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gardenian - soulburner


Erscheinungsjahr: 1999
Label: nuclear blast
Tracks: 11
Spielzeit: 47:25
Genre: metal
Subgenre: melodic death metal
gardenian.jpg
Bewertung: 5.5/10

rating

Soulburner. Seelenverbrenner. So der verheißungsvolle (?) Titel der zweiten CD der relativ frischen (1997 gegründet) Band Gardenian.
Erschienen 1999 beim deutschen "Untergrund"-Riesen Nuclear Blast stürmen die vier schwedischen Mannen Nicklas Engelin (guitars), Jim Kjell (vocals & guitars), Hakan Skoger (bass) und Thim Blom (drums) in eine Nische, die schon mit durchweg hochkarätigen Bands besetzt ist: Den in letzter Zeit nach einer Hochphase wieder abklingenden Schwedentod.
Jene Musik, die gekennzeichnet ist durch ein Höchstmaß an Brutalität und Geschwindigkeit, aber auch durch fantastische Melodien, die desöfteren an Klassiker wie Iron Maiden erinnern.
Die Frage ist, ob es einer neuen Band überhaupt möglich ist, an die Götter der Melodic Death-Szene heranzukommen (ich nenne nur mal In Flames und Dark Tranquility), um die Fans zufriedenzustellen.

Am Cover und am Layout der Scheibe kann es nicht liegen, dass Gardenian am Ende nicht als hoffnungsvolle Newcomer dastehen. Das Artwork ist zwar etwas zu gewöhnlich, aber durchaus ansprechend und professionell gestaltet, zumal alle Texte enthalten sind, die stellenweise sogar Konzept haben und überwiegend durchdacht sind.
Da geht es um die Erlangung und den Umgang von Macht durch den Menschen und die Veränderung, die diese bewirken kann.
Aus dem Konzept gerissen klingen zwar manche der Texte wie verkappte Manowar Texte ("As a true king"), doch insgesamt merkt man, dass die Band sich Gedanken gemacht hat, auch wenn das Englisch nicht immer den guten Ton trifft...

Professionell kann man auch zu der Produktion sagen, kommt diese doch durchweg fett, klar und präzise aus den Boxen geknallt, eben so, wie man es von einer derartigen Band erwartet. Doch musikalisch kommen mir schon beim Opener Bedenken, klingt diese doch stellenweise (vor allen Dingen direkt am Anfang) sehr bemüht, möglichst alle Fans zufriedenzustellen. Eine Passage, in der alle bedient werden, die Melodien lieben, dort eine für die Frickelfraktion und zu allem Überfluss auch noch eine für alle, die auf gestandene deathmetallische Härte abfahren.
Als dann auch noch dieses unsägliche Wiehersolo erscheint und die Reibeisenstimme, die in etwas klarereren Sprechgesang "can´t you see i´m rising higher" (ja, das ist aus dem erwähnten Manowar-Ripoff) darbietet, kann man nicht anders, als in Gelächter auszubrechen. Peinlich, peinlich, liebe Gardenian. Oder gar gewollt? Nach einer kurzen Gewöhnungsphase kann ich aber dann doch so gerade die Finger von der Skiptaste lassen.

Der zweite Song namens "Power Tool" bietet schon den ersten Special Guest, die mir nicht weiter bekannte Sabrina Khilstand singt hier die Backing Vocals. Gar nicht mal schlecht, bringt das doch die erhoffte Abwechslung die hier nicht daneben geht. Auch ist die Melodie nicht weit davon entfernt, erstklassig zu sein. Die notwendige Härte wird hier nur soweit geboten, dass sie nicht den Song zerstört und hinzu kommt ein ungemein druckvoller Rhythmus. Ein Beispiel, wie es sein sollte, da auch der brüllende Gesang gut passt - vor allem im Wechselspiel mit der recht poppig singenden Sabrina.

In "deserted" wird dann meine Vision vom Nebeneinander mit In Flames vollends zerstört, als erste bei mir besonders verpönte Power Metal Gesänge (Eier ab und so...) in höchsten Gefilden wildern. Da fragt man sich ernsthaft, welche Zielgruppe jetzt eigentlich angesprochen werden soll.
Ich für meinen Teil höre Melodic Death gerade deswegen, weil mir diese Gesänge bei anderen Bands auf den Sack gehen, aber die Melodien trotzdem ansprechend sind. Und wer wiederum auf jene True Metalbands steht, der wird bestimmt nicht zu dieser Scheibe greifen. Immerhin muss man der Band zu Gute halten, dass sie es gerade noch schaffen die Kurve zu kriegen, indem sie es nicht zu sehr übertreiben. Trotzdem bleibt nach diesem Lied, das abseits der Gesangseinbindung gute Mittelklasse ist, ein schaler Nachgeschmack.

Zu meinem Leidwesen wird der hohe Gesang auch in den weiteren Liedern aus der Mottenkiste geholt und nervt meine Ohren, dabei sind die Arrangements stellenweise gar nicht mal schlecht und wissen auch das ein- oder andere Mal aus dem Mittelfeld aufzusteigen, insbesondere dann wenn die Akustikgitarre ausgepackt wird und einen Song einleitet, wie bei "if tomorrows gone" der sogar stellenweise an die göttlichen Dark Tranquility erinnert. Hier stört der höhere Gesang ausnahmsweise mal nicht ganz so sehr.

"Small electric Space" gefällt mit seinem Klavierintro und dem netten Text (der von Eskapismus handelt), sowie dem guten Songaufbau, bei der die Laut/Leise Dynamik gut herübergebracht wird. Wer hier natürlich wieder nervt, brauche ich wohl kaum anzukündigen, zumal man den unsäglichen Jaulgesang diesmal fast das ganze Lied ertragen muss. Eric Hawk, so der Name des Gastsängers versteht es wirklich, an sich nette Songs herabzuziehen.

Mit Track 7, "Chaos in Flesh", wird der Härtegrad dann wieder etwas angezogen, wie auch schon der Titel vermuten lässt. Ich bin fast dazu geneigt, der Band zu sagen, wird man doch hier mal nicht mit eierkneifendem Gesang malträtiert, da Jim Kjell das Gesangsruder wieder in die Hand nimmt.
Leider aber ein ausgesprochen mittelmäßiges Stück, das schon tausendmal besser an anderer Stelle zu hören war. Weiß weder durch einfallsreiche Breaks, noch durch eine gute Melodie zu überzeugen.

Und so gehts weiter auf dem hoffnungslosen Fall von einem Album. "Ecstasy of life" ist (mal wieder) nach einem kurzen, sanften Intro druckvoll wie In Flames, wird durch Hinzunahme des Gastsängers nach unten gezogen und landet im Endeffekt wieder in der Tonne.

Eine kleine Überraschung dann mit "Loss", eigentlich wohl als Interlude gedacht, aber für mich ein wahrhaft düsteres Kleinod auf diesem Album. Hier wird eine Brücke von Industrial zu Gothic geschlagen. Kalt, bitter und unglaublich beklemmend wird hier das beste Stück des Albums als ein Kontrapunkt zu den übrigen 10 Stücken dargeboten.

Das lange "Black Days" zum Schluss bietet dann alle Facetten des Albums in komprimierter Fassung, ob gut oder schlecht. Wenn es also einen Anspieltip geben sollte, dann diesen hier. Wer "Black Days" gut findet, kann sich getrost das Album zulegen.

Als Fazit bleibt mir zu sagen, dass alle Freunde des Elchtodes, die den hohen Gesang nicht verabscheuen hier reinhören können, ein gutes Werk ist unterm Strich allerdings nicht herausgesprungen.
Zwei gute Songs, zwei schlechte, der Rest ist Mittelmaß. Gardenian landen im Durchschnittssumpf.


Ähnlich:
In Flames, Dark Tranquility, At the Gates, Iron Maiden, Manowar, Sentenced

19.03.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!