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radar - easy listening


Erscheinungsjahr: 2005
Label: tzadik
Tracks: 12
Spielzeit: 51:25
Genre: jazz
Subgenre: japan (free) jazz
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Bewertung: 6.5/10

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Piano, Saxophon, Kontrabass. Klarinette, Akkordeon, Percussion. Und Gesang. Daraus besteht "Easy Listening". Ohne Zweifel ist es Jazz, genauso ist es aber auch moderne Klassik, Avantgarde und naive Musik. Radar, die Band, kommt aus Japan und dementsprechend ist es Easy Listening auf japanisch. Vieles auf der CD ist tatsächlich leicht zu verdauen. Typisch schlackernder Kontrabass, klimperndes Klavier und in der Gegend herumverstreute Saxophon- und Klarinettentöne. Scheinbar nicht aufeinander abgestimmt, aber doch in Bezug zueinander; besonders in den vier "BGM"-Stücken spielen die Instrumente nebenher und formen zusammen doch ein wunderbares Ganzes, wie Tropfen fällt der Klavierschall in den Raum, der Bass bereitet ein warmes, breites Fundament, in dem der Folgeton immer zu spät einsetzt, um sich mit dem vorherigen zu verbinden. Ab und an verbinden sich die Töne auch mal, um in Melodien zu münden, ab und an lenkt eine tackernde Percussion den Blick auf sich, ab und an wird auch mal jäh unterbrochen, um von neuem anzufangen. In "BGM 4" dient das Akkordeon für eine durchgehende melancholische Atmosphäre. Man muss sich dran gewöhnen, aber dann ist es in der Tat angenehm zu hören.

Ein Manko ist die eigenwillige Produktion, die sicher so gewollt ist, aber nicht so recht passen will. Sie engt die Instrumente zu sehr ein, als wäre es nicht schon Kammermusik genug, gleichzeitig deckt sie schonungslos jedes Beigeräusch auf und produziert etwas Nebenrauschen. Zwiespältig, weil einerseits natürlich sehr exakt, andererseits aber auch vom Wesentlichen ablenkend, vor allen Dingen bei höherer Lautstärke und unter dem Kopfhörer.
Neben der Produktion ist es inbesondere der Gesang, der den vollkommenen Genuss von "Easy Listening" so schwer macht. Der ist nämlich höchst eigenwillig und lässt sich noch nichtmal auf ein Programm festnageln. Im seltsamen, auf Percussion und Klavier beruhenden Avantgarde-Stück "Cardinal Number" ist es ein seltsames Röhren, wie ein meditierender Mönch mit Kehlkopfkrebs; in "Paul (Song of Gumtape)" meldet sich ab und an mal eine dünne, hohe Stimme auf Japanisch, die belustigt, aber auch schnell nervt - genauso wie die merkwürdigen Tier(?)laute im selben Song. Das hübsch naive "Obieru (frightened)" hört sich wiederum an, wie auf einem japanischen Kindergeburtstag. Im Free Jazz-Stück "Aitai No De-Su-Ga" quatscht einer unmotiviert dazwischen, was auch mal in gequältem Gesang ausarten kann. Und im abschließenden "Namida", das instrumental zu einem der besten Songs der CD gehören würde, wird bemüht herumgequäkt - zum Glück nicht allzu oft (und nicht ganz so schlimm).
Gewiss, man kann sich an einiges gewöhnen, aber es bleibt ständig der Eindruck, instrumental wären diese Lieder wesentlich hochwertiger - das Fundament bleibt nämlich ideenreicher Impro-Jazz mit vielen Einfällen bezüglich Zeit-, Raum- und Melodiebezug der einzelnen Instrumente.

Deutlicher wird das in den übrigen Instrumentalsongs. "My String" ist fantastischer Minimalismus aus wellenartig gestrichenem Kontrabass und selten, aber geschickt eingeworfenen, vereinzelten Tönen aus Klavier und (im zweiten Teil des Siebenminüters auch) Klarinette und "Melody 1" ist ein schönes, langsames und trauriges Stück, das von der Klarinette getragen wird. Am schönsten bleiben aber auch auf Dauer die vier "BGM"-Stücke, die die Essenz von Radar wohl am Besten transportieren.

So bleibt Radar zwar faszinierend, aber besonders durch den Gesang eingeschränkt. Freunde von ausgefallenem (Japan-)Jazz sollten auf jeden Fall mal reinhören, was sich leider etwas schwierig gestaltet, weil "Easy Listening" wie so viele Tzadik-Sachen fast nur über Import erhältlich sind.


Ähnlich:
Steve Lacy, Jimmy Giuffre Three

04.11.2005
stativision (Tobias Goris)


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  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!