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klabautamann - merkur


Erscheinungsjahr: 2009
Label: zeitgeister / heavy horses
Tracks: 9
Spielzeit: 48:57
Genre: metal
Subgenre: progressive black metal
klabautamann_merkur.jpg
Bewertung: 8/10

rating

Sie greifen nach den Sternen. Alle Welten vereint. Fern die Sterbenden, nah die Toten, Unendlich ist so weit.

Beachtlich schon waren "Our journey through the woods" und "Der Ort". Das verzwirbeln von Black Metal mit Folk, Brutalität mit Melodie war Ihres. Nun ist "Merkur". Eine neue Stufe, vom ersten Ton an spürbar, hörbar. Bisher waren Klabautamann irdisch. Textlich oft fokussiert auf düstere Naturmystik. Musikalisch waren die melodischen, ruhigen Passagen stets nordisch-folkloristisch angehaucht, meist von Akustikgitarre getragen, stark beeinflusst von skandinavischem Folk Black Metal. Die Albengestaltung stets naturbetont, Gemälde von grün-braunem Wald, schwedischen Trollen.

Schon auf den ersten Blick ist "Merkur" anders. Das Artwork mischt kultische (Un)Totenverehrung mit kosmischen Visionen, Galaxien vergehen, Sterne entstehen, das alles unter den Augen der skelettierten Weisen. Textlich, von Stammlyriker Christian Kolf gewohnt gemischt in deutscher und englischer Sprache, erweitern Klabautamann ihr bisheriges Werk dunkler und melancholischer Natuverbundenheit, stets verbunden mit der makaber-mystischen Bildersprache des Black Metal, wie auch hier in "Herbsthauch", "Morn of Solace" und "Der Wald ist ein Meer". Hinzu kommt auf "Merkur" etwas Mächtigeres, Überragenderes. Zeitlos und ohne Ursprung, eine Vision der Apokalypse und anschließendem Neuen Zeitalter, wie auf dem Cover angedeutet und in "Unter Bäumen" besungen. Dieser albumeröffnenden Hymne, unprätentiös und ohne Pathos. Vielleicht der beste Song, den Klabautamann je geschrieben haben, vielleicht das beste deutschsprachige Black Metal Stück überhaupt. Kalt, vorpreschend und erbarmgungslos der Anfang, dabei so präzise und druckvoll wie noch nie. Unerwartet aber passend ist der Übergang in die ruhigen Passagen (am ehesten nach melodischen Opeth klingend), die einen sanft und warm umarmen, bevor sie in die nächsten Metalparts entlassen. Am Ende dann eine Anspielung auf das biblische 1000-jährige Reich. Niedergang und Erneuerung. Vieles auf "Merkur" ist aber auch einfach nur kryptisch, dabei atmosphärisch, unbestimmt melancholisch, aber stets mit Abschied und Verlust ("when I long for life", "Stygian"), aber auch Zyklisches, Tod und Wiedergeburt - vor allem in "Noatun", am Ende des Albums.

Musikalisch hat sich, mit zunehmender Spieldauer des Albums immer deutlicher, Jazz und Fusion besonders in die ruhigen Abschnitte von "Merkur" geschlichen, die früher fast nur auf folkiger Akustikgitarre beruhten. Am Anfang klingen Klabautamann dabei vielleicht noch nach den schrägeren jazzigen Parts von Ved Buens Ende oder Virus, später dann aber, im kongenialen "Herbsthauch" gar nach den jazzigen Passagen der Prog Death Metal-Götter Cynic (wenn man überhaupt noch Metal-Vorbilder bemühen will). Was insofern nahezu unglaublich ist, weil "Herbsthauch" - ansonsten der brutalste Track der CD - trotz der harten Brüche homogen wirkt. Wie überhaupt so viel auf "Merkur", ein Album, das in jedem Stück Gegensätze vereint wie schon lange keins mehr im Black Metal. Höchstens "Morn of solace" (und wegen seines nicht in allen Details gefallenden Textphonetik/Reimschemata auch "Der Wald ist ein Meer") fällt dabei ein wenig ab, während die angesprochenen "Unter Bäumen", "Herbsthauch" und das abschließende "Noatun" (mit seinen Klaviereinlagen schönster und ruhigster Song des Albums) die Höhepunkte darstellen.

So ist "Merkur" nicht nur wegen seiner Ausgewogenheit und stilistischer Sicherheit ein zeitloser Fast-Klassiker geworden, sondern vor allem (bisher noch zu wenig angedeutet) wegen seiner kunstvollen Verwebung von Komplexität und Eingängigkeit. Unter mitreißenden Riffs wie in "Lurker in the moonlight" verstecken sich fein eingebundene, komplexere Bass- und Gitarrenlinien, während im Titeltrack mit diabolischem Grinsen funkiger Fusion Jazz zum Mitwippen auf bösen technischen Black Metal folgt und wohl sämtliche Fans klassischeren Black Metals aussteigen lässt. So muss das sein. Und so ist "Merkur" auch eines der überzeugendsten deutsche Metalalben seit Jahren.


Ähnlich:
Enslaved, Ulver, Cynic, Opeth, Solstafir, Ved Buens Ende, Emperor, Old Man´s Child, Borknagar, Rotting Christ, Nocte Obducta, Negura Bunget, Thy Serpent, Bergthron, Diabolical Masquerade, Arcturus, Golden Dawn, Mephistopheles, Primordial, Taake

29.05.2010
T. Goris


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!