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memorized dreams - theater of life


Erscheinungsjahr: 2000
Label: sound riot
Tracks: 9
Spielzeit: 40:35
Genre: Metal
Subgenre: Power Metal
memorizeddreams.jpg
Bewertung: 4/10

rating

Power Metal. Langhaarige Männer stehen mit ihren wehenden Mähnen vor Türmen von Boxen (aus denen Staccatogitarren und galoppierende Drums dröhnen) und geben ihre Versionen von albernen Fantasymärchen gekleidet in dürftige Standardvokabeln in möglichst hohen und langgezogenen Tönen oder wahlweise in deftigen Männerchören zum Besten. Das Ganze wird dann auf CD gebrannt, mit einem kitschigen Pastellgemälde auf dem Cover zusätzlich abgewertet und auf den Markt gebracht, auf dass es Menschen gebe, die sich das Ganze reinziehen, um dem Alltagsstress für eine Dreiviertelstunde zu entkommen. Natürlich alles Klischees, die allerdings traurigerweise immer wieder aufs Neue von solchen Bands, die sich "Power Metal" auf die Fahnen geschrieben haben, bestätigt werden.
Die Band, die hier mehr oder weniger erfolgreich im Klischeesud wühlt, nennt sich Memorized Dreams und kommt - obacht! - aus Norwegen. Nicht unbedingt das Land, aus dem man feuchte Träume für den Power Metaller erwartet. Und so haben Memorized Dreams, schenkt man dem Promozettel Glauben, eine kurvenreiche Karriere hinter sich. Nach Frontfrauenrock und Prog Metal besinnt sich die umorientierungsfreudige Band auf ihre Ursprünge. Angefangen haben Memorized Dreams mit - natürlich: Power Metal.
Nun ist man bei mir (wie einigen Lesern aufgefallen sein wird) mit dieser Art von Musik an der völlig falschen Adresse. Dennoch versuch(t)e ich meine Vorurteile abzustreifen und habe mir das vorliegende "Theater of Dreams" sogar mehr als ein Mal reingezogen. Zwar lief mir bereits beim Anfang von "Cardinal Sin" (nach einem unnötigen Intro) ein Schauer über den Rücken, als ich einen markerschütternden, offensichtlich total unmotivierten Schrei vernehmen musste, aber als der erste Schockmoment überstanden war, überraschte mich der Song mit guten Riffarrangements und passend platzierten Klassikelementen (gespielt von Mitgliedern der Trondheim Symphoniker, die allerdings im Verlauf des Albums so gut wie nicht mehr auftreten). Der Gesang ist natürlich wie immer Geschmackssache, nervt mich aber hier nicht so wie bei ähnlich gelagerten Bands. Terje Haroy am Mikro fehlt dabei etwas Esprit, aber die Gesangslinien überzeugen größtenteils. Der Rest der Band verfällt zwar nach kurzer Zeit in den typischen, abgelutschten Galopprhythmus, dennoch bleibt der Quasi-Opener ein kurzweiliges Power Metal Ständchen mit Klassikkomponente. Doch schon beim folgenden "Haloes and Wings" verhält sich die Gewichtung umgekehrt. Die ersten paar Sekunden - elektronisch klingende Drumbeats - lassen mich auf ein ungewöhnliches Experiment hoffen, was folgt ist aber biederer und langweiliger Power Metal, die Ausführung unzweifelhaft professionell, aber ansonsten nichts dahinter. Standardmelodien, Standardgesang, 08/15-Aufbau und tausendmal gehörter Rhythmus. Wahrscheinlich auch für den geneigten Fan solcher Musik zu langweilig. Vom weiteren Verlauf des Albums gibt es ebenfalls nicht viel positives zu berichten. Zwar singt beim uninspiriert durch die Gegend galoppierenden "Gates of heaven" die Nase von Luca Turilli, der macht die Sache aber allem Anschein nach relativ emotionslos. "Sea of Oblivion" ist eine hoffnungslos verkitschte Klavierballade mit immerhin nettem weiblichen Begleitgesang, danach wiederholen sich die Muster. Mal etwas langsamer ("Neverland") mal etwas schneller (immerhin mit einprägsamen Singalongchorus: "Revelating Paradise"), mal ganz schrecklich ("Light above all"). Und mittendrin immer mal wieder selten passende Keyboardtupfer von der Quotenfrau (schließlich will die Band nicht alle Klischees erfüllen). Zumindest mit diesen Mitteln zieht man mich auch weiterhin nicht in den - zweifelhaften - Bann des Power Metals.
Ein nicht zu unterschätzender Vorteil, den die Platte jedoch allen bietet: Man kann seine eigene Neigung zu "Theater of life" gut ob des Gefallens an Cover und Songtitel abschätzen. Wer sich bei Titeln wie "Gates of heaven" schon im eigenen siebten Himmel befindet, der sollte sich mal näher mit Memorized Dreams beschäftigen. Und am besten mitsamt der Band in ein Paralleluniversum abdriften. www.memorized-dreams.com


Ähnlich:
edguy, stratovarius, halloween

01.01.2002
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!