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mengelberg, misha - senne sing song


Erscheinungsjahr: 2005
Label: tzadik
Tracks: 9
Spielzeit: 58:05
Genre: jazz
Subgenre: (free) piano jazz
mengelberg_senne.jpg
Bewertung: 8.5/10

rating

Zu den ganz Großen gehörte er nie. Pianist Misha Mengelberg begnügte sich trotz herausragender Kritiken und hohem Ansehen in der Jazzwelt eher mit kleineren Meriten hinter der ersten Reihe. Schön, dass mit dieser zweiten Veröffentlichung von Mengelberg auf Zorns Tzadik Label auch eventuell andere Hörerschichten angelockt werden - bei Jazzkennern ist Mengelberg (der seit den 60ern musiziert) ja schon lange ein Begriff. Bei mir hat es jedenfalls jetzt auch gefunkt.

Klavier, Bass und Schlagzeug. Mehr braucht das auf "Senne Sing Song" spielende Trio nicht, um Töne, die Gefühl gleichermaßen wie Brillianz in sich tragen, in Magie zu verwandeln. Sonderlich schnell oder hektisch wird der midtempo Klavierjazz von Mengelberg dabei nie. Dramatik wird hier in erster Linie durch tonale Gegensätze erzielt. Mal melodisch, mal kontrapunktisch, mal atonal, mal wunderbar perlend reiht das Klavier die Töne wie selbstverständlich auf einer unsichtbaren Schnur auf. Ja, es läuft hier wie am Schnürchen; der Motor surrt ausgezeichnet - was nicht auch zuletzt durch die Begleitung von Greg Cohen am Bass und Ben Perowsky am Schlagzeug erreicht wird, die sich nur selten - und dann nie weit - vor das Klavier in den Vordergrund drängen und mit ihrem varianten- und ideenreichen Spiel die perfekte Ergänzung für Mengelbergs Kapriolen sind. Mehr als das Tüpfelchen auf dem i, was man besonders in "We are going out for italian" (diese Basslinien) und in "Reef und Kneebus" (diese perfekt gesetzten, unvorhersehbaren Becken und Tomschläge) hört. Eigentlich sind aber alle Songs auf allerhöchstem Niveau und eine Pracht für sich (vielleicht bis auf "Kwela P Kwana" und "Poor Wheel", die unter dem Verspielten einen Tick mehr Saft vermissen lassen). Freunde von mäandernden Klavierläufen, die immer zum richtigen Zeitpunkt nach oben und nach unten ausreißen und damit Experimentierfreude beweisen, von neben den Beat gesetzten Anschlägen und von elegant umherschlängelnden Basslinien, die auch mal Pause machen, um Klangtupfer zu setzen, sind hier richtig. Mengelberg hat den Dreh raus, er schwenkt mühelos von Avantgarde zu klassisch um und vergrault so weder das eine, noch das andere Publikum. Ob frei oder komponiert: Bei Mengelberg fühlt man sich immer geborgen. Schöner kann man den 70. Geburtstag kaum feiern, als mit einem solch perfekt aufeinander eingestimmten Trio.


Schade nur, dass das Artwork so ärmlich erbärmlich ausgefallen ist. Ein paar Infos in diesem vierseitigen Lappen wären recht und billig gewesen.


Ähnlich:
ICP Orchestra, Eric Dolphy, Keith Jarrett, Ornette Coleman, Thelonious Monk, Paul Bley, Randy Weston, Alexander von Schlippenbach, Kirk Nurock, Fred Van Hove, Henk DeJonge, Marilyn Crispell, Kees Hazevoet

28.03.2006
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!