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jacobs dream - same


Erscheinungsjahr: 2000
Label: metal blade
Tracks: 12
Spielzeit: 47:47
Genre: metal
Subgenre: progressive metal
jacobsdream.jpg
Bewertung: 8/10

rating

Metal ist tot. Diesen Satz würde ich sofort ohne zu zögern unterschreiben. Gestorben ist er für mich anno 1997, als das neuerliche Poser-Metal-Revival begann. Und eigentlich hätte es mich nicht gestört, wenn er für ewig verbuddelt gewesen wäre...

Metal war/ist zu diesem Zeitpunkt nur noch eine Lebenseinstellung denn eine Musik die ich mir freiwillig anhören würde. Doch manchmal gibt es einfach Alben bei denen alles stimmt, scheißegal, was für ein Stil das Ding ist.

Früher, wo noch alles besser war, hatte ich bestimmte Kriterien, wie denn ein Album zu klingen habe: Guter Sänger, gute Produktion, technische Fähigkeiten, vor allem im Gitarrenbereich (Stichwort: Soli) und natürlich Songs, die mitreißen. "Jacobs Dream" hat alles. So komisch es klingt.

Eigentlich hatte ich gar nicht vor, das Album anzuchecken, doch auf irgendeinem Sampler hiesiger Zeitschriften, hatte sich ein Song ("Kinescope") verlaufen. Natürlich übersprang ich den Song aus Prinzip immer, da ich mir einen Lachkrampf ersparen wollte. Irgendwann hab ich den Song dann doch mal angehört. Nein. Danach passierte auch nix. Eigentlich lies mich der Song kalt. Eiskalt. Und dann irgendwann hat es *klick* gemacht. Und dann hab ich mir den Song öfter mal ganz gern angehört. Und eines Tages hat mir dann eine nette Person, mit der ich mich über Jacobs Dream unterhalten, die CD geschenkt, damit mal wieder so ´ne töfte Metal-Scheibe in meinem Player rotiert. Das Geschenk war nicht ganz ernst gemeint, und keiner von und zweien hätte je erwartet, dass mir die CD auch noch gefällt... (Gruß an dieser Stelle, you know who you are...) ...doch entgegen aller meiner Prinzipien hat mich das Ding so richtig umgehauen.

Der Grund ? "Jacobs Dream" ist ein METAL-Album. Aber nicht so eines, wie viele, sondern so eins, dass klingt, wie ein METAL klingen muss. Schon der erste Song "Kinescope" beweißt dies eindrucksvoll: Diese Orchesterpassage klingt genial und insgesamt gesehen völlig homogen. Der Song soll wohl ein Lehrbeispiel für Leute wie Rhapsody darstellen, die mit billigst Keyboards jede Lücke zukleistern, ihre Songs mächtig überladen und sich vorkommen wie supertolle Musiker. Das Problem dabei ist: Die Orchesterpassagen klingen wie auf dem Klo komponiert und auch wie auf selbigem aufgenommen. Pfui.
Jacobs Dream bauen so eine Passage mit Souveränität ein, so dass sie dem Hörer einfach nur die Gänsehaut den Rücken runter jagt und nicht unwillkürlich an Yamaha-Orgel erinnert.
Grandios. Und wenn man dann noch bedenkt, dass Jacobs Dream Newcomer sind und es sich bei "Jacobs Dream" um das Debüt-Album handelt...

Mit "Funambulism" wird die ganze Chose progressiver (schöööön). Mit diesem Song haben sich JD endgültig ihre eigene Nische gebastelt: Völlig Klischeefreier Power Metal, der gerne etwas progressiver ausfällt und eine Maiden-Melodie nach der anderen abfeuert. Damit dürften die Vorteile klar sein: Nein, in den Lyrics werdet ihr sicher mit allem konfrontiert, aber nicht mit Schwertern und Kriegern oder Drachen. Auch nicht mit Elfen und Trollen und Hofnarren, die holden Jungfrauen besingen. Nein. Jacobs Dream rennen auch nicht in Leder und Nieten umher, sondern in ganz normalen Klamotten. Das Cover überzeugt eher durch Tiefe anstatt durch nackte Amazonen, die gerade auf Leguan-Jagd sind und dabei auch Ausschau nach dem nächsten Krieger halten, der es ihnen mal wieder so richtig besorgt.

Jacobs Dream lassen die Musik sprechen und die klingt meistens wie eine Mischung aus Iron Maiden (50%), Queensryche (20%), Helstar (16,7%) und Psychotic Waltz (13,4%). Doch auch Experimente haben im Sound der Amis, die sich zwar als Christen ausgeben, aber in jedem zweiten Text die Kirche attackieren (wenn auch indirekt), z.b. "Mad House Of Cain", ein psychotisches Geklimper-Stück mit cooler Atmosphäre.

Anspieltipps ? Alle 12 Songs (Spielzeit: 47:47, auf 20-Minütige Kitsch-Epen hat man verzichtet), doch am meisten hat es mir das Instrumental "Black Watch" angetan. Was hier die beiden Klampfer John Berry & Gary Holtzman (übrigens gleichzeitig der Ex-Drummer...) abziehen, ohne in Griffbrettwichsorgien auszuarten ist genial. Sogar in Thrash-Gefilden verirrt man sich hier und da. Am Ende artet das ganze dann in eine MAIDEN-Melodie-Session aus, die Harris und Co. selbst nicht besser hinbekommen hätten. Gaaanz Groß.

Was bleibt ? Ein geniales Album, dass man immer gerne hört. Jacobs Dream haben das geschafft, was nur eine Metal-Band vor ihnen geschafft hat: Genial zu sein. Bei der anderen Band handelt es sich natürlich um Maiden...

So, und nun ein lautes Amen in Richtung Himmel. Schnell Maiden-Shirt übergestreift und dann so richtig fett in den alten Zeiten schwelgen... Hach. Schwer-Metallische Zeiten. Schade, dass ihr zu Ende seit...

10.03.2005
kervorkian


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!