. .

sioen - ease your mind


Erscheinungsjahr: 2005
Label: keremos
Tracks: 11
Spielzeit: 46:38
Genre: alternative
Subgenre: singer/songwriter
sioen.jpg
Bewertung: 7/10

rating

So können Dramen, über die man vorher nur geschrieben hat, Wirklichkeit werden. Meine Kritik über Sioens "Ease your mind" ist weg, einfach so verschwunden. Und Herr Sioen singt über kurze Blickbekanntschaften, die schon vorüber sind, kaum hat man sich überlegt, dass da mehr sein könnte. Oder er fordert (wie im Titelsong) auf, sich zu entspannen. Kann ich gerade gut gebrauchen. Das einzige Problem: Sioen macht aus diesen Kleinigkeiten große, theatralische Dramen. Ganz anders als noch auf seinem letztjährigen Quasi-Debüt "see you naked", wo jazzig-indiepoppige wie melodische Leichtigkeiten vorherrschten.

Jetzt geht es in die Vollen. Man kann schwere Samtvorhänge riechen, Kammertheater, vertont. "At a glance" fängt noch relativ leicht an, doch schon hier gibt es höchste, angestrengt klimpernde Klaviertöne und einen Sioen, der sich variabler und emotionaler gibt als früher. Bis dann alle in den Song einsteigen. Der Gitarrist, Violinist, Bassist und Schlagzeuger. Leidende Melodien, melancholischer Refrain, ein Strudel der Gefühle. Noch höher hinauf geht es mit dem Titeltrack und "who are you driving mad?". Ersteres in zuckendem Stop-and-go-Rhythmus und gleich drei Gesängen, die munter übereinandergelegt werden, oder Zwiegespräch halten. Letzteres eine Ode an eine unerreichbare Diva. Ein Biss auf die Lippe, zurückgehaltene Wut, zurückgehaltene Sehnsucht, die doch irgendwann herausmuss. Tutti. Kreischende Gitarren, jaulende Violine, alles auf einmal. Kathartisch und mit dem Titeltrack einer der besten Songs auf "ease your mind". Die anderen darauf vertretenen kleinen Dramen vermitteln den emotionalen Eindruck weniger gut. Besonders "Who stole my band?" nervt eher, als dass es anzieht.

In anderen Songs versucht Sioen die Synthese von beiden Welten. "Mi Corazon" schafft das passabel, "Favourite" scheitert am zu aufbrausenden, aber hohlen Refrain.

Nur in "It's you" scheint die Sioen-Welt heil. Hier hat er seine Liebe gefunden, was sich in zufriedenen, melodischen Tönen äußert. Eine kleine Düsternis lugt aber selbst hier hinter dem Vorhang hervor.

Es sind die leisen Töne, die in ihrem Minimalismus am meisten berühren: "nervous little one" ist sich nur mit Klavier und Schlagzeug und Sioens leicht rauem Gesang genug; "in no one's interest" ist schön gedämpfter, aber etwas kitschiger Sonntag Morgen-Jazzpop, das abschließende "Sleeping Beat" ist zwar in flotterem Tempo vorgetragen, aber mit der Jazzgröße Toots Thielemans an der Harmonica verströmt auch der Abschluss eine wunderhübsche, anziehende laue Sommerabendatmosphäre. Schön.

So spielt Sioen mit einer bis dato von ihm kaum bekannten Ernsthaftigkeit, die locker verspielte Atmosphäre geht hier ein wenig abhanden, aber die neue Theatralik steht ihm auch ganz gut. Nur nicht zu sehr übertreiben.

Für alle, die "See you naked" auf dem gleichnamigen Album als Favoriten erkoren haben.


Ähnlich:
Franz Kasper, Ben Folds, Absynthe Minded, Zita Swoon, dEUS

18.07.2005
stativision (Tobias Goris)


:: Comments ::


Comment
Name:

Comment:

Security question, please solve:

39Y         8K9      
6 9    5    7 E   TCX
E T   DXB   OU4      
9 X    9      T   MX6
LH2         TJJ      



Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!