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guapo - black oni


Erscheinungsjahr: 2005
Label: ipecac
Tracks: 5
Spielzeit: 44:32
Genre: alternative
Subgenre: zeuhl
black_oni.jpg
Bewertung: 8/10

rating

"Five Suns" war erst der Anfang. Wurde dort der fünfteilige, dreiviertelstündige Titeltrack noch von zwei etwas anders gelagerten Songs ergänzt, gibt es auf "Black Oni" den puren Stoff. 45 Minuten düster-dräuende Atmosphäre in fünf Akten, wahnwitzig, abgedreht, technisch anspruchsvoll, kaum mit noch bestehenden Bands vergleichbar. Kenner wissen schon, dass Guapo sich im Klangbild an Zeuhl orientieren, dem sagenumwobenen Genre, das einst durch die Kultband Magma geprägt wurde. Schwere Rhythmen, eigene (Formen-)Sprache, mystische Melodien, alles entfernt an den Jahre zuvor aufgekommenen Progrock erinnernd, aber doch eine ganz eigene Welt.

Guapo ist die Reinkarnation von Magma - aber wesentlich düsterer und packender, als diese es jemals waren. "Black Oni" ist, wie das Artwork schon andeutet, finsterster Wald mit beobachtenden Augen in jedem Stein, jedem Blatt und düsteren Gesellen und rätselhaften Lebewesen auf jedem Baum und hinter jeder Ecke. Musikalisch drückt sich das in lange vorbereiteten Attacken aus, die aus einer plötzlich verteufelt wirbelnden Percussion, einem schwarz grollenden Bass und einer mystisch verspielten, aber aggressiven Fender Rhodes bestehen. Nehmt frühen Prog Rock, stellt euch das Ganze mit nur drei Instrumenten (und über weite Strecken ohne Gitarren) vor und denkt, die Band würde Tod und Teufel vertonen - das dürfte in etwa Guapo nahe kommen. Begräbnismärsche münden in einer Sackgasse, in der plötzlich alles ganz still ist, die munter vor sich hin plärrende Fender Rhodes verstummt angesichts des fiesen Mellotron-Gezuckes und ein jazziger Bass weicht subsonischem Grummeln.

An "Black Oni" kann man ganz verschieden herangehen. Bei Licht betrachtet faszinieren die schillernden Klangfarben, besonders, wenn man bedenkt, dass nur ein Trio hinter den monumentalen Musikgebilden steht; im Dunklen überwiegt ein paranoides Gefühl, das einen nach einer Periode in Sicherheit immer wieder nervös über die Schulter schauen lässt. Am besten allerdings ist "Black Oni" im abendlichen Zwielicht. Nur dann kann man ganz eintauchen, in die Reise, die das Album bieten kann, wenn man sich denn darauf einlässt. Das etwas zu lang geratene Intro bereitet mit sich steigerndem Fiepen auf den Bewusstseinsverlust vor, ehe die komplette Wucht der versammelten Instrumente zupackt und dimensionenschleudernde Wirkung entfaltet. Das Konzept ist nicht neu, aber Guapo stellen den dramatischen Effekt hervorragend dar. Auch und besonders in Track 3, in dem minutenlang hypnotisches, angenehmes Klimpern ertönt, bis Trommelwirbel und schlingernde Orgelklänge, die später von langgezogenen Leadgitarren ergänzt werden, auf den Zuhörer einprügeln. Klingt nach einer Hetzjagd durch dichtes Gebüsch.

Musikalisch am gelungensten sind aber die Teile II und V, ersterer beeindruckt insbesondere durch die oben beschriebenen Begräbnismärsche, die wirklich mitreißend sind und rhythmisch fabelhaft auf die darüber thronende Fender Rhodes ausgerichtet sind - von leise trippig bis mächtig marschierend passen sie sich perfekt den Gegebenheiten an. Erstaunlicherweise wird die surreale Atmosphäre durch diese packenden Parts kaum zunichte gemacht. Die immer wieder eingestreuten ruhigeren Stücke lassen einen nicht verschnaufen, sondern nehmen einen durch die ungeheure Spannung nur noch mehr mit, bis diese durch ein Anschwellen der Lautstärke wieder aufgelöst wird. Auch faszinierend: Die zahlreichen kleinen Keyboardspielereien, die erst nach und nach entdeckt werden wollen.

Stück V ist dagegen noch packender, schneller und prügelt über weite Strecken erstaunlich wild auf den Hörer ein - ohne dabei wirklich an Metal zu erinnern. Eins der markerschütterndsten und, auch wegen der horrorartigen Orgel, düstersten Stücke von Guapo beendet diese je nach Hörsituation anstrengende, aber fast durchweg spannende Reise durch "Black Oni", das auf einer Stufe mit dem genialen "Five Suns" steht. Nur für die Freunde der jazzigeren Seite von Guapo gibt es diesmal etwas zu wenig.


Ähnlich:
Magma, Soft Machine, Colosseum, King Crimson, Pink Floyd, Genesis, The Flying Luttenbachers, Ruins, Gong, Soft Machine, Fantomas

21.06.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!