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v.a. - alpha motherfuckers a tribute to turbonegro


Erscheinungsjahr: 2001
Label: bitzcore/indigo
Tracks: 35
Spielzeit: 101:04
Genre: punk
Subgenre: punkrock
turbonegro.jpg
Bewertung: 7/10

rating

Turbonegro waren Rock, sie waren Tod, sie waren Punk, sie waren Sex, sie waren Schweiss, Rauch, Arsch, Denim, Satan, Schwul, Hetero, Roll, Roh und außerdem eine Legende.
Nach vier regulären Alben und einem genialen Livealbum lösten sie sich kurz vor Weihnachten 1998 auf - angeblich, weil Sänger Hank geisteskrank wurde, so nicht mehr die Band unterstützen konnte, die damit ihr wichtigstes Aushängeschild verlor und aufhörte.
Nicht ohne Tochterbands, wie z.B. Euroboys, die aber nie in aller Munde wie Turbonegro waren.
Es sei dahingestellt, ob diese schockierende Nachricht stimmt, oder nur ein guter Marketinggag war, damit die Band sich problemlos auflösen konnte und nebenbei noch Tonträger verkaufte - dass Turbonegro eine der bedeutendsten Schweinerock, Deathrock, Punkrockbands der neunziger Jahre war, das wird keiner ernsthaft bestreiten.
Anders als die Masse dieser hatten diese Jungs ihr überlebensgroßes Image weg, wie in einem Comic. Sänger Hank kokettierte mit seinem schon immer latent vorhandenen Wahnsinn und posierte in seinem Clockwork Orange Outfit wie ein Berserker und wenn die Wunderkerze im Anus angezündet wurde, blieb kein Auge mehr trocken, ebenso wenig wie auf die gewaltigen Rauchbomben auch im kleinsten Club nicht ausblieben. Teile der Band verkauften sich als schwul, nur weil es ihnen Spaß machte, zu provozieren, und weil sie wussten, dass sie so letztendlich noch mehr Frauen rumbekamen (die schnell hinter das Geheimnis von Bassist Happy Tom und Co. kamen).
Mit ihren extrem politisch unkorrekten Sprüchen (Walfang, Krebsliebhaber, etc.) gingen sie natürlich so manchen gegen den Strich, man hatte aber immer im Hinterstübchen, dass die Band nur eine Karikatur ihres Umfeldes seien, insofern machte die Ganze Sache nur noch mehr Spaß. Zusätzlich war das der Grund, warum sie sich noch mehr vom Mainstream abhoben, der mit seinen leeren Parolen eh keinen mehr vom Stuhl bekam.

"Ass Cobra" und - in der perfekteren Ausgabe - "Apocalypse Dudes" waren die beiden Alben, die die Musikwelt bewegten, kaum eine Band hatte so treibende Songs am Start, die unweigerlich lebensbejahend, aber auch immer ein wenig morbides Feeling hatten. Zusätzlich war die Band fit an ihren Instrumenten, was den Kompositionen noch zu Gute kam, auch wenn man es bei den recht altbackenen Riffs nicht immer hörte, man hörte, die Jungs wussten, was sie taten.

Und ich bin wirklich stolz, dass ich noch eins der Konzerte der Legende miterlebt habe, es war eines der intensivsten Gigs, auf denen ich je war, da verblassen sogar die Backyard Babies und Gluecifer gegen.



Und jetzt, zweieinhalb Jahre nach ihrem letzten Lebenszeichen kommt also ein offizieller Tributesampler.
Ist natürlich die Frage, inwieweit das Sinn macht, eine Band mit vier Alben, (mehr oder weniger) Insiderstatus und erst seit kurzem dahingeschiedenen Leben von ca. 100 Bands covern zu lassen, aber egal, dass sie Legenden waren hat keiner zu bestreiten und Legenden ehrt man nun mal von Zeit zu Zeit, so ist das auch in diesem Falle, basta!

Von den 100 und mehr Kandidaten wurden 25 Songs für die erste Staffel (soweit ich informiert bin soll "Beta Motherfuckers" auch noch erscheinen, weil nicht alle hochkarätigen Bands ihren Beitrag rechtzeitig fertig gestellt haben) ausgewählt, mit ein wenig Glück ergattert man noch die ltd. Edition mit zusätzlichen 10 Songs.

Die Mischung machts auf einem Tributesampler, neben großen Bands sollten auch kleinere, aber dafür umso kreativere Bands ihr Scherflein beitragen, was auf der Scheibe eigentlich ganz gut gelungen ist. Zwar ist die Tracklist so gestaffelt, dass die Größen der Szene am Anfang kommen, aber wenn man die CD durchlaufen lässt, melden sich noch genug kleinere Bands zu Wort.

Die amerikanischen Asirocker Nashville Pussy machen den Anfang. Die mit ihrem Seximage (Frauen an Bass und Gitarre, und die Betonung liegt auf FRAU) hausierende Band macht ihre Sache solide und covern "Age of Pamparius" recht originalgetreu, inklusive dem Spannungsgeladenen Intro. Dass die Stimme noch immer Original N.P. ist, ist klar, stelle dir also Turbonegro mit Lemmy von Motörhead (auf speed) am Mikro vor. Der ganze Song dann noch etwas rauer produziert und man hat das Ergebnis. Nicht überwältigend, aber ok.
Nicht viel anders gehen Therapy" vor, die es aber schafften, aus "Denim Demon" noch etwas mehr Energie herauszuholen, indem sie etwas energischer spielten. Klasse und ein erstes Highlight. Nur der Gesang ist nicht so überzeugend wie beim Original.
Leider sind die originalgetreuen Cover in der Überzahl, was gut gehen kann, wenn man das richtige Feeling hat, aber das schaffen naturgemäß nicht alle Bands. So brettern Supersuckers eine recht schwachbrüstige Version von dem Megasong "Get it on" ein, herbe Enttäuschung, weil ich mir von der Band mehr erwartet habe.
Auch viele kleinere Bands bieten nicht die Behandlung, die die Songs verdient hätte, zu respektvoll gehen sie an das Material, wie auch Scot Free beweisen.
Zwar sauber eingespielt ist der "Rock against ass", aber nicht wirklich überzeugend, auch wenn die Stimme anders klingt.
Spacebitch spielen "Don´t say motherfucker" etwas schneller, noch pogotauglicher, aber da fehlt irgendwie die schmierige Attitude, die das Original tunlichst auch in der anderen Version erhalten sollte…

Aber natürlich gibt es nicht nur Negativbeispiele, Griffin zocken "Bad Mongo" noch dreckiger als Turbonegro einst, besonders der Gesang ist schön rauh, zwar nicht besonders sauber eingespielt, aber ist auch nicht der Sinn der Sache, Zeke verpunken "Midnight Nambla" sehr heftig und hässlich, auch gut, Samesugas haben auf "(i fucked) betty page" einen schönen spanischen Akzent und Puffball rotzen "zonked out on hashish" schön raus.

Aber die wahren Highlights bleiben nahezu ausschliesslich den großen Bands/Projekten vorbehalten:
Es fängt an bei Bela B. & Denim Girl (Synonym für Blümchen, yeayea). Die beiden machen "Are you ready for some Darkness" zum anrüchigen Popsong inkl. Poserdrumbeats und aber auch halbwegs harten Gitarren im Refrain, das geht voll am Original vorbei und ist eigentlich ein Arschtritt für jeden Turbonegrofan, und meine Herren, das ist GUUT, was anderes wollen wir ja eigentlich gar nicht. Und hiermit lernen wir auch endlich mal Blümchens richtige Gesangsstimme kennen, also, damit lohnt sich die CD schon fast.

Das zweite Highlight kommt nicht, wie vielleicht erwartet von den Queens of the Stone Age (obwohl ihr Cover von "Back to dungaree high" mit Bassist Oliveri schön paranoid punkrockig geworden ist), sondern ……. von HIM!
Ja, die Norweger schaffen es, bei "Rendezvous with Anus" die anzüglich schwülstig schwule Grundstimmung noch mehr herauszuheben und überzeugt mit massiven Gitarrenwällen (die einzigen in dieser Art auf dem Album). Sehr anders, sehr gut.
Als hätten HIM noch nie gut gemachten, aber glatt gebügelten und langweiligen Gothicpop gespielt.

Satyricon ist dann Nummer Drei bei meinen Faves! Mit pervers geilem Telefonsexintro schaffen sie das hinterfotzige "I Got erection" in ihre ganz eigene Welt aus Hass und ekligem Sex herüber, rein in die Fresse und die Lefzen tropfen vor Speichel. Hervorragend, inklusive warmen Keyboardmelodien im Hintergrund.
Besonders das mächtige tribalhafte Drumming und die sägenden Gitarren habens mir angetan.

Motorpsycho erschaffen aus dem eh schon leicht bekifften "He´s a grungewhore" eine wabernde Sixtiesmelange und verdienen Respekt dafür, allerdings passt das Ganze nicht so richtig zwischen Spacebitch und den Hardcore von ADZ, aber egal, eine Klasse für sich.

Das merkwürdigste dann gegen Ende: Toby Dammit (kannte ich auch nicht) covert als Lied 25 "Prince of the rodeo" und ich frage mich: Was hat der Typ bloß genommen?
Der Song klingt bei ihm wie der Amerikanische Alptraum. Kindersex im Pferdesattel. Verdammt krank, was der Typ da abliefert, zeigt es die psychisch gestörte Seite unserer Gesellschaft musikalisch auf. Mein Gott, das ist Psychedelisch, total ruhig und irgendwie besoffen hin und herschlingernd, absolut merkwürdig aber genial. Bluargh.

Desweiteren vertreten sind Amulet (gut runtergerotzt: "Hate the Kids"), Maryslim ("No Biest so fierce" mit noch mehr Melodie), Hot Water Music (Hatte mir von ihrem "Prince of the rodeo" mehr erwartet) ein paar andere nicht erwähnenswerte Bands und gegen Ende: Ratos de Porao, die einen charmant schnellharten Dschungelpunktod von "Suburban AntiChrist" einspielen, danach noch "Real Mc Kenzies", die "Sailor Man" frisch und melodiös einspielen, inklusive komischer Stimme und Dudelsack (?). Gut gelungen.

Auf der Bonus-CD befinden sich dann 10 zusätzliche Songs, noch mal von Scot free (Age of pamparius, na ja), und um mal die Bekannteren aufzuzählen: Peter Pan, Cellophane Suckers, Jerry Spider Gang und Prollhead am Schluss, die "Gut Bläst" auf Deutsch singen (was war das Original noch gleich?).
Wahrlich überzeugt haben mich neben dem extrem merkwürdig produzierten "Toodlepip Fuck" von der Jerry Spider Gang nur Scared of Chakra mit einem enorm wütenden "Self destructo bust".

Das tolle Kozikcover rundet das Ganze mit den Kommentaren von allen Bands zu ihrem gecoverten Song ab und weil es bei der ltd. Edt. 100 Minuten Musik für nur 15 bis 20 Euro gibt, sollte eigentlich jeder gut betuchte Turbonegrofan die CD zuhause stehen haben.
Für Fans der jeweilig beteiligten Bands ist es allerdings nix, es sei denn, man will wirklich alles im Regal haben.

Eine Party-CD sondergleichen, aber wegen so manchen Ausfällen (bei 50% ziehe ich das ähnliche Original vor) gibt's einen dicken Punkt Abzug.

12.03.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!