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paradise lost - believe in nothing


Erscheinungsjahr: 2001
Label: emi
Tracks: 12
Spielzeit: 46:01
Genre: metal
Subgenre: gothic metal
paradiselost_1.jpg
Bewertung: 7/10

rating

Die Spannung war groß, die Haare immer noch ab (jetzt sogar auch bei Greg, der seine früher arschlange Haarpracht wenigstens noch bis zur Schulter trug und jetzt mit seiner Dorfdepp-Frisur etwas albern aussieht...): Können Paradise Lost die alten Fans, die sie mit dem '99-Album "Host" (siehe frühere Meinung von meiner Wenigkeit) verloren haben, wieder halbwegs versöhnlich stimmen?
Diese Frage vermag ich nicht zu beantworten, gehöre ich doch zu den wenigen Menschen , die Paradise Lost mit "Host" und dem '97-Vorläufer "One Second" liebgewonnen haben.

Um nochmal auf die Geschichte der der 5 Briten einzugehen:
Als die Band Ende der Achtziger gegründet wird, frönen die Jungs noch dem Death-Metal. Das erste Album "Lost Paradise" erscheint 1990 und ist ein Death-Metal Brecher sondersgleichen. Das zweite Album begründet dann schließlich einen neuen Stil, der heute noch zu hauf nachgeahmt wird: Was Venom mit "Black Metal" gelang, ist Paradise Lost mit "Gothic" gelungen. Das dritte Album "Shades Of God" enthielt mit "As I Die" zwar einen kleinen Hit in der Metal-Szene, der Durchbruch blieb ihnen trotzdem verwehrt. Dieser kam erst 1993 mit dem vierten Album "Icon", dass heute noch als Klassiker gilt. Nick Holmes hatte das Gegrunze abgelegt und sang zwar immer noch aggresiv, aber clean. Die Band präsentierte sich insgesamt gereift und das Album enthielt mit "True Belief" und "Ember´s Fire" zwei Hits, die eigentlich jeder Metaller kennen sollte.
Danach nahm der Ur-Drummer Matt Archer seinen Hut (übrigens der einzige Besetzungs-Wechsel, der je in der bisherigen Geschichte von PL getätigt wurde) und wollte sich mehr auf sein Privatleben konzentieren. Für ihn kam kam Ende 1994 Lee Morris, der früher einmal bei den englischen Hard-Rockern Marshall´s Law zockte, Der Nachfolger "Draconian Times" (1995) enttäuschte ein wenig, da sich PL zu sehr auf den "Icon"-Stil festgefahren hatten. Die erste Single "The Last Time" wurde trotzdem ein Riesen-Hit. Paradise Lost merkten wohl selber, dass sie etwas ändern musste. Und -schwupps- hatten der eine Gitarrist Aaron Aedy und Sänger Nick plötzlich kurze Haare auf dem Kopf und der Kopf der Truppe Greg Macintosh hatte sich ca. 2/3 seiner Haarpracht beim Perückenbauer gelassen. Die vorab veröffentlichte Single "Say Just Words" überrascht mit catchy Refrain, einer poppigen Melodie und leichten Elektonika Einflüssen. Durch die Metalwelt ging ein Schrei der Empörung !!! Das darf natürlich nicht sein: Eine Metalband hat sich weiterentwickelt... und nimmt einfach so poppige Einflüsse in ihr Repertoire auf... "One Second", das `97-Werk, von dem auch "Say Just Word" stammt, überzeugt als düsteres Gesamtkunstwerk mit vielen genialen Melodien und depressiven Rocksongs. Der Anfang einer großen Karriere ??? Die Metalfans nehmen ihren ehemaligen Helden natürlich krum, und der Rest der Welt nimmt natürlich keine Kenntnis von dem Götterwerk. Und dann tut sich wieder etwas: Paradise Lost setzen ihren Otto unter einen Vertrag mit dem Major Label und Industrie-Riesen EMI. Anbiederung an den Mainstream?
Die Single des Major-Debüt "Host" (1999) "So Much Is Lost" rotiert sogar recht heftig auf Viva II, die Saat scheint endlich Früchte zu tragen. Zwar verscherzen es sich die Briten mit den Metalfans komplett, da "Host" eher nach Depeche Mode als nach Metallica klingt, doch endlich erkennt auch der Rest der Welt, dass "Host" mal wieder ein geniales, düsteres und modernes Album geworden, das seinem Vorgänger in nichts nachsteht und die Linie der düsteren Rock/Pop-Band konsequent verfolgt: Wer einen verzerrten E-Gitarren Part sucht, wird zuerst auf 20 "Beeps & Klonks" aus dem Computer stoßen. Ende der Geschichte: "Host" steigt in Deutschland auf Platz 3 (!!!) der Verkauf-Charts ein.
Ganz geschafft sich von ihren Metal-Fans zu trennen, haben es PL dann doch nicht, denn im Vorfeld kündigten sie schnell an, dass "Believe In Nothing", inzwischen das achte Werk, eher back to "One Second" geht und definitiv mehr rocken soll als "Host".
Nun, Recht behalten haben sie natürlich. Der Look geht zwar jetzt noch mehr in Richtung Popper (Hosen von carhartt, Hemden, Gel-Stupfelfrisuren und natürlich Buffalos), die Musik aber eindeutig wieder in Richtung Stromgitarre. Das macht der Opener "I Am Nothing" auch unmissverständlich klar. Typischer Paradise Lost-Kracher, der sich auch auf "One Second" seeehr gut gemacht hätte, auch wenn die elektronischen Spielereien 1997 bei weitem noch nicht so ausgereift waren. Sprich "One Second" anno 2001 oder so ähnlich. Netter Refrain, der im Ohr förmlich kleben bleibt. Gelungener Einstieg. Als zweites poltert gleich die Single "Mouth" aus den Boxen: Geniales, schön wabbeliges Riff, das sogar ein wenig in die Neo-Metal Richtung geht (Keine Angst "Mouth" bleibt das einzige Stück, bei dem die Elemente auftauchen), das durchaus Breitwand kompatibel ist. Der unscheinbare Refrain ist nach mehrmaligem Hören nicht mehr von dieser Welt. Genial. Besser kann man modernen Rock nicht spielen. Und wenn man dann noch bedenkt, wie Nick Holmes früher vor sich hin geröchelt hat... Unglaublich. Das nachfolgende "Fader" stellt dann schnell das gesamte Album in den Schatten, soviel will ich mal vorweg nehmen. Dieser Refrain ist definitiv eine der Sternstunden von Paradise Lost. Hätte wohl eher zu "Host" gepasst. "Look At Me Now" ist dann ein wenig schneller und wäre ohne die fett-bratenden Riffs ein 100%iger "Host"-Kracher. Netter Refrain, insgesamt typisch Paradise Lost, nicht mehr und nicht weniger. Das anschließende "Illumination" ist eine düstere Ballade, die aber die Intensität von Tracks wie "It´s Too Late" vom Vorgänger nicht ganz erreicht. Wieder ein ganz netter Track, der mich aber nicht vom Hocker haut. "Something Real" ist dann wieder ein Ohrwurm erster Kajüte. Super Refrain, auch wenn PL hier von sich selber geklaut haben ("In All Honesty"). Genial. Schnell weiter zu "Divided": Atmospärischer Düsterrocker, der durch seine Orchester-Samples auch als James Bond-Theme geeignet wäre. Wieder ganz nett, aber nicht der Bringer.
"Sell It To The World", Track 8, der Up-Tempo Song von "Believe In Nothing". Härtester Song der Platte, tortzdem schöner Refrain. Das düstere "Never Again" ist dann neben "Fader" und "Mouth" mein Lieblingssong von "Believe In Nothing". Endlich kann man mal wieder die typische Nachdenklichkeit des Vorgängers eindeutig raushören. Ganz Groß, das Teil. Track 10 und 11 plätschern eher vor sich hin und klingen wie 20 andere Songs zuvor auch. Namentlich heißen die Songs "Control" und "No Reason" (leicht doomig). Nett und Adrett, aber kennt man halt schon zu genüge.
Der Abschlusstrack "World Pretending", ein ruhiger Song, weiß dann wieder von Hinten bis Vorne zu gefallen, Nick liefert die ausgereifteste Leistung seiner Karriere ab.

Insgesamt fällt "Believe In Nothing" im Vergleich zum Vorgänger klar ab, da PL es einfach noch nicht 100% verstehen aus schnelleren Songs große Hits zu machen. Bei "Host" frönten sie deshalb wohl auch eher den Balladen. "Believe In Nothing" setzt sich ein wenig zwischen alle Stühle: Eine Mischung aus "One Second" und "Host", wobei die Reinform mehr zu überzeugen weiß. Und, dass das neue Album hart genug für die alten Fans ist, wage ich zu bezweifeln.
Den endgültigen Durchbruch würde ich den Engländern trotzdem gönnen, zumal "Believe In Nothing" natürlich trotz allem ein saustarkes Album ist. Jeder PL-Fan kann sich das Ding blind kaufen.
Veröffentlicht wir das Album allerdings erst am 26.2.

Zu guter Letzt möchte ich noch auf die beiden B-Seiten "Sway" (ungewohnter Rocker) und "Gone" (düstere Ballade) eingehen, die, da am ungewöhnlichsten, auf jeden Fall noch 2 deutliche Highlights gewesen wären. Sprich: Die Single "Mouth" lohnt sich wegen dieser 2 Tracks auf jeden Fall. Versteh einer mal diese Briten, die ihr Album dadurch schlechter machen...

11.03.2005
kervorkian


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!