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harmful - wromantic


Erscheinungsjahr: 2001
Label: bmg
Tracks: 12
Spielzeit: 40:31
Genre: alternative
Subgenre: melodic noiserock
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Bewertung: 8/10

rating

Der Weg aus dem Noiserock ist lang, und so ist kaum verwunderlich, dass Harmful die Odyssee nicht ganz durchstanden und letztendlich auf halbem Wege zum melancholischen Alternativerock zwischen den Stühlen hängengeblieben sind.
Schon mit dem Vorgängeralbum, das auf BMG (deren neues Management die Band nach ihrem finanziellen Crash wieder kickte) erschien, suchte man neue Wege, denn der klassische Noisecore wurde für die Band mehr und mehr zur Sackgasse. Mit ihrem bis dato grössten Hit, "one-sided", vom Zweitling Apoplexy.136 hatte man auch einen geeigneten Punkt zum Anknüpfen.
Zwischen all den brachialen Soundwällen, den höllischen Feedbacks und dem rumpelnden, verschachtelten Rhythmus legte man einfach fantastische Melodien und ruhige, von kaum mehr als der entstöpselten Gitarre und Aren Emirzes sanften, fast hoffnungslosen Stimme getragene ruhige Passagen.
Auf dem besagten Majoralbum "counterbalance" baute man die melodischen Elemente dann weiter aus, ohne sich allerdings vom Krach zu verabschieden. Man musste eben bei den meisten Tracks nur zweimal hinhören, um sie zu entdecken. So entstanden mitreissende, stark emotionelle Kleinode von drei Minuten, zwischen Prong, ohne deren Industrieanklänge und Helmet, ohne der mathematischen Struktur ihrer Songs.

Und jetzt, am 1. Oktober erscheinend, liegt das neue Album vor. Nicht mehr bei einem Major, nicht mehr vom berühmten Dave Sardy produziert, und doch den Weg von counterbalance weiter einschlagend.
In den Troisdorfer bluBox-Studios unter der Regie von Guido Lucas (wie auch bei den ersten Werken), dem deutschen Noise-Hausproduzent, entstand das neue Werk. Betitelt "Wromantic", einem Kunstwort aus wrong und romantic, bei dem man schon die beiden gefühlsmässigen Pole ahnt, die die CD ausmachen.
Zwischen Verlogenheit und Romanzen sind die Texte der 12 Klanggebilde angesiedelt. Wie schon beim Vorgänger überschreiten die Songs kaum die 4-Minutengrenze und glänzen doch mit viel Substanz und fast schon episch dargelegten Gefühlswelten.
Die Produktion jetzt wärmer, wo Wärme benötigt wird; klarer, da wo Abstand gefordert ist. Lucas muss sich längst nicht mehr vor internationalen Grössen, wie Sardy (Helmet, Barkmarket) verstecken.

Im Artwork begibt man sich auf eine neue Ebene, es herrschen nicht mehr klaustrophobisch bedrückende, stilisierte Fotos vor, sondern nun eine recht schlichte Grafik von einem abhebenden Flugzeug. Trennungsschmerz, sowie der Aufbruch zu neuen Welten.
Und tatsächlich, auf diesem Harmful-Album findet man eine Novität: Songs, die beim ersten Mal ins Ohr gehen!

Und dazu braucht man gar nicht lange zu skippen, schon Song Nr. 3 "Plausible" bietet eine fantastische Melodie und würde wohl auch im Radio keine schlechte Figur machen. Auch "Ephemeral" zeigt trotz aller vorhandenen Härte, dass besonders Aren Emirze mittlerweile ein fantastischer Sänger ist, der zwar einerseits noch immer an Page Hamilton von Helmet erinnert, aber jetzt viel mehr Variabilität zeigt, abseits vom Wechsel zwischen bellen und singen.

Wobei die Frankfurter Band es noch immer schafft, die Trademarks vom klassischen Noisecore mit einzubringen: Nirgendwo habe ich songdienlichere Feedbacks und Verstärkerrauschen gehört, wie beim recht ruhigen "Give it all" (der erst nach mehrmaligem Hören zu einem der stärksten Songs auf dem Album wird) oder "peaceful life". Der Opener "Simple Touch" ist dagegen ein Kaliber, wie es auch "Aftermath" vom letzten Album war, der groovigste Track der CD, der das Zeug zum Livehammer hat.
Und sogar für die alten Fans, die sich wohl bei Tracks wie "Plausible" abwenden hat man was auf Lager, wenn diese sich auch in Geduld üben müssen.
Die Tracks 9 bis 11 sind Harmful-Kracher im alten Stil, besonders der letzte von den Dreien, "Instinct" ist ein wütender Kotzbrocken, der sich ebenso gut auf einem der ersten Alben gemacht hätte, die Gitarren so fett wie eh und je, der Rhythmus hektisch und Bauchschmerzen verursachend und die Stimme Emirzes ist kaum wiederzuerkennen, so wütend klingt er hier. Dass der melodische Part doch noch kommt ist fast schon verwunderlich, die Verschnaufpause dauert allerdings nur wenige Sekunden.
Auf "Daresay" überraschen dagegen fast schon exotisch klingende Gitarrenklänge, während "Bad Tempered" verdammt an das "aftertaste"-album von Helmet erinnert. Übrigens genauso, wie der zweite Song "Refuse to shine". Das wars aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten, ansonsten ist das hier das abwechslungsreichste, eigenständigste und songorientierteste (eigentlich die Maximen, die bei Noisealben vermieden werden) Harmful-Album seit Bestehen der Band.
Und wer ein so herzzerreissendes Solo bringt, wie gegen Ende von "Peaceful Life", der hat schon gewonnen.

Am Ende dann "Good Day to die". Ein Monster von einem Song, Wromantic in ihrer reinsten Essenz. Die Gitarrenverstärker laufen weiter, Harmfulsongs müssen eben ausbluten.


Ähnlich:
Helmet, Les Hommes qui wear espandrillos, Prong, Soundgarden, Ulme, Melvins

17.03.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!