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pendikel - reise ins gewisse


Erscheinungsjahr: 2008
Label: blu-noise
Tracks: 13
Spielzeit: 76:05
Genre: alternative
Subgenre: deutsch indieprogpop
pendikel.jpg
Bewertung: 6.5/10

rating

Ihr letztes und letztjähriges "Don't cry, Mondgesicht" war das erste in Pendikels wechselhafter, 12jähriger Geschichte, das in der breiten deutschsprachigen Musiklandschaft tatsächlich Spuren hinterlassen hat. So große, dass sie in so mancher "bester deutscher Newcomer"-Pollkategorie gelandet sein dürften. Kritiker und Publikum waren begeistert ob dieser eher ungewöhnlichen deutschen Mischung aus lieblichem Indiepop und Noiserock mit erstaunlichen Referenzen im Progressive Rock der Siebziger. Das war neu dieser Tage, wo viele gelangweilt schienen ob der doch irgendwie angestaubt erscheinenden Kettcartocotronicsternehelden der letzten Jahre. Jetzt also ein Raritätenalbum, das Diverses aus der Bandgeschichte zusammenfasst, manches erstmals einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht. Dem Pendikelneuling, der nur "Don't cry mondgesicht" mitbekommen hat, mag es vielleicht größenwahnsinnig erscheinen, aber zwischen den vier größeren Pendikel-Veröffentlichungen ist eben doch einiges an interessantem und guten Material erschienen.

"Reise ins Gewisse" ist in zwei Kapitel unterteilt. Das erste, "Walkman", ließe sich locker in drei Unterkapitel einteilen. Hier sind erstens die (bislang unveröffentlichten) Überbleibsel der "Don't cry, Mondgesicht"-Session zusammengefasst, zweitens aber auch drei gecoverte, englischsprachige Stücke und drittens zwei ältere Raritäten enthalten. Die Songs des ersten Unterkapitels bleiben zwar hinter den meisten Stücken des Albums zurück, sind aber keine Ausschussware. Besonders "Bus in die Freiheit" kann mit wunderschönen rückwärts zu den Siebzigern gewandtem Progpop begeistern, zu dem der nostalgische Text hervorragend passt. "Unter anderen" und "Leider schwierig" bieten immerhin soliden Schrammelpop mit Hang zu netten Melodien, können sich aber nicht ganz von einem etwas faden Beigeschmack loslösen, der bei "Unter anderen" halbwegs erfolgreich mit guten Gitarrenideen und einem kurzen Bläsereinsatz bekämpft wird. "Phantasievoll (aber unpraktisch)" ist nicht mehr als ein kurzes, instrumentales Zwischenspiel, wegen der griechisch erscheinenden Gitarren irgendwas in Richtung Post-Sirtaki vielleicht. Am bemerkenswertesten sind sicher die letzten vier Tracks der ersten CD-Hälfte: "River Man" von Nick Drake wird, anfangs noch halbwegs original nachgespielt, in der zweiten Hälfte zum stampfenden Noiserocker (ohne wirklich brachial zu sein); von den Minutemen wird "It's expected I'm gone" in den Noiserock gezogen und "Red" von King Crimson, die beste Coverversion hier, sollte möglichst viel vom alten King Crimson Kosmos in ein Lied packen - Operation gelungen. "Schöner Tag" könnte auch einen versöhnlichen Abschluss von "Don't cry, Mondgesicht" bilden und gehört mit "Bus in die Freiheit" zu den Pendikel-Songs, wegen denen sich die CD lohnt.

Im zweiten Teil präsentieren Pendikel die Remixarbeiten von diversen, eher weniger bekannten Electromusikern. Die meisten Arbeiten gehen wie erwartet Richtung Indietronic/Elektropop, die einzige große Überraschung kommt von Velma, die "Zitatmaschine" zu einem hässlichen Brocken Dark Wave Industrialrock zusammenklumpen. Über die fast sieben Minuten kaum erträglich und gerade deswegen großartig und beschissen monoton zugleich. Der Bruch mit den Fans kommt spätestens an dieser Stelle. Davor geht Jean Michel mit "Von Fall zu Fall" den Weg vom Gitarren- zum Elektropop mit einer ordentlichen Portion modischen Minimal Technos, Radioluxx elektropoppen "Piepton" nett aber unspektakulär auf. Danach wird "Dead City" vorsichtig von Volker Schumacher mit Beats und Geräuschen unterlegt, ohne den Charakter des Songs zu zerstören. "Bis zum letzten Mal" (Sankt Otten) geht Richtung Downbeat und mehr nach Portishead werden Pendikel wohl nie mehr klingen... Der Ankündigung, dass die Band irgendwann, man weiß nicht genau wann, mit ihrem neuen Album vor der Tür steht, entsprechen die zehn Minuten Pause vor dem Lo-Fi Hidden Track.

Also dann. Bis dann, Pendikel. Tour folgt ja.

www.pendikel.de


Ähnlich:
Delbo, Hund Am Strand, Naked Lunch, Klez.E, King Crimson, Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs, Geist, Dinosaur Jr., Boxhamsters, Oma Hans, Jupiter Jones, Muff Potter, Kante, Ich jetzt täglich, Nationalgalerie, Blumfeld

18.02.2008
Tobias G.


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!