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Biografie - Moonspell


Mir war einfach mal danach mich eingäniger mit der interessanten, portugiesischen Band MOONSPELL zu beschäftigen und werde in dieser Meinung etwas näher auf die letzten 3 Alben, "Irreligious", "Sin/Pecado" und "The Butterfly Effect" (+ die "2econd Skin"-Maxi) eingehen und zudem näturlich auch auf die Bandgeschichte. Mir ist zwar bewusst, dass sich die Meinung kaum jemand ernsthaft durchlesen wird (aufgrund der Länge), aber ich hab die Idee gehabt, werde diese nun auch ausführen, denn schließlich geht´s ja um den Spass, oder nicht ?!?

Well, die Geschichte der Band beginnt im Grunde im Jahre 1989, als Fernando Ribeiro (Vocals) und Ares (Bass) die Band Morbid God aus der Taufe heben. Im Laufe der Jahre entwickelt sich aus Morbid God nach vielen Umbenennungen und Line-Up Wechseln die Band Moonspell.
Diese nehmen dann zwischen ´93 und ´94 ihre Debüt-EP aus, als sie die Zeit für Reif halten. Die EP, "Under The Moonspell" betitelt, die ausgiebig dem Black-Metal frönt (Ziege auf dem Cover, bescheuerte Pseudonyme...), wird ein voller Erfolg. Das Dortmunder Label Century Media wird auf die Band aufmerksam und signt die Band . Kurz darauf machen sich die 5 wieder ins Studio auf um in der Besetzung Fernando (Vocals), Ares (Bass), Mike (Schlagzeug), Pedro (Keyboards) und Ricardo (Gitarre), ihr Debüt "Wolfheart" einzuspielen. 1995 ist es dann soweit. Das Album wird ein großer Erfolg (Das bestverkaufteste Debüt einer Band bei Century Media überhaupt!) und enthält mit Songs wie "Vampiria" oder "Alma Mater" richtige Klassiker. Die Entwicklung ging vom bösen Black-Metal zum düsteren Gothic-Metal. Kurz darauf werkelte die Band schon am Nachfolger "Irreligious", der noch in die Geschichte eingehen sollte...

Das Album wurde Ende 1996 endlich fertig und übertraf wohl alle Erwartungen. Immerhin konnte das Album 10 von 10 Punkten in der Zeitschrift Rock Hard abstauben und sollte sich zu einem der erfolgreichsten Alben in der Geschichte von Century Media entwickeln.


Irreligious, 1996

1. Perverse... Almost Religious
Das gelungene Intro verbreitet eine dunkle und leicht orientalisch angehauchte Atmosphäre. Mit einem gekonnten Gitarren-Slide geht das Intro über in

2. Opium
Dem (Rettet Dem Dativ!!!) Hit der damaligen Zeit. Bekannt wurde der Song primär von vielen Promo-Samplern von Musikmagazinen und der Dauerrotation auf ViVa. Der Song selbst überzeugt durch seinen flotten Beat, den unglaublichen Refrain und seinen kühlen Vibes. Mit 2:47 Minuten auch angenehm kurz.

3. Awake
Fällt sofort durch seinen coolen Rhytmus und den intelligenten Streicher-Einsatz auf. Der eigentlich recht ruhige Song, explodiert im Refrain förmlich und macht eindeutig klar, warum Moonspell damals als die Sensation des Gothics und den Nachfolgern von Type O Negative (Deren "October Rust"-Album gerade zu dieser Zeit schlechte Schlagzeilen machte) gehandlet wurden.

4. For A Taste Of Eternity
Ohne Pause gehts gleich weiter zum härtesten Song des Albums. Viele Schreie und vorallem viel Double-Bass Gehämmer. Absolut genial ist vorallem das atmosphärische Break mit der göttliche Flöte gegen Ende des Songs. Auch hier stimmt alles.

5. Ruin & Misery
Nach dem härtesten Song gleich der Song zum relaxen. Das Lied begeistert durch seinen entspannten Refrain, der natürlich gleich im Ohr hängen bleibt und durch seine elegische Schönheit zum relaxen und nachdenken anregt. Ohne Zweifel ein weiteres Highlight.

6. A Poisoned Gift
Deutschen Lesern müsste natürlich sofort der Titel auffallen. Ein vergiftetes Geschenk. Bleibt die Frage, ob sich Moonspell bewusst waren, dass das ganze im Deutschen ein Wortspiel ergibt ?!? Wer Weiß. Der Song selber ist der bisher längste und reifeste Song auf "Irreligious". Die Melodie, die den Song beendet sollte man auf jeden Fall kennen. Ein Meisterstück der modernen Musik.

7. Subversion
Die Übergänge sind fliesend und so dürfen wir unsere Ohren kurz daruf mit dem Zwischenspielchen "Subversion" vertraut machen. Die Fortsetzung des Intros, die allerdings gegen Ende mit Techno-Beats und einen kurzen Text aufwarten kann. Hätte man sich eigentlich auch klemmen können, aber vielleicht für die Atmosphäre ganz sinnvoll. Auch hier erinnert der Sound ein klein wenig an den Orient.

8. Raven Claws
Mein zweiter Single-Kanditat. Hier rocken Moonspell richtig gehend das Haus. Locker und flockig musizieren die Portugiesen durch die Botanik und binden beim Refrain geniale Frauen-Vocals ein, die allerdings nur mit Fernando mitträllen anstatt gegen ihn anzusingen. Solche Gothic-Klischees hatten Moonspell damals schon nicht nötig. Ohrwurm.

9. Mephisto
Dunkel, langsam und düster geht nach dem lockeren "Raven Claws" weiter, bis der Refrain alles erdrückt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Mächtig und fett. Pedro überzeugt mal wieder durch seinen überaus intelligenten Keyboard-Einsatz. Der Jungs schafft es einfach die ganze Zeit über zu klimpern, aber nichtmal richtig aufzufallen. Die Songs ohne Keyboard wären aber wohl furchtbar leer.

10. Herr Spiegelmann
Nach dem Kirmes-Intro geht es mächtig verspielt weiter. Sehr detailreicher Song, der sich dem Hörer sicher nicht gleich erschliest, von Hören zu Hören aber eindeutig wächst. Das Ende des Songs ist ähnlich wie bei "A Poisoned Gift" genial. Aufgewertet wird der Song allerdings auch wieder durch Pedro, der seine Orgel ausgepackt hat...

11. Full Moon Madness
Das letzte Stück der Platte ist gleichzeitig auch ihr Herzstück. Das Intro kann man ein wenig als Rückblick auf "Wolfheart" sehen, genauso so, wie die düstere Musik, die alles andere als fröhlich aus den Boxen knarrzt.
Auffällig ist, das Fernando die ein oder andere Strophe auf portogiesisch singt, was dem Song zusätzliche Sickness verleiht. Duch den mächtigen Refrain entwickelt sich aus den Song eine 100%ige Hymne.

Einzelwertung: ****

Soviel zu "Irreligious". Das Album wusste eigentlich rundum zu überzeugen, die Aufmachung war von erster Güte.

Anschließend passierte viel im Moonspell-Camp: Die Tour mit Type O Negative und Manhole verlief durchaus erfolgreich.
Dann drang allerdings die überraschende Meldung an die Öffentlichkeit, dass Ares die Band verlassen habe, da er mit der neuen musikalischen Ausrichtung der Band nicht zurechtkomme. Die Band arbeite eher an einem Depeche Mode beeinflussten Album, als an einem Metal-Album und dies könnte er unmöglich unterstützen.
Der Rest der Band wusch allerdings kräftig schmutzige Wäsche und lies verlauten, dass Ares die Band nicht verlassen hätte, sondern gefeuert worden war, da er zum einen sich zum internen Band-Diktator aufegschwungen hatte, sich besonderst wichtig vorkam, alle Interviews geben wollte und dabei einen minimalen Anteil am Songwriting der Band hatte und zum anderen schlichtweg nicht fähig war das neue Material halbwegs vernünftig zu spielen. Eine Trennung aus persönlichen und musikalischen Gründen war also unumgänglich. Ares verschwand völlig vom Erboden und veröffentlichte irgendwann vor noch nicht allzu langer Zeit ein ziemlich diletantisches Solo-Album, dass mehr an Depeche Mode erinnerte, als alles, was Moonspell je auf Band brachten... die Wege des Herrn sind unergründlich...
Moonspell rüsteten sich mit ihrem neuen Basser Sergio Crestana zum nächsten Angriff...
Im Oktober ´97 gaben die 5 Herren (auch wenn Sergio nicht richtig zu Band gehören schien, da er auf den Promofotos nicht abgebildet war, obwohl er zu dem Zeitpunkt schon einen viel größeren Anteil am Songwriting hatte, als Ares es ja hatte) ein neues Lebenszeichen in Form eines interessanten Packages von sich: Die neue Maxi "2econd Skin" erschien als Doppel-CD im edlen Digipak. Die zweite enthielt ein quasi Live-Mini-Album. Das ganze stand dann für 25 Märker im Laden. Ob sich die 25 Kröten für das Ding lohnen, will ich auch noch schnell beleuchten:


2econd Skin-Maxi, 1997

CD 1

1. 2econd Skin
Die Spannung war groß. Der erste Song des neuen Albums war endlich öffentlich zu erwerben. Und was soll ich sagen: Viele Fans waren wohl schon etwas enttäuscht. Irgendwie hatte der Song recht wenig mit dem alten Stoff zu tun, klang ziemlich wirr, gleichzeitig ruhiger und härter als alles was Moonspell je gemacht hatten. Der Song selber entwickelt sich zwar nach einigen Durchläufen zu einem Ohrwurm erster Güte mit einem genialen Gitarren-Solo, aber viele Fans fühlten sich wohl vor den Kopf gestoßen und mussten leider weiter warten, denn "2ceond Skin" war das einzige was Moonspell vom neuen Album hören ließen.

2. Erotik Alchemy (Per-Version)
Eine Neueinspielung eines alten "Wolfheart"-Songs. Moonspell covern Moonspell, oder so ähnlich. Mir gefällt zwar die neue Version eindeutig besser, allerdings verstehe ich den Sinn der Neuaufnahme nicht so ganz. Na ja, müssen die Jungs selber wissen. Ist ja auch nur ´ne B-Seite.
Der Song überzeugt durch die coole Bassline. Hätte sich auf "Irreligious" ganz gut gemacht...

3. Sacred
Die erste Coversion in der Geschichte von Moonspell und von welcher Band ? Richtig, Depeche Mode. Sollte Ares etwa recht behalten ? Klingt das neue Album wirklich so arg nach Depeche Mode, dass die Burschen schon einen Song von ihnen covern ?!?
Die Moonspell-Version des Stückes, das sich im Original auf "Music For The Masses" zu finden ist, gefällt mir eigentlich fast besser als das Orignal, da der moderne Sound im 21. Jahrhundert-Style einfach besser zu dem an sich genuialen Song passt. Operation gelungen, Patient tot, oder so ähnlich. Sollten DM-Fans schon kennen.

4. 2econd Skin (Video-Edit)
Über den Sinn und Zweck des Songs lässt sich streiten. Der gleiche Song im Video-Edit, eine Minute kürzer als das Original. Braucht eigentlich kein Mensch, hievt die Spielzeit von CD 1 allerdings auf 20 Min.

CD 2

1. Opium ("Irreligious")
Klar, dass der Song ansich auch in der Live-Version der gleiche ist und somit schonmal genial. Der Live-Sound kann voll ganz überzeugen
und klingt sogar ein wenig fetter als im Studio (Overdubs?!?)

2. Awake ("Irreligious")
Auch dieser Song klingt in der Live-Version ein ganzes Stück fetter als auf Platte und kann somit gleich doppelt überzeugen. Reife Leistung von Fernando.

3. Herr Spiegelmann ("Irreligious")
Kein großer Unterschied zur Studioversion. Es ist allerdings eine Kunst aller Effekte live genauso rüberzubringen (Overdubs?!?)

4. ...Of Dream And Drama (Midnight Ride) ("Wolfheart")
Ein alter Song aus "Wolfheart"-Zeiten, der allerdings auch zu überzeugen weiß. Etwas härter und roher als der Übrige Live-Stuff. Das dürfte allerdings eher am Song selbst liegen. Ohrwurm.

5. Ruin & Misery ("Irreligious")
Auch die Live-Version klingt ziemlich relaxt und entspannt. Die Studio-Version kommt aber sicher einen Tacken authentischer.

6. Mephisto ("Irreligious")
Auch dieser Song weißt keine Großartigen Unterschiede zur Studio-Version auf, allerdings schiebt der Refrain noch ein wenig mehr.

7. Alma Mater ("Wolfheart")
Das Schmankerl. Der Hit von Moonspell schlechthin, den sich Moonspell allerdings inzwischen weigern zu live spielen, da ihnen der Song zum Hals raushängt. Und dieser Song in einer Live-Version ist dann schon eher etwas wertvolles. Eine richtig geniale Hymne, die durch das Fangejubel noch viel mächtiger kommt, als auf Platte. Gänsehaut pur.

Einzelwertung: ***

Die zweite CD kommt auf eine Spielzeit von 33 Minuten. Das macht insgesamt eine Spielzeit von ca. 55 Minuten im edlen Digipak. Ob sich dafür 25 DM lohnen, muss jeder selber wissen. Ich würde sagen, für Fans aufgrund von Songs wie "Sacred" oder "Alma Mater"-Live lohnt sich die Investition schon, andere sollten sich lieber die regulären Alben kaufen.

Nach der Single "2econd Skin" im Oktober ´97 folgte dann im Januar ´98
endlich das Album "Sin/Pecado", dass von aller Welt sehnlichst erwartet wurde...

...und sehr kontrovers aufgenommen wurde. In Deutschland verloren Moonspell unzählige Fans, in England hingegen schafften die Jungs mit dem Album den verdienten Durchbruch. In dieser Hinsicht zähle ich mich eher zu den Engländern, da Moonspell meiner Meinung nach mit "Sin/Pecado" ihr bestes und reifstes Werk vorgelegt haben.


Sin/Pecado, 1998

1. Slow Down !
Wie immer bei Moonspell gibt´s erstmal ein Intro, dass sehr orientalisch und modern rüberkommt. Guter Einstieg und zeigt ungefähr, was auf den Hörer zukommen wird.

2. handmadeGod
Der majestätische Opener. Schwer zu beschreiben, ganz anderst als "Irreligious" oder ähnliches. Die Gitarren versprühen ein leichten Alternative-Touch, das ganze klingt dennoch nach Metal. Der Song ist ziemlich sperrig, läuft nicht gleich so gut rein und ist vielleicht ein wenig vollgepackt. Etwas missglückter Einstieg (an einer anderen Stelle des Albums wäre der Song sicher gekommen)

3. 2econd Skin
Die Single. Den Song hab ich vorher ja schon besprochen. Hier gilt eigentlich das gleiche, wie für den Opener: Sperrig und vollgepackt. Unübersichtlich. Als Single auch ungünstig gewählt. Der Song entwickelt sich allerdings mit der Zeit zum absoluten Ohrwurm.

4. Abysmo
Das erste Tonnenschwere Highlight. Die Gitarren schraddeln obercool durch die Gegend und entwickeln einen Teppich unter dem sich Sergio mit einer orginellen Basslinie austoben kann. Für Moonspell-Verhältnisse außergewöhnlich schnell. Der Refrain fast schon nicht mehr von dieser Welt. Entwicklet sich gegen Ende zum einen Nachdenklichen Song mit genialen Text, um dann wieder normal weiterzutönen. Genial !

5. Flesh
Sehr Orientalisches Zwischenstück mit Sprechgesang von Fernando.
Wartet mit relaxten Beats auf und klingt ziemlich interessant. Der Übergang zum nächsten Song ist mehr als genial gelungen. Ein Sound den man schwer beschreiben. Hörts euch selber an.

6. Magdalene
Die erste Ballade in der Geschichte von Moonspell. Hier reißt Sergio mit seinem Bass mal wieder alles raus. Langes, atmosphärisches Lied mit undurchschaubarem Text von Fernando. Übrigens sein persönliches Lieblingsstück auf der Platte und auch eines von meinen... Übrigens trotz Überlänge die zweite Single

7. V.C. (Gloria Domini)
Wieder ein Hit erster Kajüte. Der langsame und dunkle Aufbau gipfelt im im wirklichen Hit-Verdächtigen Refrain, der im Verlauf des Songs noch gesteigert wird. Übrigens: Das V.C. steht für "Vulture Culture"

8. EuroticA
Ein ziemlich anstrengendes Stück. Eigentlich fast schon dem Elektro-Breich zuzuordnen. Fernando zeigt eindrucksvoll, dass er wirklich ein genialer Sänger ist, dessen Stimme oft genug an die von Martin L. Gore (Depeche Mode) erinnert.

9. Mute
Lang, verträumt und schön. Diese 3 Worte umschreiben den Song ganz gut, denke ich. Breite Gitarrenwand ohne hart zu klingen.

10. Dekadance
Eins meiner Favoriten auf der Platte. Hier stimmt alles: Die einprägsame Keyboardmelodie zu Beginn, der Einstieg mit den Break-Beats und dann die Explosion in einem wunderschönen, lockeren und entspannten Gute-Laune Song. Hier brechen Moonspell erstmals die depressive Grundstimmung der Platte. Allein die Textzeile "Into Dekadance with Elegance" ist genial. Rundum gelungenes Stück.

11. Let The Children Cum To Me...
Der längste und härteste Song des Albums zugleich. Steigert sich gegen Ende auch in eine einzigartige Atmosphäre. Der Song ist leider auch nicht ganz so zugänglich und braucht auch den einen oder anderen Durchlauf.
Dann allerdings kann man sich an den schönen, versteckten Melodien ergötzen.

12. The Hanged Man
Meiner Meinung nach der beste Song auf "Sin/Pecado". Dieser Song klingt genauso wie der Titel und baut eine fast schon erschreckende Dichte auf. Eine einzigartige, melancholische, eigentlich schon tieftraurige Stimmung bestimmt den Song. Fernando singt mit Hingabe und mit einer einzigartigen Intensität. Sollte man auf jeden Fall mal gehört haben. Zu Weinen schön.

13. 13 !
Das Outro. Klingt eigentlich fast genauso wie das Intro und schließt so eine mehr als gelungene, ja eigentlich geniale Platte ab. Der Schlusssatz
"We´ll Happy To Have You With Us Tonight And Hope You Come Back Often" ist schon ziemlich cool...

Einzelwertung: *****

Für die einen Hui für die anderen Pfui. England: Druchbruch und Deutschland: Einbruch. Moonspell versprachen natürlich, aufgrund der alten Deutschland-Fans, einen Kompromiss zu finden, um sowohl alte als auch neue Fans glücklich zu machen. Sprich: Eine Mischung aus beiden Platten musste her. Recht flott nach der Tour zu "Sin/Pecado" verschanzten sich die fünf wieder im Studio (diesmal England statt Deutschland... hmm...) um so schnell wie möglich den Nachfolger "The Butterfly Effect" rauszuhauen. Tja, statt allerdings die angekündigte und erwartete Mischung hauten Moonspell wieder ein völlig anderes Album raus, dass die Fans wiederrum stutzig machte, aber dennoch sehr interassant klingt.


The Butterfly Effect, 1999

1. Soulsick
Opener und Single zugleich. Wieder sehr ungewöhnlicher Song mit Laut/Leise-Dynamik, sprich Hart/Soft-Dynamik. Als erstes fällt der ziemlich moderne Sound auf, der vorallem das Schlagzeug wie ein Computer klingen lässt. Viele Leute würden das sicher als Nachteil betrachten, ich jedoch favorisiere den klinischen Sound. Der Song ist mir Sicherheit ein kleiner Hit, aber man muss sich erstmal an den neuen Stil gewöhnen. Das Riff bei der Bridge könnte auch von Rammstein stammen.
Interessant, gut und unerwartet.

2. Butterfly FX
Erinnert gleich zu Beginn frappierend an "The Beautiful People" von Marilyn Manson. Doch nicht lange. Break. Der Refrain erinnert dafür ziemlich an neuere Samael. Insgesamt ein Song, mit dem ich mich weniger identifizieren kann. Schade.

3. Can't Bee
Der softeste Song den Moonspell je geschrieben haben. Sehr einfühlsam und entspannt. Jede Textzeile beginnt mit "Can´t Be...". Klingt sehr ungewöhnlich. Kann aber einen gewissen Charme nicht verleugnen.
Vorallem die beiden Ausbrüche sind sehr gelungen. Prädikat:
Gut bis Sehr Gut.

4. Lustmord
Nach dem softesten Song der Karriere folgt auf dem Fuss der härteste.
Bei diesem Song ist Bewegung drin. Er hetzt von einem Part zum anderen und Fernando packt ein paar seiner derbsten Schreie aus. Die maschinelle Kälte steht Moonspell ganz gut zu Gesicht, auch der Industrial-Touch weiß zu gefallen. Schnell noch einen Tribal-Percussion-Part eingebaut und schon is Sense. Der Schluss ist allerdings wirklich oberderb.

5. Selfabuse
Auch hier kommt der kleine Manson-Freak in den Jungs hoch. Zackig mit abgehackten Riffs. Im Refrain entwickeln Moonspell dann allerdings eigeninitiative und klingen etwas mysteriös-verträumt. Der Song ansich ist eigentlich nicht so toll, der geniale Refrain tröstet aber hinweg. Sagen wir: Ganz Okay.

6. I Am The Eternal Spectator
Auch hier gehts zackig voran. Ein richtiger Stampfer mit oberfetten Riffs und gewöhnungsbedürftigen Gesang von Fernando. Der Refrain ist diesmal weder von Samael noch Manson geklaut sondern von Fear Factory. Fernando schafft es wirklich orginal nach Burton C. Bell zu klingen. Haut mich auch nich direkt vom Hocker, ist aber auch nicht schlecht.

7. Soulitary Vice
Totalausfall meiner Ansicht nach. Sorry, aber das ist einfach nix. Und von Manson geklaut auch noch. Wenn Moonspell schon bei Manson klauen, dann bitte die besseren Passagen. Im Refrain kommt ein gleich wenig Stimmung auf. Trotzdem erschreckend schwach.

8. Disappear Here
Wie "Can`t Bee" ziemlich soft und interssant. Irgendwie kann ich mir zwar nicht vorstellen, das die Fans sowas hören wollen, aber der Song ist ohne Zweifel wirklich gut. Na ja, wem´s gefällt, der soll sich freuen und wer nich, der hat halt Pech.

9. Adaptables
Wieder so ein zackiger Song. Pedro hat sich allerdings beim ausarbeiten der Samples bei dem Song wirklich Mühe gegeben. Auch hier gilt mal wieder: Ganz Okay, aber nicht wirklich toll.

10. Angelizer
Gegen Ende präsentieren uns Moonspell dann doch noch einen ziemlich fetten Song, der von vorne bis hinten zu überzeugen weiß, auch wenn´s wieder ein wenig nach Samael klingt. Sollte man sich aber anhören.

11. Tired
Das Highlight am Ende. Ein monotones Stück mit Sampeln aus Mozart´s Requiem. Der Text ist genial. Moonspell wieder auf Höchstform. Hätte sich auf der "Sin/Pecado" auch sehr gut gemacht. Gänsehaut angesagt. Der Ausbruch ist unglaublich fett geworden und super gelungen. Hart, düster und vorallem Kalt. Ich kann mich mir nur wiederholen: Genial.

12. K
Das 13 Minütige Outro. Ja, ihr habt richtig gelesen. 13 Minuten. Wobei der Song wohl eher eine Mischung aus Outro und Hidden Track darstellen soll.
Das eigentliche Outro wartet mit allerlei abgedrehter Intrumente auf und versprüht eine angenehme Warme (im Gegensatz zum Rest des Albums) aus. Hat ein wenig etwas von dem Song "Soulfly" von eben jener Band.
Gelungener Abschluss. Direkt im Anschluss daran gibts den Hidden-Track.
Lasst es als Dekonstruktion eines Gedichtes von William S. Bourroughs ansehen. Die ziemlich chaotische Vertonung davon. Eine Geräuschkulissejagt die nächste. Gut gedacht, aber 10 min lang ?!? Ziemlich anstrengend würde ich sagen. Hat aber irgendwie schon seine daseinsberechtigung. Na ja, Moonspell machen ja eh was sie wollen. Dann sollen sie halt auch so ein Stück auf ihre Platte packen...

Einzelwertung: ****

Die 4 Punkte gibt es allerdings nur aufgrund vieler guter Ansätze. Konsequenterweise hätte die Platte eigentlich nur 3 verdient. Aber welche mittelmäßige Platte hört man schon immer wieder an ?!? Eben. Also 4.

Jetzt haben Moonspell endgültig angekündet zur "Irreligious"-Phase zurückzukehren. Das neue Album, dessen Titel mir gerade entfallen ist, erscheint im Sommer.

Soviel zu Moonspell. Eigentlich eine Interessante Band, die sich aber irgendwie selbst immer Steine in dem Weg legt. Na ja, wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Dass "The Butterfly Effect" bei den Fans nicht gerade auf Gegenliebe gestoßen ist, brauche ich nicht extra zu erwähnen, oder ?

kervorkian


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  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!