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dez mona - pursued sinners


Erscheinungsjahr: 2005
Label: majestic
Tracks: 9
Spielzeit: 53:15
Genre: alternative
Subgenre: dark post blues gospel
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Bewertung: 9/10

rating

Dez Mona wurden 2003 gegründet, um der expressionistischen Stimme Gregory Frateurs über dem Kontrabassfundament von Nicolas Rombouts Raum zu verleihen. Sie zelebrierten Gospels als moderne spirituelle Erfahrung zwischen Hoffnung und Verzweiflung, wobei sie ihre Versionen ästhetisch von den Originalen und ihrer Zeit abkoppelten und damit neuen Interpretationen zugänglich machten. Eines jedoch war immer gegeben: Die Musik von Dez Mona (damals noch In God We Trust) konnte gleichermaßen gefühlt wie gedacht werden.

Wie gut, dass sich Dez Mona Ende 2004 dafür entschieden, ihre Musik auch auf Tonträger zugänglich zu machen: Das im Dezember 2004 in der Antwerpener Protestantenkirche live und ohne Overdubs innerhalb einer Woche aufgenommene Werk ist ein Meisterstück ergreifender Musik. Altes und Modernes trifft hier aufeinander, verschmilzt zu einer einzigartigen Melange und berührt den Zuhörer in jedem Fall. Nicht selten wird dieser verschreckt reagieren, ablehnend wegen den transportierten Stimmungen zwischen Lust, Verderben, Tod, Sünde und Bitterkeit. Menschliches Versagen wurde selten so direkt nahe gebracht wie hier. Dazu nehmen Dez Mona die Strukturen von ursprünglichen Musikrichtungen (auch moderneren Ursprünglichkeiten) wie Gospel, Jazz, Blues und Rock'n'Roll. Vertont nur durch Kontrabass, gelegentlich unterstützt durch Akkordeon und Trompete von klassich ausgebildeten Spielern (Roel van Camp von DAAU und Sam Vloemans).
Diese sattsam bekannten Strukturen werden aber nicht einfach so übernommen, sondern durch auch mal aus der Reihe tanzenden Basslinien und insbesondere durch die eindringliche Stimme Frateurs unterwandert und mitunter durchbrochen. Überhaupt diese Stimme: Nicht nur extrem variabel, sondern auch ausdrucksstark, belebt und belebend, jedes Leiden wird mit hörbarer Wolllust ausgespien. Bizarrerweise erinnert diese Stimme an eine Frau, die wie ein Mann klingen kann: Großes Vorbild Frateurs ist offensichtlich Diamanda Galas. Naturgemäß umfasst sie nicht die vier Oktaven der Avantgarde-Chanteuse, aber diesen Rückstand holt das Aushängeschild Dez Monas durch seine ungeheure Freude und Lust an der Darbietung wieder auf.

Im Auftakt "This Lonely Morning" wird die stilistische Nähe zur Galas vielleicht am Deutlichsten. Zu düster mäandernden, mächtigen, echoenden Basslinien schraubt sich Frateur wortlos in ungeahnte Höhen, mit einem fast arabischen Unterton und ohnmächtigem Lallen. Der Bass vibriert, Frateur klagt über endlose, einsame Morgende, schreit, kreischt, der Zuhörer schwitzt über diesem Todeskampf. Wenige Worte, viel Aussage.

Die folgenden "The Man" und "Loordy Loordy Loordy" sind da weitaus konventioneller, vielleicht auch weil hier Akkordeon oder Trompete melodieführend sind. Aber auch Frateur klingt hier versöhnlicher - wenn auch längst nicht schmeichelnd oder gar glatt. Die Verzweiflung untermalt noch immer jeden Ton, aber es scheint, hier wäre ein Arrangement getroffen worden, zwischen dem Weltschmerz und seiner Stimme. Es kommt etwas wie Cabaret-Stimmung auf. Verrucht und verraucht, dunkelrot auf einem Barhocker. 20er Jahre, Sünde auf Samt. Und beide - insbesondere "Loordy" - besitzen nicht nur Swing, sondern können gar rocken. Wenn man sich denn drauf einlässt.

"Danse Macabre" ist der einzig französischsprachige Song auf "Pursued Sinners". Was vielleicht daran liegt, dass Dave Schweitzer, der Verfasser des Textes keine weitere passende Lyrik für Dez Mona übrig hatte. Übrigens auch so eine Eigenart Dez Monas: Die Kooperationen mit Freunden aus Kunst, Theater und Musik sind unstet und nicht selten spontan, ergeben sich aus gemeinsamen Projekten, die gar nichts mit Dez Mona zu tun haben. Mauro (dEUS, Evil Superstars) hat mal mit der Band gejammt und auch sonst sind Kollaborationen mit Bekannteren Antwerpener Persönlichkeiten nicht so selten. Demnächst wollen Dez Mona ihre Songs zusätzlich mit Schlagzeug instrumentieren - da passiert noch einiges.
Auch "City called heaven" (erinnert mit gestreichtem Bass und exaltiertere Stimme wieder an Diamanda Galas) und das tieftraurige, aber wunderschöne "Who knows where the time goes" ist lyrisch nicht auf Dez Monas Gedanken gewachsen - was aber der Verbundenheit Frateurs mit den Worten keinen Abbruch tut.

Durch die Ballade "Blue Girl" und die beiden groovigen noir-Bluesstücke "I got to know" und "Brother YesHead" (letzteres durch die kongeniale gedämpfte, jazzige Trompete Vloemans unterstützt) wird das Album noch vielseitiger und noch funkelnder. "Pursued Sinners" hat Stil. Und Klasse. Was man zuletzt am Einsatz des Hidden Tracks spürt: Nach dem etwas einlullenden "Who knows where the time goes" erwartet man nicht unbedingt nach zehn Minuten Stille einen Alptraum wie "Sweet Iniquity".

"As I taste the drug of being
possessed by greed
Beloved by the ones who
don't know
And worshiped by the liars.
I can speak for thousands
and kill
A million with words
they fear."

Der brummend gestrichene Kontrabass schwillt an, Frateur erhebt die Stimme - das Ende kommt plötzlich. "Sweet iniquity - their blindness has created me". Teuflisch. Auch das ist Dez Mona. Fantastisch.


Ähnlich:
Diamanda Galas, Meredith Monk, Nick Cave, Tom Waits, James Chance, Willie Dixon, Screamin Jay Hawkins, Dresden Dolls, DAAU

13.09.2005
stativision (Tobias Goris)


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  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!