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queens of the stone age - era vulgaris


Erscheinungsjahr: 2007
Label: interscope
Tracks: 12
Spielzeit: 54:29
Genre: rock
Subgenre: dustadelic stoner rock
queensera.jpg
Bewertung: 8/10

rating

"Era Vulgaris" war eine schwere Geburt. Josh Homme blickte dem Abgrund lange genug ins Auge. Der Wahnsinn drohte die Steinzeitköniginnen einzuverleiben, wie man dem zwar keineswegs schlechtem, aber etwas orientierungslosem Vorgänger "Lullabies To Paralyze" schon anhören konnte. Ironie des Schicksals, dass man sich im Vorfeld der Schlafliedansammlung von Verrückheitsfaktor Nummer 1, Basser Nick Oliveri, trennte. Danach wurde eben nicht alles besser, was der Albumtitel auch ohne viel Phantasie unmissverständlich klar macht. Demnach ist es fast schon ein kleines Wunder, dass "Era Vulgaris" zu keiner Sekunde daran denkt, irgendeinen Abwärtstrend zu unterstützen.

Wiederholt haben sich die Queens Of The Stone Age sowieso noch nie. Jedes Album war eine Überraschung für sich und jedes in sich verschieben. Auch wenn die Mutter jeweils eindeutig identifizierbar blieb. Dass die lose Truppe mit wenigen Konstanten des ehemaligen Kyuss-Zöglings Homme mit "Rated R" (2000) und "Songs For The Deaf" (2003) gleich zwei Inselalben hintereinander veröffentlicht hat, ist Zufall. "Era Vulgaris" wird zwar niemals den gleichen Status erreichen können, ist aber trotzdem eine wunderbare Ohrenmassage, die des Bandnamens mehr als würdig ist. Die Weichen für den nächsten Jahrhundertklassiker sind gelegt, der Patient scheint erfolgreich wiederbelebt zu sein. Hoffentlich auch noch in zwei, drei Jahren, wenn das nächste Album das Licht der Welt erblickt.

Am PR-trächtigsten war die Kollaboration mit Trent Reznor (Nine Inch Nails) - vor allem, weil sie es nicht auf das (reguläre) Album geschafft hat. Es ist ungewöhnlich und selten, dass ausgerechnet der Titeltrack als Japan-Bonustrack endet, aber bei einer Band wie Queens Of The Stone Age wirkt das fast schon kalkuliert. Egal, denn da gibt es ja noch Julian Casablanca (The Strokes), der fast unbemerkt an der ersten Single "Sick, Sick, Sick" mitgewirkt hat. Nebenbei ein Monster von einem Song und sicherlich die beste Auskopplung seit dem phänomenalistischen "Feel Good Hit Of The Summer" von vor sieben Jahren. "No One Knows" und "First It Giveth" hin oder her. Ein energischer, schneller Song mit mehr Eiern als ein paarungswütiger Gendefekt. Schnoddrig, schmotzig und ganz, ganz dreckig. Auf eine sehr verqueere, versteckte Art vielleicht sogar eine kleine Homm(e)age an das seelige Kyuss-Srpungbrett "Green Machine". Vielleicht.

"Sick, Sick, Sick" ist nicht die einzige Großtat. Das Transportmittel in die rund 48 Minuten des regulären Teils (exklusive sieben Minuten Bonustrack in Form des Tom Waits-artigen LoFi-Trekkers "The Fun Machine Took A S**! And Died", der irgendwann in eine fiese Mescal-Orgie umschlägt) des Albums ist das mächtig verschlafene, etwas unzugängliche, aber grandiose "Turnin’ On The Screw", dass die Geborgenheit einer ganzen Armada von besorgten Müttern in Musik aufwiegt. Groß - wie auch das huppel-dupplige "I´m Designer", dass Laszivität mit Grundschulweirdness und einem wunderschönen Mark Lanegan-Refrain paart, an dritter Stelle.

"Into The Hollow" ist der fiese "Auto Pilot". "Misfit Love" und "Battery Acid" stehen beide stellvertretend für die Industrial- und Refrainwunder-Phase des Albums. Komisch genug, dass ersteres überhaupt auf einer Queens Of The Stone Age-Scheibe passiert, aber der Band-ähnliche Zusammenschluss aus Palm Desert, Kalifornien, ist nunmal immer um neue Ausdrucksformen bemüht. Eine altbewährte Methode hingegen ist es, Songs, die in den berühmten Dessert Sessions entstanden sind, nochmals für QOTSA zu recyclen. Das grandiose Ergebnis ist "Make It Wit Chu" - die schönste Liebeserklärung der Welt. Kindlich naiv, entrückt geborgen und hochgradig sexy. Ein Song wie ein Steinbruch aus Plüsch.

"3´s & 7´s" ist das nächste "Sick, Sick, Sick" und somit verständlicherweise die zweite Single. Der Refrain hat studiert und promoviert - soviel ist nach dem ersten Durchlauf sicher. Mission erfolgreich. Das Endtriple zieht allerdings die Kurve nochmal ungewöhnlich weit nach oben: "Suture Up Your Future" ist der gemütliche Soundopa für die späten Stunden - optional in einer Decke eingewickelt, "River In The Road" ein verstörendes, dunkles Rhythmus-Manifest und "Run, Pig, Run" der Dreck unter den Fingernägeln von "Era Vulgaris".

Auffällig ist die unglaubliche Tiefe und Kompaktheit, die das Album schon nach kurzer Zeit entfaltet. Wie ein Sommerregen, der verdunstet, bevor er etwas benetzen kann. Und auch der Sound hat sich gewandelt (Chris Goss war trotzdem zur Stelle) - von knarzig-beherzt zu beherzt-knarzig.

Auch wenn "Era Vulgaris" nicht mit der Tür ins Haus fällt: Die Queens Of The Stone Age sind wieder bereit zu Töten. Blutrausch, Gedärme und ausgerissene Fingernägel: Wir kommen.


Ähnlich:
kyuss, tom waits, the strokes, dredg, masters of reality, soundgarden

30.09.2007
hlmr


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  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!