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six feet under - graveyard classics


Erscheinungsjahr: 2000
Label: metal blade
Tracks: 12
Spielzeit: 46:06
Genre: Metal
Subgenre: Death Metal
sixfeetunder.jpg
Bewertung: 5/10

rating

Fröhlich werden die Toten ausgebuddelt. Während das Coverfieber in den Charts und im Mainstream schon fast abgeklungen ist, machen sich auch mal die Death Metal Recken um den ehemaligen Cannibal Corpse Sänge Chris Barnes daran, ihre Favoriten zu covern.
Und zwar nicht aus dem Death Metal. Nein, das wäre ja langweilig, sondern aus dem Besten aus Hardrock, Punk und Metal.
Passend mit "Graveyard Classics" betitelt legen die Amis ein Werk voller Spielfreude und Spaß hin, das eigentlich jede Metalparty verschönern dürfte. Beim Artwork wurde jedoch diesmal gespart, weder das Cover (Totenschädel, der gerade frisch ausgebuddelt von zwei Händen bearbeitet wird), noch das Booklet (weil gerade mal vier Seiten, aber wenigstens mit ausführlichen Liner Notes) können mich überzeugen. Bei einem Coveralbum zum Glück nicht ganz so schlimm…
Was zählt ist schließlich die Musik, und die hat's teilweise in sich. Zwar wird schon beim Durchlesen der Tracklist klar, dass das Album weder sonderlich originell (kein einziger Coversong ist ein unbekannter), noch innovativ sein kann, aber das ist auch gar nicht Sinn der Sache, der ist nämlich der pure Spaß an der Sache, und den merkt man den Jungs an. Den kann man schließlich nicht so gut mit Songs haben, die kaum einer aus der Fangemeinde kennt...

Los geht's mit "Holocaust" (nein, liebe politisch korrekte Gemeinde, das ist weder eine Verherrlichung, noch eine Leugnung). Im Original von Savatage, veröffentlicht auf deren legendärem Debüt "Sirens" Anfang der goldenen Achtziger. Allzuviel verändert wurde nichts, der Sound wesentlich fetter als damals und es rockt auch mehr, aber bis auf dass der Gesang durch den Grunzwolf gedreht wurde, und dass die Gitarren tiefergestimmt wurden, hat sich eigentlich nix getan. Geht ok, wenn auch der volle Partyspass erst mit Song Nr.2 losgeht, unbestritten der Hit des Albums. "T.N.T."!
Nachdem sich schon Massen an anderen Bands daran vergangen hat (ich erinnere nur an die recht misslungene, aber irgendwie lustige Version von den verschwundenen Mr. Ed Jumps the Gun) versuchen sich jetzt Six Feet Under am Klassiker von AC/DC. Und da ich das Original dank meinem Hass auf die Stimme nicht leiden konnte, werde ich hier schon eher glücklich. Mit Chris Barnes Gegrunze kann ich leben, es passt außerdem hervorragend zu den wunderbaren Riffs, die hier noch eine Spur fetter dargeboten werden. Quasi DER Death Metal Hit.
Als nächstes ist "Sweet Leaf" von Sabbath dran, einem der Songs der Kultband, dem ich etwas weniger abgewinnen kann. Six Feet Under machen ihre Sache technisch wie gewohnt gut, aber auch das reißt mich nicht vom Hocker.
Zum ersten Mal in Highspeedgewässer geht es dann mit "Piranha" von der Thrash Metal-Legende Exodus. Hört sich bei Six Feet Under auch besser an, als das Original. Und Nostalgie ist ja sooo schön - immerhin war "Bonded by blood" (auf dem das Original enthalten ist) meine dritte Metal-MC.

Das nächste Highlight kommt mit Cover Nr.5, "Son of a Bitch", von Accept. Geht gut nach vorne los und was anderes wollen wir auch gar nicht.
"Stepping Stone", im Original von den Sex Pistols, überzeugt dagegen weniger. Da hör ich doch lieber das Original, da bei Six Feet Under das Punkfeeling verloren geht - dafür hört sich das Teil morbider an. Wers mag…
"Confused" von Angel Witch kenne ich im Original gar nicht, das Cover ist aber gelungen, bis auf das Gniedelsolo ein ordentlicher Midtempomoshsong.

Aber spätestens jetzt merkt man auch, dass man das Album schlecht am Stück und alleine im Zimmer anhören kann. Für jede Metalfete ist die Scheibe definitiv ein Muß, aber ob die Scheibe auch sonst ihre Daseinsberechtigung hat, muss jeder selbst entscheiden. Ich für meinen Teil würde sie nie kaufen (höchstens ausleihen), aber die Nostalgiewelle, die mich gepackt hat, war doch ganz schön und für einige ältere Gesellen dürfte es ein Heidenspaß sein, ihre alten Lieblingssongs mal durch den Death-Wolf gedreht serviert zu bekommen.

Weiter geht's mit dem zweiten Punkcover "California über alles". Wohl das bekannteste Stück von den Dead Kennedys. Punk zu Metal zu verarbeiten dürfte zwar eher merkwürdig sein, aber gerade dafür liebe ich solche Coverversionen ja auch. Definitiv überzeugender als der Beitrag zu den Sex Pistols.
Kommt allerdings nicht ganz so gut, wie die TASS-Version vom gleichen Song vor einigen Jahren.

Dass "Smoke on the water" gecovert wird, musste ja sein. Originell ist es definitiv nicht, aber mutig finde ich es alleine deshalb schon, weils jeder im Übungsraum spielt. Warum dann nicht aufs Album packen? Leider rockt die Version nicht so wie das Original und es kommt mir sogar vor, als wäre SFUs Version etwas langsamer.
Das rohe "Blackout" von den Scorpions macht da schon wieder mehr Spaß, weil das Tempo wieder etwas angezogen wird. Zudem sorgen die cleanen Guestvocals von John Bush (Anthrax) für eine angenehme Abwechslung.
"Purple Haze" (Hendrix) klingt reichlich merkwürdig, ist aber gelungener, als ich gedacht hätte. Klingt reichlich krank, aber kann gefallen.

Als Abschluss dann den bösesten Song des Albums: "In League with Satan", im Original von Venom wird inklusive Rückwärtsbotschaften am Anfang gespielt und erinnert schön an alte Zeiten. Rockt auf jeden Fall ordentlich das Haus.

Wer die limitierte Version von den "Graveyard Classics" findet, sollte zuschlagen, denn neben einem etwas albernen Aufkleber finden sich hier drei zusätzliche Bonussongs (nicht in der angegebenen Spielzeit berücksichtigt).
Den Anfang macht das auch schön öfters gecoverte "War Machine" der Glamrockhelden Kiss. Ich fand schon die Resurrection Version klasse, insofern gibt mir das ähnlich gelagerte Six Feet Under Teil nicht mehr allzu viel, ist aber auch durchaus partytauglich. Der zweite Bonus ist im Original von Maiden, bei "Wrathchild" werden zwar die Leadgitarren etwas schlechter gespielt, aber ich finds alleine durch das Gegrunze ganz lustig.
Den endgültigen Schluss markiert dann "Jailbreak" von Thin Lizzy, wohl neben "T.N.T." das rockigste Stück des Albums. Alleine deshalb lohnt die Limited Edition.


Das Album als Ganzes ist recht zwiespältig, es macht einerseits tierisch Spaß, wenn man es mit Freunden hört und abrockt, oder sich der alten Zeiten erinnert, aber zu normalen Anlässen wird es wohl eher im Schrank stehen bleiben. Bei der limitierten Version wird mit einer Stunde Spielzeit wenigstens Value for Money geboten, und allen Genrefreunden darf ich diese Zitatensammlung wohl wärmstens empfehlen, den anderen rate ich, die Finger davon zu lassen.

01.01.2002
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!