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After Death Show - Duesseldorf, Con-Sum, am 18.08.2001


Chaos = Death Metal hat man sich wohl bei diesem kleinen (aber feinen?) Festival auf die Fahnen geschrieben.
Im Prinzip war das alles ganz einfach: Zwei Bühnen, im nahe des Düsseldorfer Stahlwerks gelegenen Con-Sum, auf der einen sollten Rock/Crossover/Alternative Bands spielen, auf der anderen, sinnigerweise Metalbühne getauften Stage, sollten Black/Death/Thrashbands ihr Bestes geben.
Das alles sollte als Aftershowparty für die Deathparade dienen, womit man eigentlich auch keine Zuschauerprobleme gehabt haben sollte.
Die Probleme fingen aber schon damit an, dass die Deathparade nicht stattfinden durfte (aus welchen idiotischen Gründen auch immer), und stattdessen eine Demo gegen die Verhinderung der Parade anlief.
Schön und gut, aber dahin kamen dann wohl nicht so viele Leute wie gedacht.
Aber, viel schlimmer, es verirrten sich bloß ein paar düster gewandete Fans Richtung Ronsdorfer Str., wo das Con-Sum mit seinem verwirrenden Aufbau lag.
Wäre für das Festival ja so noch kein Untergang gewesen, schließlich müssen kleine, mehr oder weniger regionale Bands oft mit Zuschauermangel rechnen, doch das Chaos nahm im Weiteren endgültig seinen Verlauf.
Beim Eingang mit unfreundlicher Security fing es an (ich als potenziell zahlender Kunde wurde zuerst gar nicht beachtet, weil die breiten Herren irgendwas zu klären hatten), danach fand ich den Eingang nicht und musste mich erstmal durchfragen, aber das dickste war dann die sogenannte Technik und die dafür zuständigen (bezahlten?) Angestellten.
Der Soundcheck sollte um 9:00 morgens beginnen, als ich ein wenig zu spät um viertel nach sechs eintraf, war noch nicht abzusehen, wann die erste Band namens Kruschke, die um punkt 18:00 Uhr beginnen sollten, denn nun endlich anfing.
Also durfte ich mir in aller Seelenruhe den Soundcheck und die Bonmots des Tontechnikers hinter dem Mischpult ansehen ("Spielt der da Keyboard oder Gitarre"), der das Ganze einfach nicht in den Griff bekam.
Wofür wesentlich größere Bands mit mehr Instrumenten eine halbe Stunde brauchen, das geschah hier binnen anderthalb Stunden und kurz vor Acht durfte die Band dann endlich anfangen.
Inklusive Saallicht, denn anscheinend hatte keiner einen Plan, wie dem verteufelten Leuchten ein Ende zu bereiten war.

Ungeachtet dessen spielten sich Kruschke durch ihren Set, in dem alle Stücke ihrer CD "Schattenreich" einen Platz fanden, inklusive einem brandneuen Song ("Gottes Exodus") und ein paar ihrer älteren Demos, insgesamt eine knappe Dreiviertelstunde hat die Show schließlich gedauert, länger als geplant.
Los ging's mit dem eigentlich keyboardunterlegten "pestmann". Von den Keys hörte man nicht viel, egal.
Live kamen besonders die groovigen Stücke an, trotz geringer Zuschauerzahl von etwa 40 Leuten stand die erste Reihe nicht am Mischpult, sondern näherte sich gegen Mitte des Auftritts (als die Saallichter endlich ausgingen) auch dem Bühnenrand.
Wild gemosht wurde dann beim etablierten Bangwettbewerb, wobei Keyboarder DJ Vlad während seiner freien Zeit bei "Mamas Pfand" und "Geisterhaus" in die Menge stieg und die Anwesenden auf deren Bangqualitäten überprüfte. Der/die wildeste(n) wurden gehörig entlohnt, und zwar mit einer kostenlosen "Schattenreich"-CD.
Alles in allem trotz aller Probleme ein solider Set. Über die Spielfehler kann man hinwegsehen, da es der Band erster Gig in dieser Konstellation war (und überhaupt in jenem Jahr). Bassist Flo stand gar das erste Mal auf der Bühne, was sich in relativer Bewegungsunfähigkeit äußerte, und blickte so oft es ging, konzentriert auf seinen Bass, verbesserungswürdig ja, aber verständlich.
Der Rest der Band machte optisch leider auch nicht soviel mehr her (bis auf Ersatzsänger Tim und Aktionen des Keyboarders), was insofern Gewicht bekam, als dass der Beleuchtungsmensch erst in der zweiten Hälfte des Sets erschien (soll heißen: vorher gab'0s exakt acht kleine starre Lichtlein) und Optik ins Spiel brachte.
Der Sound war den Umständen entsprechend nicht allzu toll, die Keyboards waren zu leise, der Sampler raubte einem das Gehör, die Gitarren waren wenig hörbar, wenn alle spielten und der Bass war mitunter zu penetrant.

Nach dem Schweißtreibenden Auftritt (was auch an der Innentemperatur lag) erstmal nach draußen, wo ein weiterer Schock folgte: Die Pendelgebühr. Beim Verlassen des Geländes musste ein Obolus von zwei Mark abdrücken. Unverschämt und noch nie gesehen. Vor allem wollte man wohl so verhindern, dass zahlende Gäste zur nahegelegenen Tankstelle pilgerten um sich dort mit Getränken einzudecken. Die Veranstalter hattens anscheinend nötig…

Weiter ging's drinnen mit anderen unbekannteren kleinen Bands, die mir nichts sagten, erst bei "Anubiz" aus Köln war wieder die heiße Halle angesagt.
Nicht schlecht, was die Band bot. Gothischer, düsterer Death Metal inklusive weiblichen Vocals, zwischen alten Theatre of Tragedy und frühen My Dying Bride. Stellenweise waren die Stücke zwar langatmig und muffig, aber im Grossen und Ganzen ein guter Auftritt, wobei die Sängerin insbesondere zu Anfang gar nicht zufrieden zu sein schien (was sich gar nicht professionell äußerte).
Inzwischen war auch der Sound ein wenig besser geworden, am Ende hörte man sogar die Keyboards.
Auch das Stageacting - besonders des Bassisten - konnte sich sehen lassen. Zu Beginn mit Screammaske (aus dem Film, albern aber nicht unoriginell), später dann Sprünge ins Publikum, so wird's gemacht. Nach einer Zugabe wurde die Band dann entlassen, die 40 Leute im Publikum schienen zufrieden.

Nicht so der Veranstalter, der vor dem Auftritt von Midwinter alle noch auftretenden Bands in den Backstagebereich rief und wohl mitteilte, dass das Festival früher als geplant enden würde. So kam es dann, dass die Düsseldorfer Dark Metaller "Midwinter" nur eine knappe halbe Stunde spielen durften. Die wurde dann aber redlich genutzt, um weder mit musikalischen noch mit Outfittechnischen Klischees zu spielen.
Musikalisch relativ fit wussten besonders die eingängigen Keyboardmelodien zu gefallen (mit ein paar Ausnahmen). Im übrigen waren die Songstrukturen nachvollziehbar gehalten und brachten eine Menge Gefühl rüber, was man von den Gebärden und vom Outfit des Sängers nicht behaupten kann... Stichwort Sesamstrasse.

Letztere lief zu der Zeit aber vollends lächerlich nebenan in der Rockhalle ab. Crysalis lieferten musikalisch wohl so etwas wie Lacrimosa für Arme ab, die Bühnenshow war mir das fotografieren nicht wert, erinnerte das Ganze doch an Theater in der fünften Klasse.
Also schnell wieder raus und wenig später nach einem Burger King Besuch (remember: Metal macht hungrig) auch nach Hause.

Mit mehr Organisation und netteren Ordnern hätte es ein schönes Festival werden können, so schwankte es zwischen ärgerlich, guten Bandauftritten und dem Gefühl, zuviel ausgegeben zu haben.

Weitere Fotos vom Konzert gibt's HIER.

stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!