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sophia - the infinite circle


Erscheinungsjahr: 1998
Label: Flower Shop
Tracks: 10
Spielzeit: 47:15
Genre: Alternative
Subgenre: Sadcore
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Bewertung: 9/10

rating

Diese zweite CD von der Band um den britischen Songwriter Robin-Proper Sheppard dürfte eigentlich auch all diejenigen interessieren, die sich auch die ruhigen, von Akustikgitarre getragenen Stücke von Travis öfter zu Gemüte führen. Das nur als einleitende Worte, um den (noch immer viel zu niedrigen) Bekanntheitsgrad der exzellenten britischen Band zu steigern.

Sheppard war, wie sicherlich einigen bekannt, bis 1995 einer der drei Hauptköpfe der genialen, melancholischen Alternative/Industrial-Rocker The God Machine.
Deren Bassist starb allerdings tragischerweise kurz vor der Fertigstellung/Veröffentlichung des damals aktuellen Albums "one last laugh in a place of dying" (sic!) an einem Gehirntumor, was die beiden verbliebenen Mitglieder dazu veranlasste, die Band aufzulösen, da die Freundschaft zwischen ihnen einfach zu groß war, und die drei sich damals geschworen hatten, die Band aufzulösen, falls einer von ihnen sterbe.

So gingen sie musikalisch fortan getrennte Wege und soweit ich weiß, verschwand das andere Mitglied (Ronald Austin) in der privaten Versenkung.

Proper-Sheppard allerdings machte weiter, für ihn war der Verlust über seinen besten Freund so tieftragend, dass er es wohl nur noch über die Aufarbeitung in Form von Musik - und zwar tieftrauriger akustischer Musik - bewältigen konnte.

So veröffentlichte er 1996 das Debüt seiner neuen Band, die er Sophia nannte.
Acht Songs, die hauptsächlich den Tod und den Verlust von geliebten Menschen, stellvertretend für Jimmy Fernandez, zum Thema haben. Und das so herzzerreißend, dass es einen zu Schluchzern hinzureißen vermag.

Das Design des neuen Albums "the infinite circle" ist wiederum sehr schlicht gehalten, auch wenn es nicht ganz so schön und bezeichnend wie seinerzeit das vom Debüt war.

Gleich der Opener "directionless", von dem als einziger auch der Text abgedruckt ist, ist der intimste Song von allen. Nur ein leises Schlagzeug, eine gezupfte Akustikgitarre und Robins leiser, leicht rauer Gesang, der einen verstummen lässt.

Das folgende "If only" war auch schon passenderweise beim schönen deutschen Film "Absolute Giganten" zu hören.
Hier geht es um das immer wiederkehrende Thema von Freundschaft und die Infragestellung dieser - wenn sie bricht hinterlässt sie tiefe Narben. Offensichtlich auch bei Proper-Sheppard.
Musikalisch sicherlich einer der besten Tracks, da mit einer an ein Mini-Orchester grenzenden Besatzung (zehn Mann) hier Intensität in Perfektion zelebriert wird.

"everyday" ist sicherlich erwähnenswert, da er zum ersten Mal etwas lockerer ist - zumindest musikalisch. Textlich geht es während dessen weiter melancholisch zu: "everyday i think of how much i must hurt you... do you really think that i never loved you?"
Spätestens hier merkt man, dass die Texte überhaupt recht einfach gehalten sind, meist nur wenige, oft wiederholte Zeilen, was die Intensität teilweise ins Extreme steigert. Nicht ganz so karg wie auf "fixed water", aber immer noch ein beliebtes Stilmittel.
Und "everyday" ist nicht das letzte Lied, in dem Sheppard über sein Leid mit Frauen klagt. Auch "Woman" handelt von einer Frau, die ein Leben zerstört hat. Ob es seines ist, wird trotz der Ich-Perspektive nicht ganz deutlich.

Das folgende "sometimes" lässt Sheppards Stimme durch die Benutzung eines Vocoders noch intensiver, gleichzeitig aber auch zerbrechlicher erscheinen, wobei die Instrumentierung des Songs fast beiläufig klingt.
"Bastards" ist danach ein Lied über die Halt suchende Menschheit und ist musikalisch nach dem abflachenden "sometimes" wieder einfallsreicher und besonders die Gitarren- und Streichermelodien, die hier aus dem Ärmel geschüttelt werden, so intim, so eindringlich, werden von keiner ähnlichen Band annähernd hinbekommen. Göttlich.

Als Abschluss dann der "river song". Nach anfänglich karger Instrumentierung später reißend wie ein Fluss - und es wird immer intensiver, die Strömung immer schneller. Unfassbar, was das mit drei Akustikgitarren für ein Sog entfacht wird. Eindringlich bis zum physischen Schmerz. Ein Höhepunkt und passender Abschluss für eines der intensivsten Singer/Songwriteralben der letzten Jahre.

i say goodbye to my friends
some i´ve known for years
this is the first time i´ve felt the fear
(...)
i guess i´m losing my direction
(...)
i´m losing my direction

01.01.2002
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!