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gruenewald - gruenewald


Erscheinungsjahr: 2008
Label: eichenwald industries
Tracks: 3
Spielzeit: 45:05
Genre: alternative
Subgenre: ambient / minimal neofolk
gruenewald.jpg
Bewertung: 6/10

rating

Gruenewald ist ein Soloprojekt von Christian Kolf (Island, Woburn House, Slon), der das selbstbetitelte Debüt zusammen mit Florian Toyka (Schlagzeug) aufgenommen hat. Die drei überlangen Stücke (knapp 17, 10 und 19 Minuten lang) sind charakterisiert durch ihre sparsame Instrumentierung (Gitarren, Keyboard, Schlagzeug) wobei die Gitarren die Melodieführung übernehmen und die Keyboards zumeist düster wabernde Flächen absondern. Durch den langsamen, schichartigen Aufbau der Songs, die repetitiv eingesetzten Klangmuster, das zeitlupenartig gespielte Schlagzeug und den hallenden Gesang wird eine hypnotische und kontemplative Stimmung erzielt.Zusammen mit der stark naturverbundenen, an Naturmystik angelehnten Lyrik erinnert Gruenewald an düstere, minimalistische Vertreter des Neofolks, wobei dankenswerterweise vollständig auf klischeehafte Symbolik und allzu folkige und kitschige Klänge verzichtet wird. Verhält sich (vor allen Dingen musikalisch) sozusagen zum Neofolk wie Bohren und der Club of Gore zum Jazz. Hinzu kommen Einflüsse aus experimentellem Postrock, Krautrock und Progressive Rock, in punkto Rhythmik erinnert Gruenewald auch an Doom/Drone-Bands.

In "Wahnenhardt" wird die Konstellation der einsamen, hallenden Gitarrenlinien über dunkeln wallenden Keyboardflächen über drei Minuten durchgehalten, ehe Gesang und Rhythmus nach ihrem gleichzeitigen Einsetzen eine getragen hymnische Atmosphäre verbreiten. Danach bestimmen komplexere Gitarrenfiguren und das gleichwertig auftretende Schlagzeug den nunmehr apokalyptisch klingenderen Song, was in einer düsteren Rezitation der nächsten Zeilen gipfelt. Die zweite Hälfte führt dann im wesentlichen die vorangehende schwerfällige Hymne mit hallendem Gesang in Variationen weiter.
Das deutlich kürzere "Hustert" besitzt einen ähnlichen Aufbau wie der erste Teil von "Wahnenhardt", wobei die Keyboards durch ihren mellotronartigen Charakter an 70s Progrock erinnern und die Gitarrentupfer im Intro noch sparsamer eingesetzt werden. Im folgenden, erneut durch Schlagzeug und Gesang erweiterten Part sind die Gitarren deutlich melodischer eingesetzt, womit zusammen mit dem helleren Keyboard eine positivere, nur leicht wehmütige und melancholische Stimmung verbreitet wird. Auch die Rezitation ist hier nicht ganz so düster geraten und das abschließende, flächige Keyboardsolo mag als Ewigkeitsandeutung gesehen werden.

Die 70s Progressive Rock-Einflüsse werden im abschließenden, fast 20-minütigen "Zitterberg" noch verstärkt. Anklänge an düstere Stücke der Früh-70er Pink Floyd, King Crimson oder Genesis sind durch den erneut mellotronhaften Sound gegeben. Gleichzeitig entwickelt sich das Stück zum melodischsten und treibendsten auf dem Album, was der hypnotischen Kraft dank der Kraft der Gitarrenmelodien keinen Abbrucht tut. Das gut gesetzte und recht lange Keyboardinterlude verleiht dem Stück Spannung und in der Mitte und auf dem Höhepunkt der zweiten Hälfte des Stückes wird erneut ein Teil des Textes gesprochen vorgetragen, bevor es treibend und hypnotisch-melodisch dem Schluss entgegen geht.

Die Kraft von "Gruenewald" liegt in der Fokussierung auf wenige Elemente, die akribisch ausgearbeitet sind, intelligent aufeinander abgestimmt sind und logisch aufeinanderfolgen - der Aufbau der Stücke ist das beste an der CD, auch wenn die Elemente der Rezitation und des Keyboard-Gitarren-Intros etwas zu sehr beansprucht wird. So stark und atmosphärisch überzeugend die instrumentalen Parts sind, so schwächelt der eigenwillige Gesang, der versucht, sich mit viel Hall in die Reihen der Instrumente zu ordnen und so den hypnotischen Charakter zu verstärken. Das gelingt aber selbst nach einer nötigen Eingewöhnungsphase nur schwer, wozu auch die mitunter (ob absichtlich oder nicht) holprigen Metren der Lyrik beiträgt. Lediglich die Rezitationen in "Zitterberg" sind ansprechend. Nichtsdestotrotz ist Gruenewald ein extrem eigenständiges und atmosphärisches Werk mit hypnotischem Charakter gelungen, dass durchaus etwas mehr als eine Fußnote im deutschen experimentellen Ambient/Postrock/Neofolk wert ist.


Ähnlich:
Fire + Ice, Tenhi, Godspeed you black emperor, Mogwai, Albireon, Dead Can Dance, Bohren und der Club of Gore, Tangerine Dream, Pink Floyd, faust

25.12.2008
stativision


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  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!