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moonspell - memorial


Erscheinungsjahr: 2006
Label: steamhammer/spv
Tracks: 14
Spielzeit: 64:45
Genre: metal
Subgenre: dark gothic metal
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Bewertung: 5/10

rating

Ich habe nie daran gezweifelt, dass dieser Tag einmal kommen würde. Der Tag an dem Moonspell so klingen wie auf "Memorial". Damals, 1998, hat man allerdings noch nicht geahnt, dass es doch noch gute acht Jahre dauern wird. Wie die Zeit vergeht.

Nach den beiden Erfolgsalben "Wolfheart" (1995) und vor allem "Irreligious" (1996) verließen die Portugiesen den bekannten Gothic Metal-Weg und verliefen sich irgendwo im Dickicht, wo auch Depeche Mode, elektronische Elemente und Popsongs keine Schimpfwörter waren. "Sin/Pecado" (1998) ist das wunderbarste Album, dass das Quintett je veröffentlicht hat und veröffentlichen kann. Leider auf Kosten der Massen. An diesem Punkt war klar: Der "Irreligious"-Nachfolger wird kommen. Irgendwann. 2006 ist es dann so weit. "Memorial" ist da.

Anstatt den direkten Weg zu nehmen, kreisten Moonspell immer um ihre eigenen Experimentierfreudigkeit und machten es weder sich, noch den Fans besonders einfach. "The Butterfly Effect" (1999) wäre am liebsten Marilyn Manson. Bereits "Darkness And Hope" (2001) sollte eine Annährung an früher sein – aber eine sehr zaghafte, uninspirierte. Vor allem: Sie war nicht ernst gemeint und kam nicht von Herzen. Danach hatten Moonspell die Schnauze voll und machten mit "The Antidote" (2003) einfach das, worauf sie Bock hatten. Komischerweise sprangen ein paar alte Fans wieder auf den Zug auf. Aber nur, weil die Scheibe hart war.

Jetzt: "Memorial". Alles ist wie früher. Die Musik. Das Umfeld. Waldemar Sorychta hat im Woodhouse Studio produziert, Birgit Zacher war für die weiblichen Vocalparts auf der Scheibe zuständig. Nur ausgerechnet das Label heißt seit diesem Album nicht mehr Century Media, sondern Steamhammer/SPV. Ein kleines Zeichen für den Neuanfang, dem die Vergangenheit zu Grunde liegt.

Moonspell sind wieder gotisch, mysteriös, finster, bedrohlich, hart und was neu dazugekommen ist: Belanglos. Sie wären gerne wieder so wie sie früher sind. Und ich nehme ihnen sogar ab, dass das alles ohne kommerzielles Kalkül geschieht, aber das macht "Memorial" nicht besser. Es kann sein, dass die alten Fans wieder jauchzen werden und dabei die Tatsache unterschlagen, dass das Album zu einem großen Prozentsatz aus Leerlauf besteht. Leerlauf, der sich musikalisch komischweise eher an "Wolfheart" als an "Irreligious" orientiert. Wer hätte es gedacht?

Dieser Leerlauf wird von den Songs "Upon The Blood Of Men" (Up-Tempo Smasher), "Sanguine" (atmosphärischer Longtrack) und mit Abstrichen noch "Luna" (eine Mischung aus Beidem) unterbrochen, die allesamt mitreißen können und wirklich Substanz haben. Alle drei Songs überzeugen hauptsächlich durch ihre packenden Refrains – die bei den übrigen Tracks schlicht zu fehlen scheinen. Die Portugiesen verstecken sich zu oft hinter meterdicken Keyboardwänden, Doublebass-Attacken und harten Riffs. Ohne Sinn und Verstand. Das kaschiert songwriterische Schwächen und Längen mehr als geschickt. Das gleiche mit den ebenso zahlreichen wie sinnlosen Intros und Interludes. Wie kann man es nur zulassen, dass sich gute Ideen wie z.b. "Proliferation" nur in einem glanzlosen Interlude anstatt in einem tollen Song finden?

Auch schade: Sänger Fernando schreit fast nur noch. Seine anhörbare klare Stimme kommt nur selten bei geflüsterten Passagen zum Einsatz, ansonsten regiert abwechslungsarmes, heiseres Gekeife, dass schon beim Zuhören schmerzt. Hier wäre weniger Rückschritt ein großer Fortschritt gewesen.

"Memorial" zeigt eindrucksvoll, dass die goldenen Zeiten von Moonspell definitiv vorbei sind. Die Experimente funktionieren nicht mehr, die Vergangenheit ist ebenfalls gestorben. Zeit abzutreten, bevor man sich den Ruf noch mehr zerstört.


Ähnlich:
cradle of filth, type o negative, sisters of mercy, the nefilim, tiamat, paradise lost.

25.06.2006
hlmr


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!