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hed p.e. - broke


Erscheinungsjahr: 2000
Label: jive/zomba
Tracks: 12
Spielzeit: 49:26
Genre: metal
Subgenre: new metal
hedplanetearth.jpg
Bewertung: 6.5/10

rating

Das ist also eine der Bands, die sich im Ruhme von Limp Bizkit, Korn und Konsorten sonnen wollen?
Die Beweise stehen auf den ersten Blick für sich: 1997 erschien das erste, selbstbetitelte Album auf dem internationalen Markt - in genau jener Zeit, als der sogenannte New Metal in der ersten Aufschwungsphase war. Zudem macht das Album beim ersten Durchhören einen Eindruck, als sei versehentlich die neue Limp Bizkit im Player gelandet.
Forscht man aber weiter, so entdeckt man, dass die Band schon 1995 ihr erstes Werk vollendet hatte, das allerdings in Eigenregie vermarktet wurde, und deswegen so gut wie völlig unterging. Die Band existiert also seit 1994 und stand schon damals, als hierzulande noch kaum einer die einschlägigen Bands kannte, im dunstigen Kreis von Korn & Co.

Den Vorwurf des Plagiats kann man also schonmal ruhigen Gewissens in die Tonne kloppen (obwohl ich mich persönlich nicht ganz davon losreißen kann), zudem lässt man einen kleinen Funken Eigenständigkeit walten, distanziert man sich doch auf jeden Fall von Korn durch die viel weniger eingesetzten psychotischen Gitarren, von Limp Bizkit durch die andere, dunklere Stimme, die dadurch einen geringeren Nervfaktor entfaltet.

Im Endeffekt steht man dem matschigen Kuchen näher. Im gleichen Maße wird organischer HipHop (wenig Samples, kaum Keyboards, stattdessen Scratches, Drums und Bassgitarre) eingesetzt, um die ansonsten etwas faden Songs aufzupeppen.
Das klappt überwiegend gut, die nötige Abwechslung wird geboten, ist zwar nicht mehr ganz so im Vordergrund wie auf dem ersten Album (war der Plattenfirma wohl zu unverdaulich), trotzdem, Langeweile kommt dem geneigten Hörer erst nach zahlreichen Durchläufen auf.

Wie es sich für ein zünftiges New-Metal Album gehört, wurden reichlich illustre Gäste der Szene eingeladen, um auch Fans vergleichbarer Bands auf sich aufmerksam zu machen, das unvermeidliche Melken des Genres durch die Plattenfirmen wird durch den darauf hinweisenden Aufkleber auf dem Cover deutlich.
Zurück zu den Gästen: Vertreten ist Serj von den tollen System of a Down und Morgan von Kittie beim Song "feel good" und überraschenderweise ein Mitglied der dahingeschiedenen Dead Kennedys (East Bay Ray) auf "waiting to die".
Alle drei geben sich redlich Mühe, die Songs durch ihre Auftritte zu veredeln, so ganz aus dem Quark kommen diese aber auch mit ihrer Hilfe nicht, obwohl insbesondre das in der Strophe federnd groovige, im Chorus pathetisch-harte "feel good" zu den besseren Songs des Albums gehört.

Aber fangen wir mal vorne an, die Scheibe startet mit dem netten "Killing Time", bei dem die Anfangsgitarren ein wenig an Papa Roach erinnern. Der Songaufbau ist relativ Newmetaltypisch sehr diffus, beinahe chaotisch, aber ohne in allzu verwirrende Strukturen abzudriften. Immerhin muss es ja halbwegs vorhersehbar bleiben, damit der Song tanzbar ist. Also mal direkt mit dem Gitarrenintro grob die Gitarrenspuren fürs ganze Album festlegen und bloß nicht mehr als die drei Riffs verwenden. Was nicht schlecht sein muss: Die sind immerhin schön einprägsam.
Auch die übrigen Zutaten sind nicht von schlechten Eltern: Die Raps kommen professionell und mit dem nötigen Flow und die typischen Übergänge in den harten Refrain sind nicht holprig.

Nun muss man sagen, dass in erster Linie die perfekte Produktion ihr Scherflein dazu beiträgt, dass das Album nicht in der Masse verschwindet, aber auch das Songwriting trägt einen Teil dazu bei. Besonders "Bartender", die Videoauskopplung, ist ein Hit. Sicher ein Track, der auch auf jedem Limp Bizkit Album herausragend gewesen wäre, das melodische Intro ist erste Sahne, der Hip Hop-Part besser als alles, was Bizkit je als solches verkauft hat, nur der Mitsingchorus schwächelt ein wenig, ist aber immerhin ohrgängig.
Weiterhin hitverdächtig (neben dem erwähnten "Feel Good"): Crazy Legs, mit lustiger Notorius B.I.G.-Verwurstung.

Die meisten restlichen der 13 Tracks bewegen sich im normalen New Metal-Schema, herausstechend ist sicherlich das experimentelle (leider das einzige in dieser Hinsicht) "Pac Bell", das sich dem Industrialgenre annähert und ziemlich düster ausgefallen ist. Experiment gelungen.

Auch gut ist das relaxte "The meadow" zum Schluss, die latenten Reggae-Einflüsse und die Akustikgitarre tun dem Song und damit dem Gesamteindruck des Albums ganz gut.

Die Texte auf dem Album, laut Sänger Jahred sehr persönlich gehalten, unterscheiden sich für mich kaum von den gängigen Standards, die Bandbreite geht von Psychopathen über Selbstmord, Sex und Gewalt bishin zu Obskuritäten und allgemeinen Hasstiraden gegen die Schlechtigkeiten der Welt, vielleicht noch zwei Stufen über Limp Bizkit, aber trotz der weitgehenden Vermeidung von allzu platter Fäkaliensprache nicht besonders niveauvoll in Wortwahl und Thema.

Besonders wegen der Vielfalt und den saftigeren Raps bleibt (hed)P.E. auf jeden Fall die bessere Wahl als die ausgebluteten Limp Bizkit und viele New Metal Trittbrettfahrer. Besser aber in das erste Album investieren.


Ähnlich:
Limp Bizkit, Korn, Static-X, Godsmack, System of a Down, Incubus

27.03.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!