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vicious rumors - word of mouth


Erscheinungsjahr: 1994
Label: spv
Tracks: 12
Spielzeit: 47:56
Genre: metal
Subgenre: power metal
viciousrumors.jpg
Bewertung: 8.5/10

rating

Objekt diesmal sind Vicious Rumors, die ebenfalls wie Savatage aus den Staaten kommen und lange Zeit (bzw. immer noch) ziemlich unterbewertet wurden/werden.
Die Geschichte der Band beginnt ziemlich genau 1979, als Gitarrist Geoff Thorpe beschließt seine Heimatinsel Hawaii zu verlassen und nach San Franciso zu ziehen. Dort gründet er eine Kapelle mit dem tollen Namen Berlin. Da es zu dem Zeitpunkt aber noch eine zweite (!!) Band namens Berlin gibt, die fett in den Charts vorhanden war, beschließt Geoff sich den Namen Vicious Rumors zu sichern. Lange Zeit passiert aufgrund vieler Line-Up-Streitigkeiten erstmal gar nichts, bis dann irgendwann 1986 das Debüt "Soldiers Of The Night" veröffentlicht wird. Kurz darauf ändert sich das Line-Up mal wieder, übrig bleiben nur Bandleader Geoff und Drummer Larry Howe.
Vicious Rumors durchleben ihre erste Krise, viele weitere sollen folgen...
Das Line-Up wurde langsam wieder vollständig, hier kristallisierte sich erstmals die Besetzung heraus die etwas länger halten wird: Mark McGee wird als Gitarrist eingestellt, ein gewisser Carl Albert schnappt sich das Mikro, den Bass hat sich ein gewisser Dave Starr umgeschnallt.1988 veröffentlichen die schwermotivierten Jungs den Zweitling "Digital Dictator" über Roadracer Records (das heutige Roadrunner-Label, bei denen ja bekanntlich Bands wie Fear Factory, Soulfly oder Machine Head unter Vertrag stehen), der ein voller Erfolg wird, heute noch als Klassiker gilt und in keiner echten Metal-Sammlung fehlen sollte. Nach dem immensen Erfolg gelüstet es den Jungs etwas weiter auszuholen und so probieren sie bei einem Major unterzukommen. Atlantic macht das Rennen, 1990 erscheint das schlicht "Vicious Rumors" betitelte Major-Debüt. Auch dieses Album wird ein Erfolg, der Sound hat sich trotz Major-Deal nicht geändert. 1991 schieben die Jungs schnell den Nachfolger "Welcome To The Ball" nach. Das Album wird leider von den Fans etwas kontrovers aufgenommen, da die Band etwas zu Power-Metal untypisch geworden ist. Ignoranten. Vicious Rumors bewegen sich so langsam wieder in eine Krise hinein. Atlantic kündigt den Vertrag, die Band steht ohne Label da. Da ein japanisches Label die Band weiter unterstützt und die Vorschüsse zahlt, wird der Nachfolger "Word Of Mouth" zusammengeschustert. Allerdings ohne Basser Dave Starr, der möchte nicht mehr weiterkämpfen. Für ihn kommt der Sympathieträger Tommy Sisco in die Band. Irgendwann 1994 ist es dann soweit: "Word Of Mouth" ist fertig gestellt und mit Rising Sun/SPV hat man auch in Europa ein Label gefunden. Auch dieses Album wird etwas kontrovers aufgenommen: Die einen sagen, es wäre das beste VR-Album ever, die einen finden es einfach nur schlecht und viel zu modern. Die nächste Krise naht: Mark McGee, der zusammen mit Geoff Thorpe eine einzigartige Gitarrenfront bildete und nebenbei Hauptsongwriter war, hat auch keinen Bock mehr und verlässt die Band. Mitten in der Suche nach einem Nachfolger, dann die nächste Hiobsbotschaft aus dem VR-Camp: Carl Albert, Freund schneller Autos, rast mit seinem neuen Auto an eine Wand und wird lebensgefährlich verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Am 25.04.1995, wenige Tage nach dem Unfall, hat er den Kampf verloren: Carl Albert erliegt seinen Verletzungen. Damit hatten VR nicht nur ihren Frontmann, sondern auch ihr Aushängeschild verloren. Einige stellten den einzigartigen Carl auch zu Recht auf eine Stufe mit Sängern wie Geoff Tate (Queensryche) oder auch mit Bruce Dickinson (Iron Maiden). Wieder sind VR innerhalb kürzester Zeit 2 Mitglieder los. Doch die Kämpfernatur Geoff Thorpe denkt nicht ans aufgeben und so machen sich VR daran ihr schon fast fertiges sechstes Studiowerk "Something Burning" fertig zu stellen. Ein Ersatz für Mark McGee ist schnell gefunden: Steve Smyth, ein ansässiger Gitarrenlehrer, wird eingestellt. Einen Ersatz für Carl Albert zu finden ist schon ein wenig schwerer. Ein gewisser Morgan Thorne macht beinahe das Rennen, doch dann entschließt sich Geoff Thorpe den Gesang selber in die Hand zu nehmen, weil er sich nicht daran gewöhnen kann einen anderen Frontmann als Carl in den Reihen zu haben. Die Platte wird ein mittelschwerer Flop. Das Album, das von Vincent Wojno (Machine Head, Trouble) produziert wurde, liebäugelt ein wenig mit der Neo-Thrash Machine Head, Pantera-Schiene. Die Fans sind entsetzt. Ich persönlich finde das Album allerdings genial, neben "Word Of Mouth" mein absoluter VR-Fave. Geoff zieht die Konsequenzen, kündigt ein Schritt Back To The Roots an und macht sich auf die Suche an einem Sänger, da ihm die Doppelbelastung zu viel wird. Auch wenn Geoff tausendmal beteuert, dass "Something Burning" auch mit Carl so geklungen hätte (3 Songs wurden sogar noch von Carl geschrieben, z.B. das ultra-harte "Mouth"), verzeihen ihm es die Fans nicht. Die Band überlegt sich nochmal, es mit Morgan Thorne als Sänger zu versuchen, letztlich wird aber Brain O´Conner neuer Sänger bei VR. Das Album "Cyberchrist", dass 1998 veröffentlicht wird, setzt sich ein wenig zwischen alle Stühle: Den neueren Fans ist das Album zu soft und den alten Fans zu hart. Letztlich gibt es vereinzelt ein paar Leute, die das Ding mögen (Ich zähle nicht direkt dazu, auch wenn das Album nicht schlecht ist), ein Flop ist allerdings wieder nicht zu vermeiden. VR verheddern sich in eine weitere Krise: Larry Howe, Drummer und Backing-Sänger seit dem Debüt, zofft sich ziemlich mit Mastermind Geoff und verlässt die Band freiwillig, Brain O´Conner wird kurz davor gegangen, da er vom Äußerlichen (Kurze Haare, Basketball-Trikot) nicht zu VR passt und deshalb von den Fans nicht akzeptiert wird, Steve Smyth wird auch ein wenig unsanft aus der Band katapultiert, findet bei Testament allerdings eine neue Bleibe und Basser Tommy Sisco sieht eigentlich kein Grund mehr in der Band zu bleiben. Ende des Liedes: Geoff Thorpe steht allein da. Doch da er eine Kämpfernatur ist und jedesmal, egal wie tief VR in der Scheiße steckten, eine Lösung fand, ging es auch diesmal weiter: Sänger wird nun endlich Morgan Thron, der quasi seit 1995 wartet einzusteigen, der neue Basser nennt sich Cornbread, neuer Klämpfer wird Ira Black, der mal bei Heathen zockte und hinters Kit setzt sich Drumgott Atma Anur. Das neue Album "Sadistic Symphony" soll alle Ausrutscher vergessen machen und wieder an alte Glanztaten wie "Digital Dictator" oder "Welcome To The Ball" anschließen. Das Problem dabei ist nur: Irgendwie wird das Album genauso kontrovers aufgenommen, wie die Alben zuvor. Einige sprechen sogar von "Cyberchrist, Part 2". Ich persönlich kenne das Album nicht, kann da also nichts dazu sagen, außer, dass ich es wohl kaum anchecken werde, da mich VR 2001 eigentlich herzlich wenig interessieren. Man darf allerdings gespannt sein, wie Geoff Thorpe und Co. diesen weiteren Tiefschlag verkraften werden, oder das nun das letzte Aufbäumen gewesen ist...

Wie oben schon erwähnt wurde das Album "Word Of Mouth" 1994 nach langen Labelstreitigkeiten veröffentlicht. Und wie oben auch schon gelesen war es das letzte Album mit dem langjährigen Sänger Carl Albert, der sehr verfrüht aus dem Leben schied. Und weiter oben, habe ich auch schon erwähnt (was ich nicht schon alles vorausgenommen habe...hmm...), dass das Album von den Fans kontrovers aufgenommen wurde: Die einen meinten, es wäre eindeutig DIE Glanzleistung von VR, die anderen meinten, dass das Ding viel zu modern produziert wäre und auch sonst viel zu modern aus den Boxen krachen würde... Allein aus diesem Grund ist schon interessant, das Album näher zu beleuchten:
Der Opener "Against The Grain" beginnt mit einer Country-mässigen Slide-Gitarre schon mal ziemlich untypisch, durch die kurz darauf eintretende Blues-Harp (zu deutsch: Mundharmonika), ist der Country-Song perfekt, verbreitet aber eher eine staubige als fröhliche Atmosphäre. Es folgt ein fettes Break, dass den Song in metallische Bahnen lenkt. Ein fieser Rhythmus macht schnell klar, dass VR technisch ziemlich fit unterwegs sind. Absoluter Killer mit hymnischem Schluss.

Das folgende "All Rights Reserved" beginnt als typischer Mid-Tempo-Stampfer mit oberfettem Riff, das sich sicher auch bei Machine Head ganz gut machen würde. Fallt durch die Metal-Röhre von Carl Albert natürlich eher weniger auf. Der Refrain birgt auf jeden Fall Ohrwurm-Qualitäten in sich. Geniale Soli der Gitarrenfront Thrope/McGee.

"The Voice" ist der erste "Radio-Hit" der Platte: Beschwingte Atmosphäre, durch akustische Gitarren aufgelockert. Hier erinnert erstmal nicht viel an Metal. Der zweistimmige Gesang während der Strophe ist einzigartig. Zum Refrain hin wird das ganze ein wenig härter. Geniale Chöre beim Refrain, intelligenter Double-Bass Einsatz seitens Larry Howe. Erstklassiger Song und erstes Highlight.

Mit "Thinking Of You" wird es recht hart. Hart, nicht schnell. Ein fast schon Tribal-mässiges Percussion-Intro (die Blues-Harp taucht auch wieder auf) läutet einen dunklen und ziemlich modernen Song ein, der durch seinen unwiderstehlichen Groove den Hörer in den Bann zieht. Carl Albert zeigt was er draufhat und packt teilweise fast schon Death-Metal Grunts und Sprechgesang aus, um im nächsten Moment in bester Halford-Manier loszukreischen. Als dann sogar verzerrter Gesang auftaucht, fühlt man sich sogar kurz an einen groovigen Industrialsong erinnert. Am Ende mündet alles in wieder in den Percussion-Part vom Beginn, der gesteigert wird und an Neurosis erinnert. Kein Wunder, dass die Fans etwas erschreckt waren...

Song Nr. 5, "Thunder And Rain, Pt. I" ist eine recht unspektakuläre Ballade, die mit 3 Minuten recht kurz geraten ist, aber eigentlich auch eher als Intro für Part II gedacht ist...

Wie gesagt, wo es Part I gibt ist Part II nicht weit. Der zweite Teil ist eigentlich eine richtige Metal-Hymne, mit fetten Refrain und genialen Breaks. Trotzdem wird man den Eindruck nicht los, dass sich der Song in einem Teil, sprich in einem längeren Song besser gemacht hätte. So steht der erste Teil ziemlich allein da und verkommt früher oder später zum Fall für die Skip-Taste...

Mit dem ultafetten "On Fate" machen sich VR wohl auch eher weniger Freunde im traditionellen Metal-Bereich. Der Beginn des Songs zielt ganz klar in die fette Neo-Thrash Richtung ab und groovt wie Hölle. Erinnert mich ein wenig an das sackharte "Jugulator"-Album von Judas Priest, das allerdings erst 2 Jahre später, also 1997, veröffentlicht wird. Der Song bleibt allerdings nicht über die ganze Distanz so modern, sondern schlägt in einen weiteren, wunderschönen Radio-Tauglichen Part um, der allerdings wiederum von den fetten Riffs plattgewälzt wird. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

Der Anfang des schnellen "Sense Of Security" ist ziemlich misslungen. Obwohl ich die Scheibe jetzt seit 6 Jahren habe, und immer wieder auflege, gefällt mir der Song immer noch nicht. Wahrscheinlich doch zu viel Metal für mich. Speed-Metal-Kracher würde man sowas wohl in der Fachsprache nennen. Durch den Maiden-mäsgigen Refrain machen VR allerdings ein wenig verlorenen Boden gut. Trotzdem nicht so ganz mein Fall.

Der Titel "Dreaming" umschreibt Song Nr. 9 eigentlich perfekt. Was soll ich dazu noch großartig sagen... Der zweite "Radio-Hit" der Scheibe, der mit seiner verträumten Atmosphäre und seinem wunderschönen Refrain dazu beiträgt in die Rock´n´Roll-Ruhmeshalle aufgenommen zu werden. Auch dieser Song ist eher untypisch für eine Power Metal-Band.

"Building # 6" ist ganz klar an den "Operation: Mindcrime"-Opus von Queensryche angelehnt. Carl Albert macht den Vergleichen zu Geoff Tate alle Ehre und singt wie ein junger Gott. Für Queensryche-Fans sicher ein Volltreffer.

Der letzte Track "Ministry Of Fear" bricht an und erinnert mich zu Beginn ziemlich an "Still Life" von Iron Maiden, bevor der Song Eigeninitiative entwickelt und einen schnellen Metal-Brecher übergeht. Sozusagen die Hymne am Schluss. Der Refrain hat wirklich etwas hymnisches. Schön zum Mitgröhlen.

"Music Box", so nennt sich das 2-Minütige Outro. Ein schönes Gitarrenstück, dass der Platte zu einem würdigen Ende verhilft.

Doch auch im Falle VR "Word Of Mouth" gab es eine Digipak-Version, da der Digipak-Markt ja gerade zu dieser Zeit blühte. Allerdings muss man sagen, dass es sich im Falle VR wirklich geloht hat, denn immerhin waren 2 Bonustracks vorhanden und nebenbei konnte ja keiner ahnen, dass das Ding zu einer Rarität verkommt:
Die Plattenfirma hatte sich etwas ganz besonders einfallen und schmiss das Ding als "3D-Pop Up-Digipak" auf den Markt. Darunter kann man sich jetzt erstmal wohl weniger etwas vorstellen... Na ja, einige kennen vielleicht noch diese Kinderbücher, die, wenn man sie aufschlägt eine 3D-Landschaft offenbaren, da das Papier entsprechend zusammengeschnitten und gefaltet wurde, dass sich die Gebilde aufstellen. Genau dies geschieht auch im Falle VR mit dem Bandlogo. Die Band war jedenfalls weniger angetan und lies die Auflage wieder einstampfen. Ein paar wenige wurden natürlich schon verkauft. Wer also das Ding hat, kann sich glücklich schätzen. Aber es kommt ja eher auf die Bonustracks an, und diese waren da in dem Fall:

"Communication Breakdown" von Led Zeppelin: VR rotzen das Ding eher in einer Rock`n´Roll-Version als im Metalgewand runter und outeten sich damit schon als Fans der New Wave Of Swedish Asshole-Rock, die allerdings erst zwei Jahre später mit dem Hellacopters-Debüt begründet wird *gg*

Als zweites muss "Paint It Black" von den Rolling Stones dran glauben: Hier holen die Jungs eher die Metal-Kelle raus, auch wenn der Song vom Original bedingt trotzdem rockt ohne Ende. Beide Coverversionen sind auf jeden Fall gelungen und rotzen ziemlich geil in der Gegend rum anstatt mit Eunuchen-Schreien zugepflastert zu werden.

Vicious Rumors bewiesen mit diesem Album und mit dem Nachfolger, dass sie mehr können, als nur Metalklassiker zu schreiben. Leider wurde dies in der Szene natürlich nie toleriert, bzw. anerkannt.

Na ja, vielleicht sagt das neue Album "Sadistic Symphony" ein paar Jung-Metallern zu, die der Band wenigstens ein wenig Kohle und Respekt einbringen...


Ähnlich:
Judas Priest, Iron Maiden, Machine Head, Pantera, Queensryche, Metal Church

13.03.2005
kervorkian


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!