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two lone swordsmen - further reminders


Erscheinungsjahr: 2001
Label: warp
Tracks: 11
Spielzeit: 58:36
Genre: beats/elektro
Subgenre: elektronika
twoloneswordsmen.jpg
Bewertung: 7/10

rating

Gerade in der neueren Electroszene sind Remixalben schon fast ein Muß, kaum ein Künstler aus der Ecke, der seine Werke nicht von bekannten oder weniger bekannten Kollegen remixen lässt, oder gar selbst Hand anlegt.
Two Lone Swordsmen dürften für so manchen unbekannt sein, in der Intelligent Electroszene sind sie aber kein unbeschriebenes Blatt mehr, so gehört einer der beiden Schwertkämpfer (Andrew Weatherall) doch auch den weitaus bekannteren und einflussreicheren Primal Scream an. Hochwertige Samples und Beats sind einem also schon sicher, wenn der Name auf der Platte auftaucht. Im Gegensatz zu den genannten Primal Scream setzen die Two Lone Swordsmen aber mehr auf Atmosphäre und Kopfarbeit, als auf Tanzbarkeit und Popappeal.

Auf sie aufmerksam geworden bin ich durch ihr zweites 98er Album "Stay Down", was mich als Unterwasserweltfetischist hat aufhorchen lassen, klangen ihre 16 kleinen Klangwelten doch so, wie man sich die Gedanken eines der Taucher auf dem Covergemälde vorstellt. Von Blubbern und komisch singenden und fiependen Geräuschen getragen entstand eine wabernde Atmosphäre in meinem Kopf, die mich weit weg von der alltäglichen Welt bewegte, aber irgendwie hat es die monotone und sehr ruhige Musik geschafft, mich gleichzeitig abzustoßen...

Fast drei Jahre später erscheint also dieses Remix-Album. 11 Stücke füllen eine Spielzeit von fast einer Stunde, wobei die typischen langen Versionen eines Stückes selten vertreten sind. Nur das zweite Stück, der Villalobos Remix von "Bunker" erreicht eine Überlänge von fast zehn Minuten.

Sieben Stücke wurden vom letztjährig veröffentlichten Album "Tiny Reminders" genommen, wobei "Tiny Reminder No.1", "Rotting Hill", "Neuflex" und "Brootle" jeweils zwei Remixe gewidmet sind.

Sehr ungewöhnlich für das Duo ist der Beginn, mit zarten, fast schon Easy Listening-Flöten startet der C-PIJ Remix von "Tiny Reminder No 1", was sich auch während des weiteren Verlaufs des Liedes nicht ändert, hinzu kommen bloß noch eine leise gezupfte Gitarre und das Rauschen im Hintergrund.
Man hat das Gefühl, abends auf einem begrünten Hügel zu sitzen und sich den Klängen der Natur hinzugeben, was schon an sich ein Paradoxon bei den Two Lone Swordsmen ist, bei "Stay Down" aber letztlich ähnlich war. Atmosphäre against Technik. Grandios minimalistisch umgesetzt kann ich es leider nicht mit dem Original vergleichen, wohl aber mit dem Vocal-Remix vom gleichen Track, der am Schluss der CD steht. Instrumental ähnlich, allerdings mit einem leise pumpenden und echoenden Beat unterlegt, erklingt eine zerbrechliche Frauenstimme - sehr unaufdringlich aber schön - vom Wind umschmeichelt. Natürlich nicht mehr ganz so minimalistisch wie Track 1, aber dafür umso songorientierter, weil das Lied durch die Vocals mehr zusammengehalten wird und nicht mehr diesen Bewusstseinsstrom auslöst. Beide Remixe sind definitiv Höhepunkte und Ruhepole der CD, denn den Rest regieren überwiegend knochige Beats. Mitunter auch tanzbar, wie das lange "Bunker" beweist. Über 10 Minuten wird hier ein waberndes Sample über einen stetigen 4/4 Beat gelegt, der allerdings zwischendurch unverhofft aussetzt und Platz lässt für die übrigen seltsamen hochspannungsähnlichen Geräusche. Eindeutig zu lang, um es sich im Wohnzimmer richtig anzuhören, erlangt es die Aufmerksamkeit mit anderen Mitteln, denn die einsetzende Trance wird durch diese Endlosloops gefördert… Nicht schlecht, aber in dieser Richtung gibt es besseres. Wie zum Beispiel das von ihnen selber geremixte "Rotting Hill", was den Hörer durch unvorhersehbare Scratches und Geräusche verwirrt. Ein grandioses Beispiel moderner Klang und Sampletechnik, wobei immer noch ein loses Songgefüge eingehalten wird. Eine Melodie hätte aber das Ganze noch interessanter gemacht. Dennoch: Wenn Electro, dann so. Verstörend und seltsame Gedankenbilder auslösend.
Dass es auch schlechter geht beweisen "Cause" in ihrem Remix des gleichen Stücks, das eher die Techno Gemeinde befriedigt. Über einem einfallslosen und tausendmal gehörten Beat werden die natürlich immer noch hochwertigen Samples verbraten. Für Raver vielleicht in Ordnung, für mich nicht. Wohl für die Tanzfläche entworfen.

Zum Glück der einzige ernsthafte Ausfall der CD, der leider auch noch über fünf Minuten dauert. Kompensiert wird dieser durch das fast schon Trip Hop ähnliche "Neuflex" in der Dry & Heavy Version, das so trocken und hart aber definitiv nicht ist, sondern im Gegenteil eher wabernd daherkommt und durch das nicht allzu schnelle Tempo relaxt klingt. Da kommt der Decalremix schon eher trocken daher, weil es die Drum´n`Bass Seite des Tracks mehr betont. Nicht so mein Ding.

Zwischendurch der an Aphex Twin gemahnende, verquere Simulant-Remix von "Brootle", der tatsächlich den Tracks von Afx in kaum etwas nachsteht, aber eine harmonischere Atmosphäre verbreitet. "Klart" machen aus dem selben Track eine schnellere, sehr hektische Version, die verstörend ist und auf Dauer ein wenig nervt, aber durch sehr gelungene Loops auffällt. Im Endeffekt aber zu Junglemässig.

Das folgende "It´s not the worst" ist es tatsächlich nicht. Im Gegenteil, das recht ruhige Stück fällt durch seine perfekt gesetzten weiblichen Vocalsamples positiv auf und bereichert das Album durch eine betörende Seite, die auch ein wenig durch den Namen der Remixer symbolisiert wird: Lali Puna (einer Band aus dem Notwist-Umfeld). Ähnlich einem milden Orangensaft der getrunken wird, wenn man faul in der Hängematte liegt. Süßlich und schmackhaft, aber dennoch mit Fruchtfleisch, das Überraschungen auslöst.

Zu vorletzt auf dem Album dann der dritte Teil von "Tiny Reminder", geremixt von den sagenhaften Calexico, die ihren Job solide ausführen, ist dieser Track definitiv der organischste auf der CD, weil die Drums einen sehr realistischen Sound spendiert bekommen haben und gleichzeitig fordernd und entspannt klingen. Schwer nachzumachen.
Die Gitarrenmelodie ist wie auch beim ersten Teil das Tüpfelchen auf dem i, wobei hier noch ein wunderschönes, an Blasinstrumente erinnerndes Sample herhält und den Song bereichert. Wunderschön und zum Schwelgen einladen bildet es mit dem bereits besprochenen Vocalremix von "Tiny Reminder No1" einen chilligen Ausklang, wie er hätte besser nicht sein können.

Dieses Remixalbum ist eine Tour De Force durch sämtliche (aber nicht nur) Electrobereiche, wobei die Besseren überwiegen. Und Two Lone Swordsmen haben mit dieser CD bewiesen, dass sie selbst noch mit zur Spitze des intelligenten Electrosounds gehören und nicht nur Knöpfchen, sondern auch Köpfchen haben.


Ähnlich:
Plaid, Mouse on Mars, Autechre

18.03.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!