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nudge - cached


Erscheinungsjahr: 2005
Label: kranky
Tracks: 9
Spielzeit: 44:12
Genre: beats/elektro
Subgenre: organic funkdubelektro
nudgecached.jpg
Bewertung: 7.5/10

rating

"cached", vor einem knappen halben Jahr erschienen, ist in der deutschen Musikpresse ja weitestgehend untergegangen. Was schade ist. Denn nudge machen interessante Musik im Spannungsfeld zwischen Elektro und Postrock. Wobei die Betonung bei letzterem eher auf "Post" liegen sollte, als auf "rock".

Lustigweise haben nudge auch nicht viel mit Tanzmusik gemein (obwohl natürlich in Rezensionen über die Band oft der kryptische Begriff IDM - Intelligent Dance Music - auftaucht). Sie integrieren zwar mit Herzenslust Elemente aus den untanzbar kaum vorzustellenden Funk und Dub, zerschreddern diese aber gleich wieder so genüßlich, dass die Beine beim Folgen der Rhythmuswechsel sich verknoten würden. Gut so.

Jetzt, nach Sylvester, ist sowieso die beste Zeit, sich "cached" zu besorgen. So kann man dem Cover mit der zerberstenden Feuerbiene und Streichhölzern besser huldigen und etwas aktuelles abgewinnen. Auf die Musik passt das Cover nämlich nur extrem beschränkt: Diese ist nicht feurig, sondern eher bedächtig, entspannend und mit viel Sorgfalt komponiert. Höchstens das Impulsive, Sprunghafte könnte man übertragen. Aber selbst das passt auf viele Stücke nicht.
Der Opener "classic mode" verbindet unfassbar sicher dubbige, ruhige Basslinien mit trockenem Beat, der auch mal ein bisschen aus der Reihe tanzen darf und mehreren fein ziselierten und komplexen Akustikgitarrenspuren. Darüber hoher, geschlechtsloser Kopfgesang. Wie in Trance. Und in Trance könnte einen das Stück mit seiner traumähnlichen Atmosphäre auch versetzen, wenn es denn länger als dreieinhalb Minuten dauern würde.
Danach wird es noch abstrakter (und fast durchgehend instrumental): "standing on hot sidewalk" hat eine beatlose, flächige Ambientstruktur mit zirpender Harmonika und blubberndem Synthiebass wie bei Future Sound of London (auf Dauer etwas langweilig), "contact" verwirrt mit kantig-stotternden Beats, elektronisch manipulierten kurzen Gitarrenlicks und quietschenden Blasinstrumenten, erst "my new youth" kann mit treibenden Rhythmen und fast industrialartigen Geräuschen aus der verstörten Lethargie reißen. In der Folge wird "cached" nach dem Opener erneut richtig gut. Ob bumpernde Beats, verschachtelter Rhythmus, Tribaltrommeln und Harmonika in "remove ya", eine wilde Melange aus Free Elektronika und Post Rock Elementen in "dee deet" (geniales Saxophon) oder dimensionslose Gesang im ätherisch-loungigen, aber komplexen "parade": Das zweite Drittel auf "cached" macht am meisten Spaß. Nahtlos daran an schließt "blon", der am besten das Konzept von nudge repräsentiert: Übereinandergeschichtete Sounds, von denen immer abwechselnd einer besonders ins Ohr sticht, während die anderen in dieser Zeit ein fundiertes und reichhaltiges musikalisches Bett schaffen, bevor sich die Sounds mehr und mehr auflösen und sich selbst fragmentieren.

Mit "no come back" präsentieren nudge am Ende der CD ihr düsterstes und atmosphärisch dichtestes Stück. Dräuende Keyboards, dunkles Knistern (der Anfang erinnert auch an Ulvers minimalistische Elektroexperimente), Zischen und Blubbern sind der Stoff, aus dem hier Alpträume geschmiedet werden. Fast sieben Minuten lang. Ein ungewöhnliches Ende für eine ungewöhnliche CD.

myspace-nudge
nudge auf kranky records


Ähnlich:
Mouse on Mars, Matmos, Fennesz, Laub, Autechre, Tortoise, the sea and cake

14.01.2006
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!