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miasma and the carousel of headless horses - perils


Erscheinungsjahr: 2005
Label: web of mimicry
Tracks: 13
Spielzeit: 44:39
Genre: alternative
Subgenre: avantgarde barock-progrock
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Bewertung: 9/10

rating

Alben, die von Bands stammen, die sich Miasma and the carousel of headless horses nennen, mit einem Stück eröffnen, das "Blackening: Crows Templar" heißt und mit einem abschließen, das auf den Namen "Ouroboros: Phoenix Rising" hört, können zwei Dinge ganz bestimmt nicht sein: Gewöhnlich und locker-fröhlich.

Das britische Quintett besteht zu einem guten Teil aus Guapo-Musikern, hinzu kommen noch eine Violinistin und ein Pianist/Organist (O'Sullivan, der diese Instrumente bei Guapo spielt, bedient hier hauptsächlich Gitarre und Harmonium). Und die zusätzliche Besatzung ist auf "Perils" auch bitter nötig, denn mit dem Guaposchen Zeuhl/Progrock hat das hier nicht mehr viel zu tun. Höchstens ein paar Marschrhythmen hier und da lassen die Herkunft von über der Hälfte der Bandmitglieder erkennen. Ansonsten aber ist die Musik von Miasma... wesentlich symphonischer und abwechslungsreicher, dafür weitaus weniger drückend und kompakt. Verspieltheit wäre hier ein richtiges Wort, ginge es nicht um solche Themen wie Okkultismus, Tod und schwarze Magie. Die Musik klingt nicht selten wie eine vertonte Gruselstory von Ambrose Bierce oder Edgar Allen Poe, versetzt ins 17. Jahrhundert, als man noch an Unholde und böse Geister glaubte. Die vielen klassischen Sätze auf "Peril" klingen nämlich nicht selten nach der musikalischen Schnittstelle von Renaissance und Barock - eine Prog-/Postrock-Suite im Elisabethanischen Zeitalter. Ohne Zeitmaschine schwer vorstellbar und alleine (aber nicht nur) deswegen schon das Reinhören wert.

Einleitend gibt es mit "Blackening: Crows Templar" eine hypnotisierende Sinuskurve aus dem Mellotron, die tatsächlich ihren Zweck erfüllt und hervorragend auf das nun Kommende vorbereitet. Düster und fremdartig schwappt "Perils" über den Hörer, was mit "The Mage" konsequent bestätigt wird. Leise zirpend und quietschend führen nach moderner Klassik klingende Violinen in den an Guapo erinnernden Marschrhythmus ein, der Gesellschaft von Bolero-Melodien bekommt und sich, mit anderen Rhythmen und Melodien verbrüdernd, immer weiter ausbreitet. Wer mit Rollenspielen oder Fantasyfilmen vertraut ist, wird ohne Zweifel die langsame Anspannung eines Magiers bei der Vorbereitung seines Zaubers und die immer intensiver werdende Ausdehnung dessen Macht vor Augen haben. Nach Erreichen des Klimax sinkt die Spannung in sich zusammen und hinterlässt ein meditatives und dennoch unruhiges Vakuum, in das sich langsam ordnende Strukturen ergießen. Die Ruhe nach dem Sturm.

Beim anschließenden "Peacock the heretic" wird eine weitere Besonderheit Miasmas... deutlich. Die Verwendung seltsamer (Sprach-)Samples, hier eine Kombination aus Zirkusmusik und einem japanischen Kriegsfilm; im weiteren Verlauf des Albums kommt man desweiteren in den Genuss von plappernden Kobolden, unverständlichen ausländischen Sprachfetzen über Radiostörfrequenzen, galoppierenden Pferden, etc.
Im Verlauf von "Peacock..." wird aber ebenfalls der Sinn von Miasma... für göttliche Melodien und die perfekte Einbindung in den Song deutlich. Die Spannung wird hier mit neobarocken Violinenmelodien entladen, dass es eine wahre Freude ist, dem Spannungsaufbau durch dräuend-düstere Rhythmen zu folgen. Der Rest des Tracks wird durch geschickt platzierte, auch mal länger andauernde Breaks hochdramatisch gehalten, was auch in den weiteren Songs immer wieder auffällt. Gefüllt werden diese in Kontrast zu den prachtvollen Melodien von atonalen Violinen-, Klavier- und Gitarrenklängen (insbesondere "Perilous Fathoms" und teilweise "The Optician"), was erst recht die Faszination an diesem Werk bedingt.

Die geniale Kompositionskunst und die faszinierende Verknüpfung von Alt und Neu, Melodie und Atonalem wird nur noch übertroffen von der Bildgewalt der Arrangements - alles ohne Gesang, wohlgemerkt. "Perilous Fathoms" ist ein Maskenball der makabren Eitelkeiten in 5000 Metern Höhe, "Gypsies Funeral" lässt eine Szenerie eines Begräbnisses vor Augen entstehen, bei dem die Leiche von Ghouls entrissen wird (ein Bild, das durch ein erstaunlich hart rockendes Ende und immer wieder ablösende Trauertonfolgen auf die Spitze getrieben wird) und "Asmodius Arise", eines der aufwühlendsten Stücke des Albums, lässt einen teilhaben an der Erweckung eines gigantisch Bösen. Das majestätisch düster daherschreitende "The Optician" sorgt bei diesen Vorgängern trotz aller Dramaturgie fast schon für eine Entspannung. Aber eben nur fast.

Und zum Abschluss beißt sich - Ouroboros - die Schlange in den Schwanz. Gongschlag, zart welkende Violinenmelodien in Moll, begleitet von der gleichen Tonfolge einer Flöte. Ende offen.

Auch, wenn man nicht unbedingt Fantasy- und Gruselkram-Aficionado ist, "Perils" ist eine derart originelle und ausdrucksvolle Verknüpfung von unterschiedlichsten Musikrichtungen, dass höchstens der hinterletzte Soundtrack- und Antikmuffel es wagen sollten, hier nicht reinzuhören.


Ähnlich:
Present, Univers Zero, Angelo Badalamenti, Guapo, Astor Piazzolla, Goblin, Art Bears, Burzum, Tom Waits, Antioch Arrow, King Crimson, Bach

03.08.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!