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magenta - litte girl lost


Erscheinungsjahr: 2002
Label: re-pop
Tracks: 11
Spielzeit: 48:17
Genre: Pop
Subgenre: Elektropop
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Bewertung: 7/10

rating

Merke: Von den beteiligten Gästen lässt sich nur selten auf den musikalischen Inhalt eines Albums schließen. Jüngster Beweis sind die norwegischen Magenta mit ihrem nach wenigen kleineren Outputs als Quasi-Debüt zu bezeichnenden "Little Girl Lost". Und da das skandinavische Land sowieso Ähnlichkeit mit einer großen Musikkommune hat, tummeln sich sage und schreibe nicht weniger als 15 Individuen abseits ihrer Stammbands auf diesem Album. Dabei fallen so unterschiedliche Namen wie Ulver (durch Trickster G. und Tore Ylwizaker gleich zweifach vertreten), Cadaver Inc., Mayhem, Madder Mortem und Apoptygma Berzerk, um nur einige Bands aus denen die Beteiligten stammen zu nennen. Mittendrin pumpt das Herz, bestehend aus den zwei Kammern Vilde (zuständig für Gesang) und Anders Odden (Gitarren, etc.) beständig Pop-Blut in die Adern der Band. Denn nichts anderes ist es letztendlich geworden - Pop. Freilich mit ebenso vielen und unterschiedlichen verarbeiteten Einflüssen wie Personen mitgewirkt haben; einen Roten Faden gibt dabei aber schon der Opener "These Things" mit den Zeilen "when the rain fells i feel happy (…) when i walk into a bar in the afternoon and it´s half empty, i feel excited …" vor.
Diese ständige, mal mehr mal weniger vorhandene (Wohfühl-)Lethargie drückt sich besonders durch das relativ sonore Organ der Sängerin und die ruhigen Basslinien aus, nur selten bricht der Rhythmus mal aus und wenn, dann nicht besonders erfolgreich: "never fall again" ist mit seinen etwas 80er Jahre industrialbeeinflussten hektischen Klängen eindeutig fehl am Platze und schreit förmlich nach der Skip Taste.
Der überwiegende Teil der anderen Tracks besticht aber durch ausgereiftes Songwriting und angenehme Atmosphäre, wobei nie irgendwelche Spitzen erreicht werden.
Besonders dem Opener-Triple ist dabei zu Gute zu halten, dass zwar in seichten Gewässern gefischt wird, dies aber mit Stil. Der trippige Rhythmus von "These Things" ist einfach nur schön, "all over" ist ein gelungener melancholischer Alternative Pop Track, bei dem mich Magenta an neuere Tiamat erinnern, im Gegensatz zu diesen dabei aber die Sache richtig anpacken.
Beim Hören des folgenden "air" ist man unweigerlich in die Stimmung eines bewölkten Sonntag Morgens versetzt - schwermütiger easy listening Trip Pop, wenn man schon eine Schublade dafür finden müsste. Irgendwo zwischen Sneaker pimps und den Cardigans ziehen Magenta ihre Bahnen.
Das erste Mal wirklich bemerkbar macht sich ein Gast bei dem konzeptuell (schon anhand des Titels erkennbar) mit dem vorhergehenden "i need my soul" verbundenen "i need my love": Trickster G. überrascht hier mit einer etwas souligen Stimme, der Song an sich ist, genau wie "i need my soul" leider zu lang geraten und erstickt die guten Ideen schon nach kurzer Zeit mit sich totlaufenden und uninteressanten Wiederholungen.
Nach den Absackern im Mittelteil wird wieder geklotzt statt gekleckert. "Mermaid", mit fast 7 Minuten das längste Lied der CD, ist eine epische, an bekannte Märchen angelehnte Ballade, die mit wohldosiertem Kitsch, reichhaltiger Instrumentierung und reiner, jungfräulicher Schönheit fasziniert.
Der Rest des Albums haust zwischen gitarrenorientierten Klängen, wobei nie in allzu Harte Terrains abgeschweift wird ("vandalist virgin" und das mit einem exotischen aber nicht aufgesetzt wirkenden Percussionteil ausgestattete "i take the blame"); sehr ruhigen Momenten (der Titeltrack - zu dem Musiker von Ivy hysterische Backing Vocals beisteuern) und dem kurzen, recht experimentellen Schluss "Green Dragon".
Beeindruckend ist trotz der Eingängigkeit und Homogenität des Albums die Bandbreite an Sounds, wenngleich die von der Plattenfirma (Passend: Re-Pop) angekündigten vielfältigen Emotionen kaum musikalisch transportiert werden - dazu müssen schon die oftmals zu trivial gehaltenen Texte herhalten. Ob die Band damit am Anspruch gescheitert ist, lässt sich schwer sagen, das Album ist schließlich über weite Strecken gut gelungen, nur bricht man selten aus, um den Hörer wirklich zu fordern. Langzeitwirkung wird die CD damit kaum besitzen, für das nette Hörerlebnis zwischendurch ist die CD indes wunderbar geeignet - ohne sich an gängige Klischees oder Hitparaden Mainstream anbiedern zu müssen.


Ähnlich:
Cardigans, Sneaker Pimps, Smoke City, Morcheeba, Tiamat, Ulver

28.03.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!