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nervine - shock n roll


Erscheinungsjahr: 2004
Label: Code Red
Tracks: 15
Spielzeit: 55:46
Genre: Rock
Subgenre: Schweinerock
nervine.jpg
Bewertung: 3/10

rating

Zuerst die gute Nachricht: "Shock 'n' Roll" kommt in ansprechendem Artwork daher und bietet mit 15 Tracks auf 55 Minuten verteilt für 6,66 Euro value for money.
Die schlechte Nachricht: Die Musik auf obiger CD kann einem den ganzen Tag vermiesen. Was die drei - durchaus sympathisch wirkenden - Jungs der Band wohl schon beim Songschreiben geahnt haben. Nicht umsonst trägt der Opener den Titel "Hate me". Den Gefallen tu ich ihnen aber dann doch nicht, denn so richtig hassenswert sind Nervine nicht. Es ist vielmehr so, dass mir die ganzen 55 Minuten von "Shock 'n' Roll" total am Arsch vorbei gehen. Von "rauhem, ehrlichem Rock Sound der wahnsinnig Dampf macht" (Promozettel) erwarte ich aber, dass er mich an den Eiern packt und durch die Gegend schüttelt. Zumal der Albumtitel nicht gerade wenig verspricht - zumindest meine Erwartungen waren nicht gerade niedrig. Leider klappt einem schon beim besagten Opener die Kinnlade runter. Vor Enttäuschung wohlgemerkt. Die Riffs so verstaubt, dass man glaubt, keine Luft mehr zu bekommen; das Schlagzeug dümpelt wie geschlagene Omo-Trommeln umher und der "Sänger" gurgelt sich auf hin und her schlingernden Gesangslinien einen ab, was entfernt an Lemmy von Motörhead auf Alkoholentzug erinnern dürfte. Das alles gipfelt in einem Refrain, der Nirvanas "Rape me" teuflisch ähnelt. Ich fühlte mich so, als wäre ich bei einer eben gegründeten Band im Proberaum gelandet. Wer meint, so müsse "ehrlicher" Rock klingen, der ist bei Nervine definitiv richtig.
Zum Glück bleibt es nicht derartig bodenlos schlecht und einfältig. "Livin the other way" und "Feel Like" sind zwar ähnlich abgegriffene Midtempo-Rocker (von denen noch 5 weitere auf dem Longplayer zu finden sind, die sich kaum voneinander unterscheiden), hier klingt aber wenigstens der Refrain akzeptabel und geht ins Ohr.
Aber - obacht - Nervine versuchen löblicherweise sogar Abwechslung in das Album mit hineinzupacken. Auf der Härteskala nach oben reißen derbere Tracks wie "Boiler", "People" und "Full Package" aus. Die sind aber leider alles andere als eine volle Packung, die 'In your Face'-Attitüde verpufft wirkungslos im drucklosen Sound (der wohl direkt klingen soll) und dem wenig exakten Spiel der Band. Zweite Chance ebenfalls vertan.
Doch ein Rockalbum wäre bei Nervine wohl kein Rockalbum ohne noch ein paar leisere Töne angeschlagen zu haben. Und siehe da: Bei "Another Boy" steigt zumindest die Ahnung davon auf, dass Nervine wohl doch Songs schreiben können. Dieser hier bietet technisch zwar auch nicht viel mehr als Proberaumniveau, aber bei Textzeilen wie "It's just another boy, who tries to understand... lonely way I am (...)" [so herauszuhören, Texte liegen leider nicht bei] schimmert wenigstens etwas vergossenes Herzblut durch, ohne das solch ein Album wohl wirklich komplett für die Tonne wäre. Die ruhigen Stellen von "Let me kill me" sind dagegen etwas zu verkitscht geraten, was zum Glück mit den härteren Passagen etwas relativiert wird. Dieses Prinzip wird dann mit "Why can't you leave me alone" und "all of them" wiederholt, ohne aber ins Schwarze zu treffen. Dennoch: Am überzeugendsten wirken Nervine auf diesen vier Songs. Freilich noch weit entfernt von gut, aber immerhin ausbaufähig.
Zum Schluss werfen uns die drei Schwaben mit "not awake" einen düster-blutigen Klumpen vor die Füße, der mir vom ganzen Album noch am meisten zusagt. Ohne Vocals hätte es ein nettes wirkungsvolles Teil werden können, doch der Vocodersound bringt hier gar nichts - außer einen genervten Ausdruck in mein Gesicht.
Wer sich dennoch mal ein Bild von dem machen will, was sich die Plattenfirma "Code Red" unter "knallharten Riffs und aggressiven Vocals" sowie "ungebändigter Energie" vorstellt, der sollte mal die - gut gemachte - Homepage von Nervine (www.nervine.de), sowie www.code-red.de mal anklicken. Finden dürften die Meisten wohl nur eine uninspirierte Mischung aus Rock, Grunge und Metal

01.01.2002
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!