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muse - origin of symmetry


Erscheinungsjahr: 2001
Label: motor/universal
Tracks: 11
Spielzeit: 51:41
Genre: alternative
Subgenre: alternative progrock
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Bewertung: 7/10

rating

Drei Briten, Hinterzimmer, CDs von Radiohead, Placebo, Nirvana und ein paar Glamrockhelden sind der Stoff, aus dem die Muse ist.

Zumindest bis zur Debüt-CD waren sie überregional kaum bekannt, aber der Erfolg brach wie ein Wolkenbruch über sie herein: "Showbiz" (in das sie mit der Platte, Nomen est omen, auch vorstießen) wurde von allen Zeitungen mit überschwänglichen Kritiken ausgestattet, die Scheiblette mit den Zuckermelodien und dem pathetischen, mitunter jaulenden Gesang von Fronter Matthew Bellamy verkaufte sich hervorragend in komplett Europa und die Band wurde von den Fans fortan geliebt. Ganz besonders anscheinend bei den weiblichen, denn die drei Jungs waren süß, jung, reich und der Erfolg tat den Rest zum Groupiewahn hinzu, die Band genoss es offensichtlich, anerkannt und geliebt zu werden, und so nahm das Showbusiness den gewohnten Lauf: Aus drei kleinstädtischen, der Pubertät gar nicht mal so lange entwachsenen, ehrgeizigen Musikern wurden Rockstars.

Muse nichts negatives sein, aber einen komischen Beigeschmack bekommt die CD dennoch wenn man überlegt, dass sich die gesamte Band auf den letzten Liveauftritten doch sehr viel arroganter als zuvor gab, ohne augenscheinliche Selbstironie. Und letztendlich ist das neue Werk auch nicht mehr, als MEHR von Allem, draufgepackt auf die soliden Songs vom Erstling: Mehr Härte, mehr Bombast, mehr Melodie, mehr Emotion. Aber auch mehr Herzblut?

Das kann ich von Außen wahrlich nicht beurteilen, dafür ist das Machwerk der jungen Band einfach zu perfekt. Ehrlich gesagt erkenne ich weder instrumental, noch songwriterisch, noch textlich oder produktionstechnisch ernsthafte Schwächen. Ein Zeichen von Perfektionismus?
Mit Sicherheit, ansonsten wären wohl kaum neun (!) Engineers, Producer und diverse andere Mischer an dem Album beteiligt gewesen, da braucht nicht gesagt werden, dass die Band natürlich auch noch selbst Hand angelegt hat. Und damit nicht genug, das Album wurde in den berühmten Abbey Road Studios aufgenommen, wo seinerzeit schon Pink Floyd/Alan Parsons perfekte Musik perfekt auf Scheiben presste.

Es wurden also kaum Kosten und Mühen gespart, um das neue Werk adäquat umzusetzen und es hat sich augenscheinlich gelohnt: Die CD geht weg wie warme Semmeln, die Videos der Vorabsingle "Plug in Baby" und der akutellen "New Born" werden gerne gespielt und sind für sich genommen auch sehenswert, wenn auch lange nicht so perfekt und ideenreich wie das Album.

Das angesprochene "New Born" ist ein idealer Opener und auch sehr viel typischer, als das schon vor vielen Wochen erschienene "Plug in Baby". Während ersteres mit stellenweise überkandideltem Bombast und epischer Breite eher an eine neuzeitliche Ausgabe von Queen erinnert, ist "Plug in Baby" eher ein kompakter Rocker mit einer Basslinie, die an Airs "Sexy boy" in Highspeed erinnert und schlichtweg geniale Leadgitarren von Bellamy featuret.
Maximale Dynamik zeichnet das Album aus, zwischen fast schon an Minimalismus grenzenden Feinheiten und Zerbrechlichkeiten auf der einen Seite, auf der anderen die mit viel Pathos vorgetragenen Passagen in denen alles auf einmal passiert: hier die Powerchords bretternde Metalgitarre, da die peitschenden Drums, dazu der pumpende Bass, darüber noch ein halbes Streichorchester und auf allem thront die stets kraftvolle, auf Kommando in höhere Sphären ausbrechende Stimme Matthews. Das eine sich immer aus dem anderen entwickelnd, keine Stille ohne darauffolgendem Sturm und kein Bombast ohne vorhergehende leise unprätentiöse Parts.
Das alles wird schon durch "new born" repräsentiert, kaum ein musetypischer Stil wird ausgelassen, vom nach Glockenspiel klingende Keyboard, und einem schmachtenden, sich windenden Matthew Bellamy, der sich natürlich in schwindelerregende Höhen säuselt, zu harten Brettgitarren. Und so weiter, wobei manche Passagen gegen Ende ruhig hätten weggelassen werden können. Nach dem gleichen Schema sind leider auch die meisten der anderen Songs aufgebaut, von denen wohl "Space Dementia" dem Begriff Rockoper am ehesten eine neue Dimension verleiht, nach den Sternen greifend und im Erdboden versinkend wird hier auf einer Länge von über sieben Minuten alles praktiziert, was irgendwie Emotionen vortäuscht, mit der ganzen Band als optimaler Einheit; für mich mit dem ähnlich angelegten "darkshines", welches noch ein wenig wehmütiger (dafür kürzer) ist, der beste Song des Albums. Nicht, weil ich Bombast und dick aufgetragene Gefühle in jeder Verfassung mag, sondern weil sie einen kurzzeitig in eine Sphäre von künstlerhaft überstilisiertem Leben eintauchen lassen. Pop Art mit Glamour, aber ohne Trash. Das ist es, was Muse am besten können.

Da sind die wenigen, gelegentlichen Ausbrüche aus dem Muse´schen Universum fast schon störend: "Hyper Music" ist ein zupackender, bodenständiger, groovelastiger Rocksong, der im Gitarrensound stellenweise schon fast an Jimi Hendrix´ "Foxy Lady" erinnert, was leider nicht recht zu Bellamys gefesselter Stimme passen will. Derartiges sollten Muse wohl besser anderen Bands überlassen. Live ist "Hyper Music" aber wohl sicher eine Hüpfburg, wenngleich ich ja Befürchtungen habe, dass dieses Lied die Atmosphäre statt aufzulockern auch zerstören könnte. Für sich genommen nicht schlecht, aber im Verbund störend.
Ebenso wie das folgende "Plug in Baby" - und was habe ich diesen Song geliebt und das Video geschaut. Wenngleich nicht so krass aus der Rolle fallend wie "Hyper Music", haftet dem Lied trotzdem ein Fremdkörperbeigeschmack an. Perfekt für eine Single, weil sehr gestrafft, fehlt dem Song auf dem Album doch das Komplexe. Trotzdem: Einer der Songs des Jahres, Rockt, groovt, hat Luft, perfekte Melodie und Emotion.

Die Klaviermelodien der anderen Songs werden desöfteren während des Albums wieder aufgegriffen und in Variationen dem Hörer dargelegt, auch hier werden Reminiszenzen an die (wagnerianische) Klassik sichtbar, auch wenn doch das Stringquartett nur in knapp der Hälfte der Songs auftaucht. Da wurde wohl der Komponist in Bellamy wach.

Das leise, mit einer lethargischen Stimmung wie vor dem Suizid ausgestattete "screenager" dann als Ruhepol die letzten Songs einleitend: Bezeichnend? Der Text jedenfalls handelt offensichtlich von zu früh den Medien ausgelieferten jungen Menschen als Stars. In der Öffentlichkeit und letztendlich doch alleine. Selbstdiagnose von Bellamy? Die Band scheint sich zumindest noch in ihrer Rolle wohl zu fühlen. Nimm das mit, was mitgeht, aber lass nichts von dir selbst zurück, wohl das Motto. Man wird sehen. Zu wünschen ist ihnen der Erfolg ohne Nebenwirkungen.

Als vorletzter Song dann ein Cover von "Feeling Good", einem alten Bluessong, geschrieben vom Filmmusik-Duo Bricusse/Newley. Faszinierend interpretiert (wenngleich nicht ganz an das Original heranreichend). Bester Neuzeitblues, nicht jedoch ohne eine nostalgische Note, die einen schwelgend zurückblicken lässt. Der einzige Song, der aus dem Rahmen fällt und gleichzeitig dabei eines der Highlights der CD markiert, nach all dem überkandideltem Bombast der vorhergehenden Songs eine Ausnahme, die angenehmerweise - ähnlich "screenager" - einen Gang in allem zurücknimmt, bevor dann mit "Megalomania" wieder in alter Manier die Tränendrüse gereizt wird. Ohne Zweifel, für gewisse Augenblicke perfekt. Aber bitte nicht zur Nachahmung empfohlen. Wenn die ersten Muse-Klone auf dem Markt erscheinen, schalte ich ganz schnell das Radio aus.


Ähnlich:
Zornik, Queen, Suede, Arid, Ash, Bush, Placebo, Radiohead, Nirvana, JJ72, Sonic Youth, Blackmail, Smashing Pumpkins, Silverchair, Kent, Mansun

28.03.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!