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gluecifer - tender is the savage


Erscheinungsjahr: 2000
Label: white jazz
Tracks: 11
Spielzeit: 34:10
Genre: rock
Subgenre: schweinerock
gluecifer.jpg
Bewertung: 6/10

rating

Und noch eine Tour de Force durch die Musikstile vergangener Jahrzente.
Dass Rock ´n` Roll lebt, davon durfte man sich schon durch die Alben von Turbonegro, Hellacopters und seit neustem auch von The Hives überzeugen lassen.
Dass diese Kapellen nahezu alle aus Skandinavien stammen ist schon etwas mehr verwunderlich und hat schon viele Hypothesen aufstellen lassen: Liegt es am selbstgebrannten Schnaps, am langen dunklen Winter, der ohne Gute-Laune-Musik nicht überstanden werden kann, oder einfach daran, dass dort oben Musiker durch staatliche Gelder gefördert werden und so einfach mehr Leute zum Instrument greifen?

Die Antwort wissen wohl nur die Kings of Rock selber und für das Ergebnis ist diese eh ohne Belang. Das was rauskommt muss stimmen, und das ist bei 90% aller Veröffentlichungen aus dem hohen Norden der Fall.

Hier liegt mir die neueste Veröffentlichung aus dem Hause Gluecifer vor, die vierte volle CD, die natürlich von den ca. 20 Split-CDs, EPs, MiniCDs, Maxis und Singles bei weitem übertroffen wird; da es die meisten dieser mitunter raren Schätzchen nur auf Vinyl gibt, heißt es auch hier, LP-Freunde herzlich willkommen.

Die Band besteht seit Ende 1994, das erste musikalische Lebenszeichen erschien 1995. "God´s Chosen Dealer" war ein sattes Stück zwischen Punkrock und Rock der 50er bis 70er, hart und schnell dahingerotzt, voller Energie, leider mit einer beschissenen Produktion, die zu sehr nach Blech klang - was allerdings den Kultstatus des Songs noch verstärkte.

Bis heute waren die Mitglieder der Band nahezu dieselben,
das aktuelle Line-Up besteht aus Jon Average (Bass), Biff Malibu (Gesag), Cpt. Poon (Gitarre), Raldo Useless (Gitarre) und Danny Young (Schlagzeug).
Herausragend in Gestalt und Auftreten ist auf alle Fälle Sänger Biff, der mit seinem Schwabbelbauch und seiner dummen Visage gar nicht in das Rockstarklischee passen mag, was aber alles noch kultiger macht, gerade dadurch, dass er live abgeht, wie kaum ein Zweiter.

"Tender is the savage" ist also das neue Werk betitelt, ein leicht ironischer Seitenhieb auf Presley? Fakt ist, das Album ist alles, aber bestimmt nicht "tender", nein, hier wird in gewohnter Manier und in voller Breitseite gerockt, über 10 Songs und 35 Minuten - mehr braucht der Durchschnittsrocker eh nicht.

Was sofort positiv auffällt ist (seit der 98er CD "Soaring with the Eagles at night..." anscheinend Standard bei Gluecifer) die gelungene Aufmachung. Während bei den Konkurrenten weitgehend auf Texte und fettes Booklet verzichtet wird, wird hier geklotzt statt gekleckert, ein aufklappbares Posterbooklet, das umgerechnet 16 Seiten enthält, offenbart uns die Texte und auf der Rückseite das Poster, auf welchem stilecht auf der Herrentoilette und mit Schnapsleiche posiert wurde. Gelungen und cool.

Die Texte sind, wie üblich, nicht besonders anspruchvoll, was auch bei der Art von Musik nicht unbedingt sein muss, hier zählt in erster Linie die Coolness, was sich schon in Titeln wie "Drunk and Pompus" oder "Red Noses, Shit poses" abzeichnet.
Die Lyrics sind gewohnterweise in Rock´n`roll-Lifestyle gehalten, Saufen, Chicks, Autos, Prügeleien, eben total politisch unkorrekt.

Was aber Gluecifer von den anderen Kapellen letztendlich unterscheidet, ist der ziemlich rotzige Gesang von Biff Malibu, der den Songs einen eigenen Stempel aufdrückt. Ebenso gehören aber andere Einflüsse zu den Eigenarten von Gluecifer. Während bei den Hellacopters 70er Jahre Reminiszenzen auftauchen, bei den Hives 50er R´n`R und bei Turbonegro und den Backyard Babies viel Punk herhält, ist es hier vorwiegend 80er Jahre Hardrock, was sich besonders in einigen Tud Negent Anleihen ausdrückt. Nicht umsonst hat man auf "Ridin the tiger" einen Song vom amerikanischen Jäger und Redneck gecovert.

Aber zurück zum aktuellen Album:
Seit "Soaring..." hat sich nicht allzuviel getan im Hause Gluecifer, der gewohnte Sound wurde beibehalten, und weder verfeinert, noch wurde er dreckiger, was sich bestimmt so mancher gewünscht hat.
Auch die Songstrukturen blieben weitgehend gleich. Überwiegend kommen natürlich die klassischen Hardrock-Schemata zum Einsatz. Was auffällt ist, dass die Songs generell wieder kürzer gehalten werden, was mich ein wenig enttäuscht, geht es doch einher mit Einfallslosigkeit bei den Riffs und Melodielinien.
Herausragend wie eh und je sind die mehrstimmigen Gesänge und Backgroundvocals, wie schön in den Songs "Chewin Fingers" "Dog Day, Dog Night" und dem mit hervorragenden Gitarrenleads ausgestatteten abschliessenden "Exit at gate zero".

Der absolute Kracher auf der CD ist aber die Singleauskopplung und das Video "ducktail heat", der sich als eine der wenigen Tracks auf dem Album dem schnellem Tempo widmet und Livefeeling verbreitet. Ebenso genial und als Anspieltipps zu empfehlen, sind "Sputnik Monroe" und das durch die genialen Drums auffallende "I got a war". Die anderen Tracks bewegen sich im Mittelmaß und lassen oftmals den letzten Kick vermissen, den ich bei ihren beiden Vorgänger-CDs desöfteren spürte.

Besonders das sich ein wenig an Monster Magnet anbiedernde "Red Noses..." hat bei mir trotz des coolen Titels verspielt. Nur cool, nicht mehr. Gerade bei mehrmaligen Hördurchläufen geradezu langweilig.

Mit "Tender is the savage" verlieren Gluecifer gegenüber den Hellacopters ein wenig an Boden.
Für alle die frisch gespielten Schweinerock mögen, ist die Platte halbwegs empfehlenswert, allerdings eignet sich das angesprochene 98er Album "Soaring with the eagles at night..." als Einstieg in die Gluecifer-Welt besser, da hier bei mehr Spielzeit auch die besseren Songs vertreten waren.


Ähnlich:
Hellacopters, Ted Nugent, MC5, The Stooges, Turbonegro, Monster Magnet

19.03.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!