. .

primordial - storm before calm


Erscheinungsjahr: 2002
Label: Hammerheart
Tracks: 7
Spielzeit: 46:22
Genre: Metal
Subgenre: Pagan Metal
primordial.jpg
Bewertung: 8/10

rating

Als eine der wenigen irischen Metalbands haben Primordial den Sprung zur internationalen Bekanntheit geschafft. Mittlerweile liegt das vierte Album vor und noch immer ist die Musik kaum von der restlichen, inzestuösen Metalszene in Europa beeinflusst, die Iren wissen anscheinend, wie man sich seine Eigenständigkeit bewahrt.
Veränderungen seit dem letzten Werk "Spirit the earth aflame" sind indes wenig vorhanden, die Geschwindigkeit ist teilweise etwas angezogen worden und Nemtheangas Stimme ist wieder häufiger in kreischenden Gefilden anzutreffen, im Gegenzug scheinen die irischen Wurzeln aber wieder etwas stärker hervor. Die wichtigsten Trademarks wurden jedoch beibehalten, die Songs sind lang, episch und mit einer kämpferischen Melancholie genau wie auf dem Vorgänger ausgestattet, das alles ohne überflüssige, aber in Mode gekommene Gimmicks wie Keyboards, Geigen oder Frauengesang realisiert.
Beim Artwork meinte man es diesmal anscheinend etwas zu gut, jedenfalls hat man die Abkehr von minimalistischer Symbolik gewagt und das Cover weniger gelungen gestaltet, wobei die Farbgebung in roten Erdtönen dennoch zu überzeugen weiß.
Konzeptuell und chronologisch ist "Storm before Calm" lose mit dem "spirit…" Album verbunden, während es bei dem 2000er Album noch um die eigentliche Schlacht ging, um die Zerstörung zum Neuanfang, spiegelt das vorliegende Werk mehr die Gedanken und Selbstzweifel danach wieder. Das lähmende Alte ist besiegt, jetzt findet der Rückblick in den Köpfen in Hinblick auf die Zukunft statt. Wo sind die Götter, wo die Helden, wo steht man in der neuen Zeit. Ein Album, dass - zumindest textlich - die Melancholie (wie auf "Journey´s end") wieder stärker nach vorne holt.
Musikalisch umgesetzt von MacUilliam, der seine Gitarrenarbeit wieder perfekt in Szene setzt, hätte ich mir anhand des Konzepts mehr die auch im Titel erwähnte Ruhe erwartet, die aber höchstens in so manchem Zwischenpart Einzug in die überwiegend härteren Stücke hält.
Stattdessen wird der Zuhörer mit ergreifenden Hymnen konfrontiert, die allesamt in einem dichteren Sound, als man von Primordial gewohnt ist, gepackt sind. Die zahlreich vorhandenen grandiosen und herzerweichenden Melodien müssen teilweise also erst tüchtig dechiffriert werden, während sie auf "Spirit the earth aflame" relativ offen vorlagen und so auch einfacher zu konsumieren waren.
Die hypnotische Wirkung vieler Songs wird durch die Ausreizung der Repetition der erstklassigen Riffs erzeugt, was so manchem Kritiker als Angriffspunkt der Scheibe gilt - durchaus berechtigt, aber das Album erhebt andererseits auch gar nicht den Anspruch auf gar progressive Komplexität und Geschwindigkeitswechsel und Breaks en masse.
Vielmehr steht die erzeugte Atmosphäre im Vordergrund, die durch die vorhandenen, reduzierten Stilmittel durchaus greifbar ist.
Schon der Opener "The heretics Age", ein Track, den man stärker als alle anderen erarbeiten muss, da er viele Feinheiten im Geschwindigkeitsrausch versteckt, vermittelt diese Flussartige, dem man sich, einmal mitgerissen, nur schwer entziehen kann.
Über dem vollen rhythmischen Grundgerüst werden die Riffberge der Gitarren geschichtet und über allem thront der hochgradig emotionale, ungewöhnliche und mitleidenswerte Gesang Alans, der die Vergangenheit und die Zukunft textlich verknüpft und an die Musik bindet.
Auch wenn das Tempo, wie in den folgenden "Fallen to ruin" (das die irischen Vibes zu Beginn akustisch darstellt) und "Cast to the pyre" gedrosselt wird, verfällt man nicht in Lethargie, sondern vermag es besonders mit den packenden Gitarrenleads den Hörer in Bann zu ziehen - solange er in der richtigen Stimmung ist, denn ein Album zum nebenbei Hören ist "Storm before calm" nicht geworden.
"What sleeps within" ist mit dem Opener der aggressivste Song geworden, was sich auch in der für Primordial relativ kurzen Spielzeit von weniger als fünf Minuten ausdrückt. Aber auch hier gibt die Band dem Druck nicht nach, einfach in unkontrollierte Raserei zu verfallen, die Geschwindigkeit bleibt stets songdienlich und die wundervollen Melodien werden kunstvoll mit der gegebenen Härte verwoben.
Ein Schwachpunkt stellt allerdings, wie schon "The cruel sea" auf dem Vorgänger, das kurze instrumentale Intermezzo in Form von "suns first rays" dar - die Gabe der Band auch komplett in akustischen Gefilden erfolgreich zu wildern, ist wohl seit der "Journey´s End" abhanden gekommen. Zu einfallslos ist das 3-minütige Stück geworden, zwar atmosphärisch durchaus passend, aber ohne wirklich mitreißen zu können plätschern die akustischen Akkorde und die abschließenden Trommeln an einem vorbei.
Doch "Sons of the morrigan" entschädigt dafür doppelt. Auch, wenn es nicht an die Überhymne "Gods to the godless" von "Spirit…" herankommt - die 8 Minuten sind das überzeugendste Stück epischen Metals, das ich seit langem vernommen habe. Ohne sich irgendwelche Schwächen zu leisten, transportiert der Song die Aufbruchsstimmung so, wie kein zweiter des Albums. Insbesondere A.A. Nemtheanga leistet hier ganze Arbeit und überzeugt mit seiner kraftvollen und eigenständigen Rezitation der von alten Irischen Gedichten beeinflussten Zeilen vollends.
Am Besten wäre es gewesen, die CD hier und nach 6 Tracks enden zu lassen, das abschliessende "The Hosting of the Sidhe" hätte mit seinem viel zu langen Intro und seinem langweiligen Aufbau nicht unbedingt als Ausklang dienen müssen.
So überzeugen mich Primordial mit einer überwiegend wirklich starken Darbietung im hymnischen Metal, der genau so klingen muss, wie hier in großen Teilen dargeboten: Kraftvoll, eigenständig und mitreißend. Und wenn sich die Iren jetzt noch auf ihre wirklich starken Seiten konzentrieren, ihre Songs ein wenig raffen und von ein paar Längen befreien, so dürften sie schon bald in den internationalen Dark Metal Olymp aufsteigen - wenn sie es nicht schon jetzt aufgrund mangelnder Konkurrenz geschafft haben.

13.03.2005
stativision (Tobias Goris)


:: Comments ::


Comment
Name:

Comment:

Security question, please solve:

7C7         JTN      
L      E    P 3   4GK
MJ6   2CL   E N      
E N    T    U M   5B7
J8S         8EE      



Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!