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fun lovin criminals - loco


Erscheinungsjahr: 2001
Label: difontaine/chrysalis
Tracks: 14
Spielzeit: 58:38
Genre: crossover
Subgenre: funk-hiphop-soul-rock
funlovincriminals.jpg
Bewertung: 5.5/10

rating

Die Fun Lovin Criminals sind mir immer als eine gute Combo im Kopf gewesen, deren Alben zwischen Chill Out und härteren, beschwingten Crossoversounds pendelten. Das alles versehen mit einer augenzwinkernden Gangsterattitüde (->Name) und reichlich Dunst von Pure Blunts drumherum.

Unvergessen das Debüt "come find yourself". Mit Tarantinos Hilfe entstanden wahre Klassiker wie "Scooby Snacks" und "The Fun Lovin Criminal" und genau wie die Filme Tarantinos klangen auch die besten Momente der FLCs: Überzeichnete, comichafte Storys in Roadmovieform, nicht selten mit Gewalt und Chicks behaftet. Aber nie ohne Humor, was sie sympathisch machte. Zumal die Mischung aus Mariachi-Zitaten, verzerrten Akustikchords und organischem Bass und Schlagzeug vermengt mit Scratches und Beats verdammt gut reinlief und so manchen Sommerhit bot.

Das folgende "100% Colombian" war songwriterisch ausgereifter, aber auch ein wenig enttäuschend, waren doch die ursprünglichen Trademarks nur noch sporadisch vorhanden und durch Soul und R´n`B ersetzt. Sollte wohl mehr eine Frauenplatte werden - die es dann auch wurde, mit den smoothen Vocals und dem Schmoove an jeder Ecke lockte man das andere Geschlecht hinterm Ofen hervor, was die Platte wenigstens sexy machte. Alles in allem also gelungen.
Danach eine übertrieben lässige EP mit dem Titel "Mimosa" die durchaus so beliebig war, dass man sie als Hintergrundmusik für einen Softporno laufen lassen konnte. Eigentlich nur erträglich, oder - besser - nur dann richtig gut, wenn man mit seiner Besten und einer Pina Colada bei 40° in der Hängematte lag.

Und jetzt "Loco". Beginnt? Brutal, ein Hardcorebrett als Opener, das man in der Form definitiv nicht erwartet hätte. Da geht nur Pogo drauf. Nicht gut, aber wenigstens groovt es bei all dem Muff. "Where the bums go"? Bestimmt eher in Richtung Nummer zwei, dem Titeltrack, der auch schon vorher als Singleauskopplung dienen durfte. So lasse ich mir die FLCs gefallen: Lässig, groovig, schmissig, ein echter Hit, zum hüftewackeln und mehr. Smart und unterkühlt, so muss Florida Spaß machen. Cabrio auf und Loco rein. Inklusive weibliche Backgroundvocals, die ebenso beim Folgesong "The Biz" herhalten müssen und für cool-erotisch-laszive Stimmung sorgen. Bis dahin alles im grünen Bereich, die Raps fließen genau richtig, die Beats sitzen und der Bass pumpt.
Aber danach kommt erstmal nix vernünftiges mehr. Auf der Welle wird wie bisher weiter geschwommen, aber je länger die CD läuft, desto langweiliger. "Run Daddy Run" ist einfach nur langatmig und ohne Spirit, da helfen auch die coolen Samples nicht weiter; "Half a Block" hat wenigstens Schmusekapital, was ok ist, weil hier auch erstmalig richtig schön gesungen wird. Aber gut ist auch das nicht, da helfen auch die angenehm witzigen und (selbst-)ironischen Texte nicht viel.
Der erste Lichtblick kommt mit "Swashbucklin in Brooklyn", das leicht funky und wieder in höherem Tempo daherkommt. Leider aber vorerst der letzte Anspieltipp.
"Bump" ist einfach nur überflüssig beliebig, "Microphone Fiend" schafft es nicht so cool zu sein, wie es will, bietet aber schöne Tröten, die man bei dem leicht an Jamiroquai erinnernden "My Sin" leider nicht findet. Hier hat man dafür den Gesang verfremdet, was gar nicht cool rüberkommt. Ebensowenig wie die angestaubten Streichersamples.

Die folgenden Tracks haben weniger synthetischen, als vielmehr handgemachten Charakter, und tatsächlich erinnert der ein oder andere Part an 70er Heroen wie Dire Straits oder, bei "She´s my friend" sogar an Pink Floyd. Eine mögliche Zukunft für die spaßliebenden Kriminellen also im Retrorock? Schlecht klingt's nicht, aber ausbauwürdig allemal. Und der politisch korrekte Titel von "she's my friend" wird in "Dickholder" eh relativiert. Der ist quasi als mehr oder weniger klassischer Countrysong die Pointe des Albums und der Gipfel der Ironia. Witzig und damit mit dem harten Beginn und der lässigen Schmoovigkeit das einzige Überbleibsel aus alten Zeiten. Halt! Moment: Gekifft wird immer noch. Das geben die Jungs wohl nie auf.

Kurz vor Schluss dann noch das melancholische, leicht trancige "There was a time", dem die traurigen Vocalsamples gut zu Gesicht stehen. Eine nette Überaschung - mehr davon.
Und als Abschluss der handgemachte, auch leicht countryfarbene "Little Song", der ein halbwegs gelungenes Ende darstellt.

Das wiederum rettet die CD ein wenig, lässt aber auch zusammen mit den gelungenen Songs zu Beginn nicht den beliebigen und langweiligen Mittelteil vergessen. Da dieser 50% des Albums ausmacht, ist das komplette Ding nicht mehr als Mittelmaß.


Ähnlich:
Bran Van 3000, Everlast, G. Love & the Special Sauce, Cake, Jamiroquai, Stereo MCs, The Brand New Heavies, Soul II Soul, Cake, Beastie Boys

27.03.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!