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mugison - little trip


Erscheinungsjahr: 2006
Label: ipecac
Tracks: 16
Spielzeit: 41:25
Genre: alternative
Subgenre: soundtrack/strange americana
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Bewertung: 6/10

rating

Wer es bis hierhin nicht mitbekommen hat: Mugison ist das neue Wunderkind der isländischen Musikszene. Schon seit einigen Jahren freilich - und der dortige Trubel um den Singer/Songwriter hält an. Erst allmählich schwappt die Präsenz Mugisons aber über das nordische Meer. Vor knapp zwei Jahren muss Mike Patton in seiner Funktion als Ipecac-Chef aber über den eigenwilligen Sound des Isländers gestolpert sein. Jedenfalls wurde das partiell grandiose "Mugimama, Is This Monkey Music?" auf ebendiesem Label veröffentlicht. Noch nicht einmal ein Jahr später folgt jetzt also "Little Trip". Wie so oft bei Ipecac ohne Randnote, ohne Hinweis, was eigentlich zu erwarten wäre.

"Little Trip" ist kein neues Mugison-Album. "Little Trip" ist ein Soundtrack zu einem isländischen Film von Baltasar Kormakur (sein schöner Streifen "101 Reykjavik" ist hierzulande ja ein winziger Erfolg geworden) namens "Little Trip to heaven" (2005), der wohl dank seiner nicht gerade wohlwollenden Kritiken kaum die Chance bekommt, in zahlreichen Kopien in Europas Kinos anzulaufen. Wer die Musik in Hinsicht auf den Film beurteilen will, der muss also erstmal gründlich suchen.

Auf CD kann die Musik leider kaum mit Mugisons Songwriterqualitäten überzeugen. Richtige Songs sind auf "Little Trip" Mangelware. Die beiden vorhandenen stehen direkt nach dem kurzen, perkussiven Intro am Anfang der CD - und einer von beiden ist auch noch ein Coversong. Tom Waits darf aber weiterhin ruhig schlafen: Der Quasi-Titeltrack "little Trip to heaven" ist zwar ordentlich umgekrämpelt worden, das aber ganz nett. Hawaii-Gitarren verleihen ihm einen gänzlich positiv-relaxten Grundton und Mugison perfektioniert das Ganze mit einem unaufdringlichen, aber emotionalen und doch entspannten Gesang. Ganz anders das vorhergehende "Go Blind", ein ambitionierter moderner Blues mit einer Vielzahl an schemendurchbrechenden, gut eingesetzten Ideen. Düster schlingernd mit bauchigem Bass und schneidenden Gitarren. Dazu Mugisons zahlreiche Stimmen: Kopfstimme trifft auf (nicht immer ganz überzeugend) Hysteriker und Crooner. Untermalt von leicht schrägen, aber nicht unmelodischen Trompetenklängen.
Soweit die "klassischen" Songs von "Little Trip". Die Trostpflaster für alle, die eine gewisse Erwartungshaltung einer neuen Mugison-CD gegenüber aufgebaut hatten. Der Rest ist nämlich weitgehend Fragment (sieht man von dem in Ordnung gehenden hidden Remix von "Murr Murr" ab); eine Eklektizismus von hauptsächlich amerikanischen Musikstilen, durch eine isländische, schräge Filmmusikbrille gesehen.
Blues-, Jazz-, Country- und Singer/Songwriter-Gitarren treffen auf Soundtrack-Streicher ("Watchdog")und Percussion, auf melancholische Pianoläufe und Bläser (schön: "alone in a hotel") - nicht unbedingt gleichzeitig.
Ab und an gibt es Gesang; wie von weiblichen Geistern auf "mugicone", bluesig von Mugison selbst auf "Clip 10". Das alles hat für sich genommen Atmosphäre, die aber dank der Fragmenthaftigkeit der Tracks und der Heterogenität des Albums nicht in sich geschlossen ist. Viele gute Ideen machen den Soundtrack hörenswert, aber so richtig belohnt wird man am Ende nicht. Wie das meistens so ist wie mit Soundtracks.

Am besten nimmt man "little trip" ohne dazugehörigen Film wie ein Fotoalbum oder eine Reihe von schönen, stimmungsvollen, teilweise auch düsteren, abstrakten ("My nobel price" und andere Tracks in der zweiten Hälfte) Gemälden auf. Besonders die von gedämpften Bläsern getragenen Songs wie "Alone in the office" und "Pétur pór Ben" ragen als kleine Rohdiamanten aus dem Haufen heraus. Wer aber nichts als neue Mugison-Songs mit Gesang hören will, sollte die Finger von "Little trip" lassen. Hätte Ipecac auch mal sagen können.


Ähnlich:
Finn, Henry Mancini, Animal Collective, Neil Young, Kaada, Tom Waits, Spruce, Stereolab

07.09.2006
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!