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sacred reich - the american way


Erscheinungsjahr: 1990
Label: enigma
Tracks: 8
Spielzeit: 35:25
Genre: Metal
Subgenre: Thrash Metal
sacredreich.jpg
Bewertung: 8/10

rating

Vergesst Metallica, vergesst Slayer, vergesst Megadeth und Anthrax und all die anderen Thrash Metal Bands, die Mitte der Achtziger bis Anfang der Neunziger ihre Höhepunkte hatten und ihre Alben zu der Zeit reihenweise auf den Markt warfen.

Für mich waren trotz der Brutalität, Eigenständigkeit und wegweisenden Musik der Obenstehenden immer die 4 Jungs von Sacred Reich aus Kalifornien im Thrashmetalgenre am Liebsten. Woran das lag, bzw. noch immer liegt?
Zum einen sicher am Musikalischen. Ich lege großen Wert auf die Stimme des Sängers, da konnte mir die große Garde der Bay Area nichts besonderes bieten. Araya hat zwar gut gebrüllt (mehr suchte man vergeblich), über die Gesangsqualitäten von Mustaine und Hetfield sollte ich aber lieber schweigen. Und Belladonna von Anthrax lag mir schon immer eine Tonlage zu hoch.

Da kam mir das raue und doch auch melodiöse Organ von Phil (das) Rind gerade Recht, wunderbar verschmolz seine Stimme mit der Musik, ohne jemals auch nur annähernd poppig zu klingen. Man hört den Einfluss, den er auf Machine Heads Robb Flynn gehabt haben muss noch heute.
Die anderen Bandmitglieder trugen ebenso dazu bei, Sacred Reich zu einer meiner liebsten Thrash Bands zu machen. Die Musik war weniger auf pure Härte, denn auf Ohrwurmqualitäten, geniale Riffs und in die Nackenmuskeln gehende Grooves ausgelegt.

Doch das entscheidende und besondere bei der Mitte der 80er gegründeten Band waren schon seit ihrem Debüt die Texte. "Ignorance", so der Titel des allgemein eher als schwach bewerteten 87er Albums, wies damals schon den Weg. Hauptsächlich handelten die Songs über das "andere" Amerika, über dessen ungerechte Politik und (un)soziale Seiten. Ignoranz war da nur ein Stichwort. Schon bald darauf erschien die EP "Surf Nicaragua", die sich mit dem zu der Zeit aktuellen Nicaragua Problem auseinandersetzte und mit dem Titelsong einen der berühmtesten (und besten) Tracks des Vierers enthielt.

Mit dem hier besprochenen "the american way" wurde erstmals ein weiterer Kreis als die Thrash-Szene angesprochen und weltweit gab es - abgesehen von brettharten Speed-Fans - gute Rezensionen. Die Band war auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angekommen, die allerdings in einer recht langen Auszeit bis zum nächsten Album endete, "Independent" (1993) war dann auch ein wenig enttäuschend für die Fans, weil es teilweise uninspiriert klang und noch softer ausfiel. Dennoch eines der besseren Alben der frühen Neunziger - erwartet man keinen brettharten Boliden!

Das Artwork von "the american way" ist zwar eher schlicht und eher schlecht als recht gezeichnet, aber sozialkritische Anspielungen waren schon darauf zu erkennen, die Freiheitsstatue mit den darin eingekerkerten Menschen, von denen nur die herausgestreckten, nach Freiheit suchenden Arme aus der Krone erkennbar sind, steht bestimmt nicht für das Land der Freiheit und Träume…

Mit den acht vertretenen Songs und der kurzen Spielzeit von 35 Minuten bietet die CD sicherlich keinen großen Gegenwert fürs Geld, da aber entsprechend wenig Füller vorhanden sind, relativiert sich dieser Nachteil etwas.
Nackenbrecher wie das mit einem atmosphärischen melodiösen Zwischenteil ausgestattete "Love…Hate", dessen klasse Riffs und Soli dadurch nur noch mehr Gewicht bekommen und der Titelsong, der mit seiner Eingängigkeit und dem Rhythmus gleichzeitig ein Genreklassiker ist, machen das Album alleine schon lohnenswert.
Die Texte sind da die Sahne auf dem Kuchen, zwar weder allzu differenziert, noch besonders intellektuell werden die moralischen ("Love…Hate"), persönlichen ("i don´t know") sozialen ("the way it is") und politischen ("the american Way", "Crimes against humanity") Themen angepackt, aber man merkt, dass sich das Rind zu den vielen verschiedenen Themen seine eigenen Gedanken gemacht hat. Besonders beeindruckend sind die Predigten für musikalische und weitergehende Toleranz, wie im zweiten Hit "Who´s to blame" und dem abschliessenden Crossover(!)Track "31 Flavors".

Musikalisch wird versucht, einen Grossteil des metallischen Spektrums abzudecken. Da wird von langsameren groovigeren Brechern Marke "Crimes against humanity", das fast schon Neothrashig klingt, bis hin zu "i don´t know", welches das obere Ende der Geschwindigkeitsskala abdeckt das ganze Reportoire durchgespielt. Hinzu kommt das Bonbon "Who´s to blame", das als akustische Ballade beginnt, sich aber recht bald zu einem mit kraftvollen Riffs ausgestatteten Rocker entwickelt, der nachher durch eine Doublebass noch mehr Drive bekommt. Neben dem Titeltrack der beste Song des Genres.

Das abschliessende "31 Flavors" fällt - wie oben schon angedeutet - mit seinen funky Bläsern und Basslinien sowie dem Sprechgesang total aus dem Rahmen, ist aber klasse umgesetzt und passt hervorragend zum Thema (siehe Titel).

Lediglich "the way it is" läuft mir nicht ganz so gut rein, wie die anderen Tracks, ist aber beileibe kein schlechter Song. Das kann ich selbst von Alben wie "Ride the lightning" und "Reign in blood" nicht behaupten und so bleibt das charismatische und eigenständige "The American Way" für mich eines der besten und mutigsten Alben der Thrash-Szene.

01.01.2002
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!