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inchtabokatables, the - too loud


Erscheinungsjahr: 1998
Label: k&p music/bmg
Tracks: 13
Spielzeit: 53:14
Genre: alternative
Subgenre: alternative folkrock
inchtabokatables.jpg
Bewertung: 7.5/10

rating

Aus halbwegs aktuellem Anlass (nach dem letzten Album "Mitten im Krieg" und einer folgenden Tour hat sich die Band bis auf weiteres aufgelöst), widme ich mich mal der vorletzten regulären Studioscheibe der Preußen.

Der Zungenbrecher-Name der Inchtabokatables ist übrigens ein altes australisches Wort und heißt soviel wie "Geschichtenerzähler" und mit diesen Geschichten erfreut uns die Band aus den neuen Bundesländern nun schon seit 5 Alben und über 10 Jahre (zu diesem Anlass ist eine unsägliche BestOf CD erschienen).

Das Bemerkenswerte an der jetzt 5-köpfigen Truppe ist, dass sie keine Gitarren benutzen - Bassgitarre seit ihrem vorletzten Album "Quiet" mal außen vor. Ihre Songs spielen sie auf diversen Streichinstrumenten und Schlagzeug, was sich auch in dem albernen "No Guitars" Emblem auf der Rückseite eines jeden ihrer Alben wieder findet.

Wer jetzt bei der Erwähnung an Streichinstrumente an Klassik oder ähnliches denkt ist völlig schief gewickelt: Das Violoncello ist verzerrt und klingt härter als so manche Gitarre.
Auch ein Vergleich mit Apocalyptica (die ein ähnliches Ding viel später aufzogen) zieht nicht, da diese ausschließlich auf Streichinstrumenten spielen und so gut wie keine Vocals einsetzen.

Die Besetzung auf "too loud":
BBreuler ist der Kopf und Sänger, spielt auch Violine;
Moeh ist für Bass verantwortlich, seit neuem auch für Programmierung und Piano;
B.Deutung spielt das harte Violoncello;
Herr Jeh spielt die zweite Violine;
Dr. Tinitus Banani (vormals Kokolorus Mit Nichten) ist für das Schlagwerk zuständig, zusäzlich für die Samples.

Die Inchies vermischen seit jeher klassischen Folk mit Rock, wobei das eher auf den ersten drei Alben zum tragen kam, wovon ich aber nur das dritte namens "Ultra" empfehlen möchte. Die ersten beiden sind zu unausgegoren, aber nicht ohne Reiz.
Seit dem 95er Album "Quiet" kam vermehrt Industrial durch den Einsatz von Computern und Samples zum Einsatz; durch die düstere Grundstimmung sowie den stellenweise tiefen Gesang kam auch Gothic mit ins Spiel. Teilweise klang man sogar ein wenig nach Rammstein ("die Taube"), was aber zum Glück prozentual nicht viel ausmachte.
Auf diesem Album ist nun schon wieder eine Veränderung eingetreten. Insgesamt ist man im Hause der Thekenerzähler vielfältiger geworden, was durchaus gut tut.
Anfangen will ich mit den beiden deutschsprachigen Liedern (genau derselbe Anteil Deutsch wie auf "quiet") "Red Skies", trotz des angelsächsischen Titels auf Deutsch und "Wer?", eine Hasstirade auf die Spießer dieses Landes.
Ersteres ist sehr düster, mit monotonem Cello-Riff und düsterem Sprechgesang über die "Alleingangsmenschen" und die seelische Kälte in unserer Gesellschaft und Breuler setzt ein lyrisches Zeichen, indem er den Himmel zu anzündet, zu "red skies" erleuchten lässt.
Mit seinem pathetischen aber nicht zu pompösen Chorus weiß das Lied durchaus zu gefallen, kommt auch live sehr gut, obwohl es mit Sicherheit nicht zu den besten Stücken von den Inchies zählt.
"Wer?" enthält ein grandioses witziges Wortspiel, das ich aber hier nicht verraten werde. Witz wird bei den Inchies sowieso groß geschrieben, man braucht sich nur mal das Booklet etwas genauer durchlesen oder eines ihrer Konzerte besuchen.
"Wer?" ist ein punkiges Lied, mit flirrenden Violinen und schnellem Grundtenor, voll Wut über die "formulierenden dienstbaren Seelen", die sich mit "kärglichen Gebärden" an den Ich-Erzähler anschleimen.
Eines der besten Lieder der Platte, sehr schmissig und geht gut ab. Inklusive bemerkenswertem, weil überraschendem Breakbeat-Part in der Mitte.
Überhaupt wird auf dem ganzen Album viel Wert auf Überraschung gelegt, so warten mit "confined Love" und "You chained me up" gleich zwei Lieder auf, die mit epischer Breitseite einen pompösen Russenchor-Chorus auf die Zuhörer loslassen, was überraschender Weise sehr gut klingt und mitsingkompatibel ist. "Confined love" ist übrigens eine 400 Jahre alte Ode an die Polygamie - habt also Sex mit jedermann und jederfrau.

Auch "Selling our Souls" ist eine waschechte Überraschung, da die Inchtabokatables hier mit Drum´n´Bass Rhythmen experimentieren. Eins der besten Lieder der CD. Ebenfalls ziemlich Industriallastig, der Refrain auch hier ziemlich pathetisch, aber niemals hohl.
Das schnelle, punkige "Destination" zählt für mich dagegen mit "reprise" zu den Ausfällen auf der CD.
Der Titelsong geht wieder in Richtung Singlehit "you chained me up" und ist sehr gut gelungen.

Als Abschluss "Sleep Well". Eine waschechte Ballade (nomen est omen), nur mit Klavier und gezupfter Violine eingespielt. Textlich gibt es erwartungsgemäß Schlafliedähnliches, allerdings mit überraschendem Ende.

Alles in allem auf Dauer zwar nicht die beste Inchtabokatables (da die vier bis fünf Ausfälle doch schwer wiegen), aber eine interessante Weiterentwicklung und schon wegen der vielen Übersongs lohnendes Album. Noch immer unvergleichbar.

27.03.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!