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paradise lost - symbol of life


Erscheinungsjahr: 2002
Label:
Tracks: 13
Spielzeit: 53:02
Genre: metal
Subgenre: gothic metal
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Bewertung: 4.5/10

rating

Rückblickend betrachtet ist das `01-Werk der Engländer, "Believe In Nothing", ein schwaches Album. Anfangs ganz nett und fesselnd, verblasst der Glanz nach Dauerbehandlung doch merklich, bis er ganz verschwunden ist. Trotzdem keine Frage - gute PL-Songs fand man bisher auf jedem Album, auch auf "Believe In Nothing". Dennoch hörte man die Verunsicherung der Band - also klatschten sie hier und da wieder fette Stormgitarren in die Songs, vergaßen allerdings eine klare Linie zu verfolgen. Die Verkaufszahlen dürften dies eindrucksvoll belegen: Nach nur zwei CDs trennten sich die Wege von Paradise Lost und der EMI wieder.

Auf "Symbol Of Life" (erschienen bei Supersonic/G.U.N.) konnte man also doppelt gespannt sein. Hat die Band den "Host"-Einbruch endgültig überlebt? Geht das ganze wieder mehr Back To The Roots? - Im Vorfeld rührte Nick Holmes bereits kräftig die Werbetrommel: "Dieses Album ist das beste, das ich je aufgenommen habe" oder "Das Ding ist wieder richtig Gothic und die Gitarren braten wie Sau". Dennoch verpflichtete man den kanadischen Elektropapst Rhys Fulber (Fear Factory), um "Symbol Of Life" (welches mal als "Deus" angedacht war) ansprechend in Szene zu setzen. Nun, meiner Meinung nach hat Rhys ganze Arbeit geleistet - die allerdings überhaupt nicht zu Paradise Lost passt. Steriler Drumsound, kaum Platz zum atmen. Das gut für eine Band wie Fear Factory oder Frontline Assembly, schlecht für PL, denn ihre Songs brauchen Luft. "Host" war, genau wie "One Second" trotz aller elektronischen Elemente, eine warme Platte, die vor Emotionen nur so sprudelte. Der Gitarrensound erinnert stellenweise an die letzten Werke von Atrocity oder Rammstein, ergo: Die Klampfen braten heftig, doch was bringt das, wenn die meisten Songs eher nach den farbig-trostlosen Klangteppichen der von vielen verhassten "Host"-Platte schreien?

"Symbol Of Life" wirkt noch zerfahrener und unsicherer als "Believe In Nothing". Und vorallem: Das Album klingt nicht nach Paradise Lost. Egal, wie sehr sich PL in der Vergangenheit von ihren Wurzeln getrennt haben, man konnte immer raushören, um welche Band es sich handelt. Bei den ersten zwei Songs "Isolate" und "Erased" erkennt man die Briten kaum wieder: Nick Holmes klingt bei seinem unmotivierten Sprechgesang, wie wenn er chronischen Schnupfen hätte (Wo sind die göttlichen Gesangsmelodien geblieben, die frühere PL-Songs prägten? Hier werden selbige nur stellenweise angedeutet. Dafür hat die Band eine unglaublich identitätslose Sängerin ein paar Zeilen einträllen lassen - Very Gothic.), die Songstrukteren sind derart banal, dass man fast schon peinlich berührt ist, die Refrains prägen sich auch nach X-tem hören nicht ein (Ausnahme "Erased": Für mich die Ideale Anti-Single. Ein klebriger Refrain, der hängenbleibt, obwohl man ihn eigentlich selten dämlich findet. Die Schwächste Single, die PL je veröffentlicht haben) und die elektronischen Einsprengsel wirken eher stumperhaft als verfeinernd. Die beiden Songs könnten so ähnlich auch auf dem Atrocity-Rohrkrepierer "Gemini" stehen, was sicherlich kein Kompliment ist. Zum Glück kriegen sich Paradise Lost im Laufe des Albums noch ein wenig ein, denn nach dem Opening-Duo war ich geneigt das Ding so schnell wie möglich zu zerstören.

"Two Worlds" (mit unterschwelligem Gastauftritt von Devin Townsend) wirkt nach dem unglücklichen Start des Albums wie der nächste Sprung ins Kalte Wasser: PL-untypische Vertracktheit meets Soundscape. Besser als so manches auf der Scheibe, wäre allerdings auf einer anderen Paradise Lost-CD nicht weiter aufgefallen. Eines merkt man sofort: "Symbol Of Life" ist nur von der Gitarrenarbeit her das härteste PL-Album seit "Draconian Times" (1995). Trotzdem sollte man dies keineswegs als andeutungsweise "Heim-Ins-Reich"-Taktik ansehen, denn größer könnte die Diskrepanz zwischen zwei Alben kaum sein. Nach vielen netten Songs, die niemand wehtun (Highlight: "Mystify" - eingänig und süß, aber harmlos. Schwachpunkt: "Primal"), lässt der Fünfer doch noch ein wenig seine alte Genialität durchblitzen: Die letzten drei Songs des Albums sind allesamt starke Songs, so dass man als gequälter Hörer wenigstens etwas versöhnt wird: Das flotte "Self-Obsessed" (welches die Band bereits bei dem saustarken Summer Breeze-Gig live vorgestellte) hätte sich auf "One Second" gut gemacht, der göttlich arrangierte Titeltrack "Symbol Of Life" schwelgt (vorallem gesanglich, Nick kann es also doch noch!) ganz klar in "Host"´schen Sphären, während "Channel For The Pain" wohl das größte Überraschungsei sein dürfte, dass uns die humorvollen Briten ins Nest legen: Ein fast schon punkiger Up-Tempo Rocker mit geradewegs rausgebrülltem Refrain, wie es Nick schon seit "Icon" nicht mehr praktiziert hat. Für Digipak-Besitzer (sehr edle Aufmachung!) gibt es jetzt nochmal zwei Schmankerl: "Xavier" von Dead Can Dance und "Small Town Boy" von Bronksi Beat. Peinlich, wenn ausgerechnet eine Coverversion der tiefste und anspruchsvolle Song der Scheibe ist, doch das lange "Xavier" stellt genau das dar. "Small Town Boy" ist schon im Original ein geiler Song, so dass PL nur schwerlich etwas verschlimmbessern konnten. Haben sie aber nicht gemacht - das Ding ist unterhaltsamer als so mancher Albumtrack geworden.

Tja, auch wenn sie Paradise Lost gegen Ende der CD nochmal rappeln: "Symbol Of Life" ist eine hochgradige Enttäuschung, die nichtmal gegen "Believe In Nothing" anstinken kann. Die Band sollte sich mal wirklich Gedanken machen, wo sie hinwill, denn so kann es zumindest in meine Augen, trotz famoser Live-Auftritte, nicht weiter gehen. Nicht, dass ich erwarten würde, dass die Band nochmals an ihre Sternstunden "One Second" und "Host" anknüpfen kann, aber so einen krassen Qualitätsabfall hätte ich nicht erwartet. "Symbol Of Life" kann von Zeit zu Zeit vielleicht ganz unterhaltsam werden, doch das täuscht nicht darüber hinweg, dass die Tage von Paradise Lost gezählt sein dürften. Schade.

07.03.2005
kervorkian


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!