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diabolical masquerade - deaths design


Erscheinungsjahr: 2001
Label: avantgarde
Tracks: 61
Spielzeit: 43:26
Genre: metal
Subgenre: avantgarde black metal
diabolicalmasquerade.jpg
Bewertung: 7.5/10

rating

Da haben uns die Schweden um Mastermind Blakkheim (hauptberuflich bei Katatonia) aber einen schwer verdaulichen Brocken zum Fraß vorgelegt.
Ursprünglich sollte die CD als Soundtrack zu einem Film erscheinen, dieser Horrofilm mit interessanter Story (nachzulesen auf http://www.katatonia.com/masquerade/index.html) wurde aber aufgrund konkurrierender Projekte nie veröffentlicht und so stand auch in Frage, ob der Soundtrack je veröffentlicht wird.
Ich habe ja am Wahrheitsgehalt dieser konfusen Story gezweifelt, aber dank Avantgardemusic, die den Soundtrack als reguläres neues Diabolical Masquerade veröffentlicht haben, halte ich nun das Ergebnis in den Händen und muss sagen, etwas anderes als diese Geschichte würde wenig Sinn machen, denn der fragmentarische Aufbau der "Songs" würde teilweise wirklich nur zu einem Film passen.

Die 61 (!) Tracks sind in sogenannte Movements unterteilt, derer es 20 gibt, die Songs selber sind meistens unter der Minutengrenze angesiedelt, teilweise gibt es auch nur sekundenlange Intermezzi. Wobei die Musik immer noch eindeutig als Diabolical Masquerade erkennbar ist: Die Basis bildet gut produzierter, bombastischer Black Metal, darüber hinaus werden zahlreiche Effekte und Filmmusik-Themen eingebaut, wodurch sich eine interessante Melange herauskristallisiert, die zwischen Aggression, Pathos, Melodie und Horror hin und her pendelt.
Als Gastmusiker hat man ein fünfköpfiges Streichorchester ins Studio geladen, das die Sache durchweg überzeugend darbringt. Die Klassikparts reihen sich gut in die harten Passagen ein, bringen aber auch in den Soloteilen überzeugende Klangfarben an den Hörer.
Für die Atmosphäre sind aber zu gleichen Teilen auch das Keyboard und die finsteren Samples verantwortlich, wofür sich Dan Swanö verantwortlich zeigt, der mal wieder erstklassige Arbeit, sowohl bei der Produktion als auch an den Instrumenten abliefert.

Blakkheim selbst bedient fast den ganzen Rest der Instrumente, bis auf die von Sean Bates eingespielten Drums. Sein Gesang spuckt wie immer Gift und Galle und, viel erstaunlicher, der Mann kann sogar richtig singen. Nachzuhören zum Beispiel auf dem tollen "Spinning back the clocks" einem der wenigen Tracks, den man mit seinen fast 2 Minuten sogar schon als richtiges Lied bezeichnen könnte.
Zwischendrin hängt ein Movement auch mal so passend zusammen, dass man Grund zur Freude hat, wie beim 8Th Movement mit seiner exotischen Percussion.

Das Album ist natürlich extrem abwechslungsreich, es wird fast alles geboten, was je im düsteren Musikbereich angesagt war. Nahezu sekündlich wechselt das Thema und wird nur selten wiederholt. Mr. Bungle spielen pathetischen Black Metal.
Zur Folge hat das Ganze, dass das Material extrem uneinprägsam ist. Immer wenn man beginnt, eine Melodie nachzuvollziehen, wechselt die Musik wieder in einen extremeren Part, in ein anderes Stück, oder in düstere Klassikpassagen.
Es gibt nichts, an das der Hörer sich klammern könnte. Was beim Film nicht unbedingt nötig ist, kann der Tod für jedes Album bedeuten. Und auch hier haben ohne visuelle Effekte nicht alle Stücke das Zeug, für sich genommen zu existieren. Das merkt man besonders bei 15 bis 20 der kürzeren Tracks, wo es insgesamt zum Glück nicht besonders ins Gewicht fällt. Wo ähnlich fragmentarisch arbeitende Bands ihre Songs zu Ende denken, wechseln Diabolical Masquerade lieber zum nächsten Thema. So bleiben viele Tracks, die lieber Teil eines Songs wären.

Aber es gibt viel schönes, überraschendes und kurioses auf dem Album zu entdecken und der Langzeitspaß ist garantiert - vorausgesetzt man steht nicht auf Allerwelts-Ohrwurm Black Metal.

Am besten genießt man die CD in dunklen Räumen über Kopfhörer, da so die Filmatmosphäre gut wirken kann.

Relevant ist die Scheibe alleine deshalb, weil die ein Novum darstellt, nie zuvor gab es im Black Metal Bereich ähnliches. Da geht der Innovationsbonus an Diabolical Masquerade. Wer richtige Songs braucht sei auf den Backkatalog der Schweden verwiesen, insbesondere das letzte Album "nightwork" hat das Zeug zum Klassiker.


Ähnlich:
Bathory, Limbonic Art, Katatonia, Dimmu Borgir, Cradle of Filth, Borknagar, Mystic Circle, Mr. Bungle, Frank Zappa, Horrorfilm-Soundtracks

27.03.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!