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fischessen - suicide is much too blonde


Erscheinungsjahr: 2007
Label: blu-noise
Tracks: 11
Spielzeit: 61:12
Genre: alternative
Subgenre: post/noise rock
fischessen_sui.jpg
Bewertung: 7.5/10

rating

Eine der ersten Veröffentlichungen von Les Hommes qui wear espandrillos heißt "bloodfish". Dreizehn Jahre nach diesem nahezu vergessenen Klassiker des deutschen Noiserocks gibt es ein Projekt der LHQWE-Musiker namens Fischessen. Mit rotem Anglerhandschuh. Sie essen ihre eigene Vergangenheit.

Die Kritik zu LHQWEs vorletztem regulären Album "MotoFuzz" beginnt mit den Worten "die deutschen Helmet rollen wieder". Bei Fischessen wären derartige Referenzen nicht so ganz korrekt.
LHQWE waren eckig, zackig, kantig. Fischessen sind eher rund. Sie eiern vielleicht ein bisschen und ab und zu rumpelt es auch bei Fischessen gewaltig, aber Freunde von Noiserock mit überlebensgroßen Gitarrenwänden und massig Feedbacks werden hier nicht mehr so oft fündig. Zwar sind neben dem eigentlichen Initiator Jörg Schneider auch seine Kollegen von LHQWE, Markus Kreutzer und Yvonne Nussbaum mit von der Partie. Aber durch den veränderten Ansatz des Songschreibens (Schlagzeuger Schneider stellt das Grundgerüst, während der Rest darüber mehr oder weniger improvisiert wird) kommt ein anderes Klangbild zu Tage. Besonders und auch durch die Hinzunahme von Keyboards (oft Mellotron-like, wodurch "Suicide..." immer wieder ein wenig an 70er Progrock erinnert) und Laptop (beides bedient von Peter Körfer) wird eine maximalere Entfaltung der Dynamik gewährleistet.
Und: Fischessen kommt nahezu ohne Gesang aus. Bis auf das Gejaule in "Wolfskull" und den ruhigen Singsang in "The villians" gehen Fischessen ausschließlich instrumental vor. Was dem soundtrackartigen Charakter, der die Grenzen von Noiserock und Postrock verwischen lässt, noch unterstützt.
Insofern trifft es die Eigenbeschreibung "LHQWE meets Ennio Morricone" ganz gut. Auch wenn man nirgendwo wirklich an Morricone denkt: Fischessen machen Filmmusik ohne Film. Moderne, expressionistische Kompositionen mit den Mitteln des Rock, atmosphärische Soundscapes für Leute, die ebendiesen Begriff verabscheuen.

Was sich durch sämtliche Arbeiten der LHQWE-Musiker zieht und auch hier ins Ohr sticht ist die Finnesse der rhythmischen Arrangements. Leichte Verschiebungen, Rhythmuswechsel und dicht mit der Melodie verwobene Taktfolgen sind auch bei Fischessen herausragend. Die originellen elektronischen Beats und Geräusche sind dabei vor allem im treibenden "Weekend warriors", "Meat Hash" und dem überlangen "The villians" eine fast betörende Bereicherung.
Am schönsten aber sind die ruhigen, dahinfließenden Stücke wie "Simplicity" und "Blonde in Blonde is gold", die im Laufe ihrer sieben Minuten natürlich auch noisiger werden, aber vorher so schön sind, dass es fast schmerzt. Und der Ausbruch, zumindest bei "Blonde..." einer Erlösung gleichkommt.

Für die Noiserocker gibt es neben "Wolfskull" (das ein wenig zu lang geraten ist und eigentlich den einzigen durchschnittlicheren Song auf "suicide" darstellt) "Will haven", "PJ Universe" und "Gelee royale". Gerade letzteres sollte jedem LHQWE-Fan die Freudentränen in die Augen treiben. Acht Minuten treibender Rhythmus, feinste Feedbacks, ein grummelnder Magengruben massierender Bass und kreischende Gitarren, verfeinert mit fiesen Elektrosounds. Hier ist Fischessen eckig. Aber auf Geometrie kommt es hier sowieso nicht an. Fischessen sollte mit Kopfhörer und draußen genossen werden. Es wirkt.

Offizielle Seite von Fischessen
Fischessen auf myspace


Ähnlich:
Les hommes qui wear espandrillos, Tortoise, Pink Floyd, Bridge And Tunnel, Fred Is Dead, Urlaub In Polen, Neu!, Can, Faust, Sonic Youth, Gastr Del Sol, Slint, Mogwai, Bohren & Der Club Of Gore, Seidenmatt, Kam:as, Starstream, Village Of Savoonga, Couch, Bardo Pond, Contriva, Karoshi, Hangedup, Archive, Tool, Sonic Youth, Village Of Savoonga, Chrome, Torchous

04.03.2007
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!