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from dusk till dawn - slow down


Erscheinungsjahr: 2005
Label: daravan records
Tracks: 12
Spielzeit: 44:29
Genre: alternative
Subgenre: emopunkrock
FDTD_CDcover.jpg
Bewertung: 5/10

rating

MP3s können doch eine trügerische Sache sein. Man findet sie im Netz, auf Band-Homepages, auf Labelseiten und auch sonstwo. Manchmal springen sie einen förmlich an. Sie erleichtern uns das Leben oft beträchtlich: Zum Antesten der Musik insbesondere. Trifft die Band meinen Geschmack? Wenigstens mit diesem Lied? Nur eines ist schwierig. Sich über die Soundqualität einen Eindruck zu verschaffen. Ob es nun an der Komprimierung liegt oder an den schlechten PC-Lautsprechern, nicht immer klingen sie wie dasselbe Stück auf CD.

(Leider) ein Spezialfall sind From Dusk Till Dawn (kurz FDTD). Die herunter zu ladenden Stücke auf fromdusktilldawn-band.de klingen miserabel (die Musik macht dagegen einen guten Eindruck). Als dann die CD, veröffentlicht bei Daravan Records, bei mir eintrudelte und wenig später in der Anlage rotierte, fiel mir erstmal die Kinnlade runter. Ich bin sicher alles andere als ein Produktionsfetischist, aber was FDTD hier soundtechnisch auf CD brennen, grenzt schon an Unverschämtheit - irritierenderweise klingt die nämlich, entgegen aller Erwartung, genau so schlimm wie die MP3s. Insbesondere die Drums klingen wie elektronisch verstärkte und digital aufgepeppte Kuhscheiße. Platsch. Auch der Bass scheint samt Verstärker eher im Billigstmarkt erstanden zu sein. Der Rest, namentlich Gitarre und Gesang, geht in Ordnung, obwohl letzterer teilweise beträchtliche Lautstärkeschwankungen aufweist. Live-Feeling wohl...

Nun ist Punk naturgemäß eine Musikrichtung, die mit sound- und spieltechnischem Dilettantismus kokettiert. Das Problem bei FDTD ist, dass sie erstens keinen Punk spielen und zweitens keinen räudigen Sound aufweisen, sondern einfach nur einen matschigen. Spieltechnisch ist "slow down" auch eher im unteren Bereich anzusiedeln. Neben hoffentlich unabsichtlichen Timing-Fehlern glänzt die Rhythmusfraktion (auch wenn der Basser ganz akzeptable Tonfolgen raushaut) nicht gerade durch begeisternden Groove. Wollen sie vielleicht auch gar nicht.

Dabei hätte alles so schön werden können. Zwar glänzen die 12 Songs nicht gerade durch Originalität und Einfallsreichtum, was angesichts der Genremischung zwischen gemäßigtem Emopunk und melancholischem Alternative Rock nicht weiter verwundert, aber das Liedgut besitzt das nötige Herzblut, Spielfreude und - am wichtigsten - durchaus gute Melodien. Fängt das Album noch mit trivialem Sommerpunk kalifornischer Prägung inklusive einem kurzen "schiefer A cappella-Gesang über Bassarbeit"-Part und unpassendem Ausblenden an, geht es danach tiefer. Und ab und an gar unter die Haut. "Cut off", arbeitet man sich erstmal durch den Wust an schlechtem Sound und mäßiger Interpretations-kunst, überzeugt durch spannungs-erzeugenden Aufbau, sich wunderbar ergänzende Gitarren- und Gesangsmelodien und inbrünstig vorgetragenem Text über üblichem Emorock. Gitarren und Gesang könnte ruhig öfter zweistimmig sein, sind es doch diese Passagen, die wirklich zu Herzen gehen.
Im ähnlich gelagerten "Everything I try" stößt der Gesang auch mal charmant an seine Grenzen, was im folgenden öfter passiert, aber bei Songs wie "realize" eher enervierend, als emotionsgeladen wirkt.

So sind FDTD immer dann am besten, wenn sie sich mit emotionsgeladenem Gesang und lieblich-melancholischen Gitarrenmelodien in eine Wall of Sound (wenn man das denn hier so nennen mag) lehnen. Passiert besonders überzeugend bei den Tracks 2 bis 5. Das auch als MP3 vorhandene "I'm the sucker" langweilt hingegen nach den ersten positiven Hördurchgängen schnell - den Spaßpunk bekommen andere besser hin. Und auch sonst scheinen FDTD das Pulver bis zur zweiten Hälfte verschossen zu haben. Bis auf "Hate" und das Ende von "In Believe" (überraschend passendes Gitarrensolo) suhlt sich kein Song mehr so konsequent in emotionalen jugendlichen Untiefen, lediglich das aber zu lang geratene, sehr ruhige "Not alone" kann noch einmal ansatzweise berühren.

So bleibt zu sagen: In Sachen Instrumenten-/Stimmen-beherrschung und Produktion bleibt für From Dusk Till Dawn noch viel zu tun. Vielleicht hätte es auch einfach nur mehr Zeit und Geld getan - jedenfalls wäre "Slow Down" mit einer ordentlichen Präsentation viel mehr wert gewesen.
Um es in der aufgedröselten Stereoplaybewertung auszudrücken: Interpretation 4, Repertoire 7, Klang 2. Wenigstens stimmt mit 6 Euro für die CD das Preis/Leistungsverhältnis. Und die Band dankt "allen, die so kühn waren, unsere CD zu kaufen". Selbstironie ist der erste Weg zur Besserung.

Was sagt Gigsforyou.de zur Produktion der CD?
"(...)leider ab und an hat der Mischmixmann an ein paar Knöpfen zu kurz oder zu lang gedreht, manchmal übersteuert der Bass. Aber was hat das mit der Qualität der Jungs zu tun ? Richtig: nichts !"
Richtig. Aber ziemlich viel mit der Qualität der CD.

fromdusktilldawn-band.de

daravan-records


Ähnlich:
Hüsker Dü, Jimmy Eat World, Nova Mob, Blink 182

17.07.2005
stativision (Tobias Goris)


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  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!