik an Eurer Heimat drin, oder ist er nur wegen der phonetischen Ähnlichkeit gewählt worden?


Trip Tom: Wir sind beeindruckte bis begeisterte Leser von dem Buch von Christiane F. Allerdings hat unser Albumtitel „Die Kinder vom Bahnhof Soho“ eine wortwörtliche Meinung. Erstens zum Bandnamen, zweitens, weil unser Proberaum in einem Bahnhofsgebäude ist und weil wir aus Sonthofen kommen.

  • Seid Ihr lokalpatriotisch und ist das begründet (Urlaubsziel Sonthofen), oder "nur", weil dort die "Homebase" ist und sämtliche Verwandte, Freunde und Bekannte dort wohnen?


Trip Tom: Irgendwie dreht sich alles um diese Stadt Soho. Das ist nicht kritisch gemeint. Das ist für uns unsere Rock’n’Roll City. Außerdem ist London so weit weg...

  • Ihr sucht ja ein Label (Ihr sucht doch noch, oder?) - habt Ihr da einen Wunschkandidaten oder nehmt Ihr einfach, was kommt?


Trip Tom: Ja, wir suchen noch. Mit Loony Groove Records ist eine Promotion Plattform an Kind Im Magen? herangetreten, die Wunschvorstellung aller Mitglieder ist es – und ich werde dir nun tatsächlich einen Namen nennen – beim Goldene Zeiten Label des Ex Tote Hosen Drummers Wölli gesignt zu werden. Wir stellen uns die Arbeit sehr ertrag- und erfolgreich vor!!

www.kindimmagen.de

stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!