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ghostigital - in cod we trust


Erscheinungsjahr: 2006
Label: ipecac
Tracks: 11
Spielzeit: 47:30
Genre: beats/elektro
Subgenre: electronic/experimental hiphop
ghostigital.jpg
Bewertung: 7/10

rating

Mal wieder Isländer. Ghostigital sind Einar Örn, der früher bei den Sugarcubes werkelte und Produzent Curver. Nicht, dass sich daraus irgendetwas ableiten ließe. Dazu sind die anderen Referenzen des Albums, Label Ipecac und Gäste Sensational und Dälek (die ihrerseits Hip Hop Alben bei Ipecac veröffentlichten), besser geeignet. Ein wesentlicher Teil von "In Cod we trust" besteht aus diesem fiesen Ipecac Elektro/Hip Hop - die obligatorischen monströsen Beats, schrägen Töne und Noise jedenfalls sind auf Ghostigitals Erstling genug vorhanden. Einar Örn rappt über den geräuschvollen Teppichen allerdings nicht wirklich (dazu sind auf vier Songs die oben erwähnten Gäste da), sondern singplappert hysterisch wie eine Kreuzung aus der Muppet Show (oder den Puppetmastaz), einem hochgepitchten Rammellzee und der Anticon-Posse auf LSD. Die Texte sind absurde Lächerlichkeiten gepaart mit nicht ganz alltäglichen Alltagsbeobachtungen: nach einem zünftigen "Good Morning" wird über den stillen Ozean gelabert, man betrachtet Nordlichter mit Kopfschmerzen und beschwert sich, dass man jetzt in Rechtecken statt Kreisen läuft, was den Geist verwirrt und gegen Ende träumt der Protagonist - ausgeschlossen aus der eigenen Wohnung und in Boxer Shorts auf der Straße stehend - von Schlaf...). Passend zur schrägen Musikmischung.

Strukturen sind zu Anfang schwerlich zu erkennen. Obwohl man ahnt, dass hier richtige Songs versammelt sind, entziehen sie sich durch ständig wechselnde Geräuschkulisse und die ungeordneten Sprechsingattacken den üblichen Hörgewohnheiten. Und das, obwohl die Takte für einen durchgehend roten Faden sorgen. Die Beats sind zwar mal knochentrocken pochend ("not clean"), mal breakbeatartig stolpernd ("the heart"), mal dick aufgetragen (wie im Dälek-Track "black sand"), mal industriell nach Maschinen klingend ("good morning", "crackers") und mal technoid-treibend pulsierend (genial: "northern lights"). Aber teilweise hätte man sich etwas spannendere Rhythmusarbeit gewünscht, denn zu oft zieht sie sich zu monoton durch den Song. Aber das ist das Arbeitsgerüst Ghostigitals, daran wird die Vielzahl an musikalischen Ideen aufgehängt. Sie setzen ja schließlich nicht nur die Sample/Noisearmada und das Stimmengewirr (es gibt schließlich auch noch Gastsängerinnen zu hören) ein, sondern in den Reigen steigen auch noch DJs, Gitarristen, ein Saxophonist, ein Pianist und Einars 11-jähriger Son Kaktus, der Trompete spielt. Alle versuchen sich gegenseitig im Krach machen zu überbieten und zuzuhören macht die meiste Zeit entweder einen Heidenspaß, oder man ist kurz davor, Kopfschmerzen zu bekommen - insbesondere wenn Einar selbst zu lange ins Mikro hysterelt. So sind die Songs mit Gastrappern am Mikro die lohnendsten; aber auch jene Tracks, wo treibende Elektronik eine Allianz mit fast jazzigen Bläsern eingeht ("the heart", "strange as it might seem") können faszinieren. Und natürlich das gänzlich entfesselte, wütende "sense of reason", eine Hommage an biestigen Industrial-Elektroclash.

Eine ruhige Minute zum Erholen findet sich kaum auf "In cod we trust". Selbst die etwas langsameren "green lounge" und "dream of sleep" - für ghostigital-verhältnisse loungemusik - sind noch so hibbelig, dass man bei unvermitteltem Lautstärkeausschlag die Red Bull Dose fallen lässt.

Für Krachelektrohiphopliebhaber mit Schwäche für kranken Sprechsingsang.


Ähnlich:
Dälek, Kid 606, End, Sensational, Rammellzee, Atari Teenage Riot, Sugarcubes, clouddead, themselves, (anticon...)

19.04.2006
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!