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klimt 1918 - dopoguerra (ltd. edt. with bonus-ep)


Erscheinungsjahr: 2005
Label: prophecy
Tracks: 16
Spielzeit: 82:50
Genre: alternative
Subgenre: melancholic wave/indierock
Klimt1918cd.jpg
Bewertung: 7/10

rating

Sie haben die gleichen Jugendhelden wie wir. Auch in Italien.

Der unwiderstehliche Pathos und die Melodie von U2 und den Simple Minds Mitte der Achtziger. Die Melancholie von the Cure und Tears for Fears. Klimt 1918 nehmen all diese Einflüsse und verpacken sie in ein modernes, frisches Klanggewand, das an Alternative Rock Heroen wie Dredg und Live erinnert. Und erweitern all dies noch mit ein wenig Gefühl und Härte aus dem Gothic Metal, wo insbesondere Katatonia und Thine Pate standen.

Und trotz all dieser, mitunter sehr stark hörbaren Einflüsse sind Klimt 1918 eigenständig. Wohl, weil sie aus Italien kommen und all diese Einflüsse stark filtern, aufsaugen und in einer eigenen Melange wieder ausspucken.

"Dopoguerra" ist ein "Post War" Album (nichts anderes als "nach dem Krieg" bedeutet der Titel) geworden. Was schon beim Intro klar wird. Ein Radiosprecher über Marschmusik, der so klingt, als würde er das Ende des Krieges verkünden, darüber Atmen, als hätte einer vergessen, seine Gasmaske auszuziehen. Orgeltöne, die einen neuen Anfang verkünden. Daraus wird "they were wed by the sea". Flirrende Gitarren gestalten den Anfang wie weiland U2s "Where the streets have no name" (lustigerweise klingt das Intro vom nachfolgenden "Snow of 85" auch danach) und sogar der Gesang Marco Bellners ist irgendwo zwischen Bono Vox und Jim Kerr von den Simple Minds. Aber insbesondere die harten Gitarrenriffs und die moderne Produktion unterscheidet die italienische Viererbande von den 80er Heroen und macht gleichzeitig das Besondere an "Dopoguerra" aus. So geht eine unglaublich befreiende Atmosphäre von den 9 Songs aus, gleichzeitig ist aber eine üppige Melancholie zu spüren, die sich wie ein Arm um Dich legt und Dir bittersüße Sachen ins Ohr flüstert. Ganz ohne Zwang. Ein Album zum Wohlfühlen und zum gleichzeitigen Nachdenken, Rekapitulieren, ein Album zum Ausklang des Tages. Bei fortgeschrittener Spielzeit hat man zwar ab und an ob der ganzen flirrenden Gitarren und pathetischen Refrains mehrere Deja Vu-Erlebnisse (hatten wir das nicht schon einmal?), aber die Songs sind so geschrieben, dass jeder von ihnen auffallend schöne Elemente hat, so dass kein Tiefpunkt auszumachen ist. Auch, wenn nicht alle durchgehend stark sind. Außer "Rachel", vielleicht auch der eigenständigste Song auf "Dopoguerra", weil er höchstens ein klein wenig an the Cure erinnert. Dieser spannende, sich steigernde Songverlauf! Dieser treibende, mitreißende zweite Teil, der zum Mitschreien animiert! Und das alles für eine amerikanische Freiheitskämpferin auf Seite der Palästinenser, die im Zuge der Räumung des Gaza-Streifens von einem israelischen Bulldozer überrollt wurde. Vielleicht der Song, der am ehesten Klimt 1918 ausmacht. Kämpferisch für Freiheit, stark und melancholisch, trauernd, aber mit Zuversicht.

Der Song, der am ehesten an die Qualität von "Rachel" heranreicht ist gleichzeitig einer der härtesten des Albums. "Lomo" legt flirrende Gitarren über fette Riffs und schnelles Schlagzeug, ist dabei aber unheimlich gefühlvoll und punktet mit sehnsuchtsvollen Gesangslinien Bellners. Zwischendurch und am Ende sogar mit Double Base Drum.

Am Ende, nach "Sleepwalk in Rome" in dem auch mal die italienische Muttersprache ausgepackt wird (die ansonsten zum Glück außen vor bleibt, weil sie auch hier kaum passend klingt), klingelt einem zwar der Kopf vor lauter Gitarrenflirren, aber man ist auch glücklich. Nur länger als die 40 Minuten hätte "Dopoguerra" nicht sein dürfen.

Länger wird das Album mit der anhängenden Bonus-CD, die auf sechs Stücken eher die ruhige und tanzbare 80er Seite von Klimt 1918 hervorhebt. Was leider nicht mein Ding ist. Es gibt eine auf acht Minuten gestreckte Version von "they were wed by the sea", die im ersten Teil auf flächige Keyboards, unterschwelliges Cello, E-Piano, bedächtig gezupfte Akustikgitarren und in den Vordergrund gestellte Vocals mit Hall setzt und sich nach und nach in ein episch-atmosphärisches Breitwandpostrockstück mit himmelschreienden Gitarren verwandelt. Ersteres langweilt etwas, letzteres ist nett, aber zu ausgedehnt. Neben dem abschließenden, auf 80s Synthiepop getrimmten Remix von "sleepwalk in rome" (misslungen) gibt es auch noch vier neue Tracks, von denen "never ever" eine eher unspannende Ballade mit viel Klavier und Akustikgitarrn ist, "yanqui girl in rafah" ein trauriges, soundtracknahes Instrumental für Cello und Klavier und "cry a little", sowie "driving at the end of the night" melancholische 80s Pop Stücke. Außerdem hängt als sechsminütiger Hidden Track eine Keyboard Klangcollage an (total uninteressant). Durchwachsen ist für die musikalische Bonus-CD noch etwas übertrieben. Zum Glück gibt es noch einen interessanten PC-Teil, in dem die Band (mit einem Interview und eigenen Kommentaren) und die CD (die Band erklärt das Album Stück für Stück, sowohl musikalisch, als auch lyrisch) näher erläutert werden. (5/10 für die Bonus-EP.)



"Dopoguerra" ist eines der wenigen Alben, die gleichzeitig nostalgisch sind und voller Hoffnung in die Zukunft blicken. Lasset uns dafür dankbar sein und über die Schwächen der CD hinwegsehen. Zumindest für 40 Minuten.


Ähnlich:
U2, Dredg, Verdana, Simple Minds, VAST, Live, The Tea Party, Katatonia, Thine, Interpol, The Alarm, the Cure, Tears for Fears, Anathema, Ultravox, The Police, Filter, Sparta, Stabbing Westward, The Church, Talk Talk

12.01.2006
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!