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y-luk-o - elektrizitätswerk


Erscheinungsjahr: 2005
Label: final dusk records
Tracks: 11
Spielzeit: 44:35
Genre: beats/elektro
Subgenre: industrial
yluko.jpg
Bewertung: 6/10

rating

Vom billigen Artwork sollte man sich nicht täuschen lassen. So niedrig ist das Niveau des Electro-Industrials der Deutsch-Amerikanischen Band dann doch nicht angesiedelt.
Wobei die Genre-Bezeichnung sowieso Probleme bereitet.
Y-Luk-O lassen sich nicht einfach nur in eine Schublade pressen. Da aber mittlerweile die abenteuerlichsten Sachen in die Industrial-Sparte gestopft werden, sollte für Y-Luk-O sicherlich noch ein Plätzchen frei sein.
Dennoch verwebt die Band in ihren an sich elektronisch-kalten Sound mitunter organische Gitarren, pathetischen Gothic-Gesang, symphonische Samples und ein paar abstruse Experimente - nicht alles gerade Standard im Genre.

Und ich gebe zu: Beim ersten Hördurchgang habe ich die CD gehasst. Auf den ersten Blick kommt einem das Material des Trios so vor, als wären die Tracks alle schonmal viel besser dagewesen. Laibach, die frühen Krupps (besonders beim deutschen "ein lied von der freiheit"), Pankow, Die Warzau, Front 242, Nitzer Ebb, Skinny Puppy - all das hört man bei Y-Luk-O heraus.
Tatsächlich sind die ersten Songs des Albums auch auf Dauer nicht überzeugend, was den ersten Gesamteindruck extrem trübt. Zwar versprüht insbesondere "electricity" ein psychotisch-paranoides und beklemmendes Gefühl und die Sprachsamples (unter anderem Walter Ulbricht) sind in "bombing: sierra" und "ein lied von der freiheit" überaus passend eingesetzt. Aber die stumpfen, in den Hintergrund gemischten Metalriffs und der mitunter hohl pathetische Gesang in so manchem Refrain sind wenig gelungen. Auch habe ich an jeder Ecke das Gefühl, dass die Band mehr hätte wagen müssen. Die Beats tiefer, die Samples fieser, mehr BPM - vieles klingt nämlich etwas halbherzig oder auf Konformität getrimmt. Gerade bei Industrial, dem von Natur aus die Songs an sich fehlen, ein Todesurteil. Dekonstruktivismus geht anders.
Nur für die Tanzfläche geschaffen?

Gerettet wird das Material durch so manch intelligentes Arrangement: Richtig langweilig wird es auch bei den Fünfminütern nicht. Immer, wenn man kurz davor steht, genug vom Song zu haben, wirft die Band ein Break, ein Sample oder einen neuen Beat ein, was die Spannungskurve steigen lässt.

Ab der Mitte des Albums steigt dann auch das Gesamtniveau mit "dandelion's dream". Zwar habe ich immer noch das Gefühl, dass man hätte Vieles besser machen können, aber die einleitenden Muezzin-Gesänge sind nicht nur originell, sondern auch passend eingesetzt und der Song entwickelt sich zu einem epischen und treibenden Breitwandstampfer, auch wenn der pathetische Refrain etwas stört. Relativiert wird letzteres von dem am Ende platzierten, ruhigen und melancholischen Sprachsample aus RL Stevensons "Weir of Hemiston".
Weitaus gelungener als die erste Hälfte sind auch die folgenden Songs. Beim wunderbar treibenden und mit finsteren Samples versehen "a view into the corner" kann das Elektrizitätswerk zum ersten Mal richtig mitreißen und das anschließende knarzige, total aus dem Rahmen fallende "the singing bard" klingt, als wäre Tom Waits ins Studio eingefallen. Genial.
In "little boy" und "respirator" bratzt die Gitarre mal nicht mehr nur stumpfe Riffs vor sich hin und wird intelligenter in den Songkontext eingebunden. Es geht also doch.

Im abschließenden "plastic", dem Song mit der positivsten Grundstimmung der CD wird gesanglich mal wieder die Pathoskeule ausgepackt (gelungener weiblicher Backgroundgesang jedoch), ansonsten aber ein netter Abschluss für eine eher zwiespältige CD.

www.yluko.com


Ähnlich:
Laibach, die Krupps, Pankow, Die Warzau, Front 242, Nitzer Ebb, Coil, Recoil, Throbbing Gristle, Nitzer Ebb, Skinny Puppy, Tom Waits, Marilyn Manson

05.04.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!