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loom light - the secret of the silver blades


Erscheinungsjahr: 2004
Tracks: 14
Spielzeit: 57:53
Genre: Alternative
Subgenre: Gothic Rock
loomlight.jpg
Bewertung: 5/10

rating

Welcher PC-Adventure Fan erinnert sich nicht an das wirklich nette Spiel "Loom" von der George Lucas-Gruppe? Mit einem Webstuhl des Lichts bewaffnet konnte der junge Zauberer - der letzte seiner Art - durch das Weben von Tönen und Licht bemerkenswerte Zaubersprüche hervorbringen. Ein gutes dutzend Jahre später veröffentlicht eine Band namens Loom Light ihr Album "the secret of the silver blades". Mitsamt Webstuhl in Artwork und Texten und Titeln wie "Der Zauberlehrling". Einen Besen werd ich fressen, wenn da nicht oben genanntes Spiel (damals noch inklusive Hörspielkassette) Pate stand. Und so außergewöhnlich Loom und seine Story damals war, so außergewöhnlich sind Loom Light heute. Eine wirklich krude, aber nicht uninteressante Mischung aus Gothic Rock, Hörspiel, Pop, Heavenly Voices, Dark Wave/EBM und - man höre und staune - sogar Elementen aus Rap, Schlager und Comedy. Überflüssig zu sagen, dass ich beim ersten Hören ziemlich erstaunt und verwirrt war.

Auf "the secret of the silver blades" scheint, zumindest in Teilen, die Autobiographie des Songschreibers (Dark) Romeo vertont zu sein, naturgemäß eng verknüpft mit der Geschichte der Band, alles verwoben in eine etwas aufgeblasene Fantasygeschichte, mitsamt Rahmenstory und Charakterliste mit Zauberern, Hexen, Elfen und Engeln. Zwischendurch taucht dann auch mal ein Kannibale auf (inklusive schwarzem Humor: "nice to eat you").

Und noch viel wirrer ist, wie oben angedeutet, die musikalische Umsetzung. Bietet der Opener "diving into you" noch verträumt-schönen Wave/Gothic-Rock in warmem, aber merkwürdigem Soundgewand, fließen im folgenden "Engel der Stunde" mittelalterliche Klänge und ätherische Frauenstimmen ins Klangbild, während Pop im dreiviertel Takt mit Frauengesang den "Day of love" beherrscht. Und so weiter und so fort: Es geht über EBM/Postpunk ("Hello nice to eat you") und das ironischerweise an fröhliche Cure-Songs angelehnte "Nice to eat you" (sic) bis hin zu dem auf Orgelspiel basierten Cyberlove Remix von "Day of love". Auf "Romeo in concert" sind dann auch noch Original Hardrock Parts zu vernehmen und "Männchen klein" könnte - unschwer schon am Titel zu erkennen - ebenso auf einem deutschen Comedyalbum stehen, wogegen nicht einmal der Rap-artige Gesang (der auch auf "silvergirls" zum Einsatz kommt) sprechen würde. Zu guter Letzt ist im abschließenden Instrumental "Aquarius" auch noch mediävales Gitarrengeklimper zu hören, wie es auch auf einem Mike Oldfield Album nicht weiter negativ aufgefallen wäre. Der einzige rote Klangfaden ist der durchgehend weit nach vorne gemischte Gesang, wodurch das Ganze einen leichten Hörspielcharakter bekommt, zu dem auch die Vielzahl an unterschiedlichen Gesangsstimmen beitragen. Von diesen ist leider keine als gut zu bezeichnen, wirklich schlimm wird es indes nur bei den männlichen Sprechgesangeinlagen, in denen der unsägliche österreichische Dialekt durchscheint.
Instrumental setzt besonders die Gitarrenarbeit positive wie auch - besonders während so mancher Gniedelsoli - negative Akzente, der Rest bleibt weitgehend unauffällig, manchmal etwas daneben gespielt, im Hintergrund. Nur wenn elektronische Elemente aufkommen wird es zu aufdringlich.
Was das Album und die Band sympathisch macht, ist der nicht selten präsente humorige Unterton, wodurch der manchmal aufkommende Kitsch (am Rande der Geschmacklosigkeit: "Engel der Stunde 2") erträglich bleibt. Besonders das lange "Niemals sterben..." über die Geschichte der Charaktere in der netten Wiener Alternativ/Düsterdisco U4 wird durch so manch lustige Textzeile ("... doch die Männer wollen Rammstein") aufgewertet. Davon abgesehen überwiegt auf "the Secret of the silver blades" jedoch eine romantisch-düstere Atmosphäre, die mich das Album letztendlich doch in das Gothic/Darkrock-Umfeld stecken lassen.
Überraschenderweise sind übrigens die persistentesten Songs auf "the Secret..." die, die auch beim ersten Hören hängen bleiben. Sowohl "diving into you", als auch "nice to eat you" bestechen durch geradliniges Songwriting ohne überflüssige Gimmicks, von denen ansonsten auf dem Album etwas zu viele herumwimmeln. Und auch der luftig-lockere Gothicpop-Song "Romeo in concert" würde ohne die überflüssigen Hardrockelemente zu den guten Songs zählen. Doch letzten Endes hinterlässt die CD keinen positiven Eindruck, zu viele der Songs wirken unausgegoren und unentschlossen, fast wie nicht zur Veröffentlichung gedacht. Dennoch sollten Anhänger von trashigem, nicht allzu ernstem Fantasy Gothic Rock (wie die Band selbst ihre Stilrichtung bezeichnet) mal in diese interessante CD reinhören, allein aus dem Grunde, dass diese eine derartige akustische Melange wohl selten zu hören bekommen.
www.loomlight.com


Ähnlich:
Sisters of Mercy, Fields of the nephilim, Goethes Erben, Das Ich, the Cure, Rosenstolz, Untoten, Project Pitchfork, Mike Oldfield

13.03.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!