. .

dead soul tribe - a murder of crows


Erscheinungsjahr: 2003
Label: inside out
Tracks: 12
Spielzeit: 61:15
Genre: metal
Subgenre: progressive metal
deadsoultribe.jpg
Bewertung: 9/10

rating

Es regnete.

Du schlenderst durch die Gassen. Dunkel, versetzt mit einem Geruch von Moder. Dein Gesicht - gezeichnet von Verzweiflung - weicht langsam auf. Der Regen prasselt unaufhörlich auf dich herab. Die Dämmerung ist weit fortgeschritten, durch die massive, tiefgraue Wolkendecke wirkt die Erde hermetisch abgeriegelt. Obwohl es weder blitzt noch donnert, ist es schwül. Du schwitzt ein wenig unter deiner Gummihaut. Der Schweiß vermengt sich mit den Regentropfen, die dir genüsslich über die Stirn laufen.

Die Krähen.

Sie transportieren die Seelen der Verstorbenen ins Jenseits, sagt man. Doch was passiert mit den Seelen, die nicht abgeliefert werden können, weil die Krähe ihrerseits den Tod gefunden hat?

Die erste lag auf dem Boden. Das Blut hatte der Regen schon fortgewaschen. Ihre Eingeweide ergossen sich über den Asphalt. Die Zweite klemmte noch zwischen den Stromleitungen. Sie sah aus, wie wenn man sie gekreuzigt hätte - die Flügel ausgebreitet. Wie wenn sie gleich wegfliegen wollte. Doch dazu wird es nicht kommen. Ihr Fell glänzte im Regen.

Du gehst am Friedhof vorbei. Sie haben sich in den Bäumen verkrochen. Wie wenn sie auf die Seelen warten würden. Nicht drängeln, alle kommen dran, jeder nur eine Seele. So richtig lächeln kannst du trotzdem nicht. Dafür sitzt der Schmerz zu tief.


So klingt "A Murder Of Crows", das zweite Album von Dead Soul Tribe. Das Wort "Atmosphäre" wird hier verdammt groß geschrieben. Die Scheibe wirkt trotz seiner Einzelsongs (die auch als solche blendend funktionieren) wie aus einem Guss, ein großer Song von Anfang bis Ende. Eingebettet in ein rudimentäres Textkonzept, das dem Ganzen den letzten Schliff gibt.

Im Vergleich zum ersten, selbstbetitelten Album hat Mastermind Devon Graves (ex-Psychotic Waltz, damals noch Buddy Lackey) in jeglicher Hinsicht Fortschritte gemacht. Die Produktion klingt besser, die Einflüsse sind geschickter kaschiert, das Songwriting ausgereifter - und auch als Instrumentalist hat Mr. Graves ein paar Pfund zugelegt. Seine Stimme war schon immer perfekt, doch spätestens jetzt muss man ihn auch als grandiosen Musiker auf der Rechnung haben. Außer den Drumparts hat Devon alles selbst eingespielt, geschrieben und produziert.

Dead Soul Tribe sind musikalisch nicht leicht einzuordnen. Atmosphärisch, schön, melancholisch - und metallisch. Denn trotz diesen Eigenschaften, ist "A Murder Of Crows" ein relativ hartes Album, härter sogar als das Debüt. Man höre nur mal die Riffs von "Angels In Vertigo", dem wohl stärksten Song auf dem Album. Ein wenig Tool, was die Rhythmik angeht, die schleichende Melancholie der Deftones - und viel Psychotic Waltz zu "Bleeding"-Zeiten. Was angesichts der Tatsache, dass Devon schon bei seiner damaligen Band viele Songs schrieb (gerade auf "Bleeding"), auch kein Wunder ist. Die Parallelen zu Tool resultieren allerdings auch aus dem Gesang - Devon und Maynard hatten schon immer ähnliche Stimmen. Was sich Devon ebenfalls aus alten Zeiten bewahrt hat, sind die an Jethro Tull-angelehnten Querflöten-Parts ("Black Smoke And Mirrors" - phänomenal), die das Album unglaublich aufwerten.

"In A Garden Made Of Stone" und "Some Things You Can´t Return" sind die Highlights, was Intensität und Tiefe angeht. Vor allem Devons Stimme bohrt sich gnadenlos in jedes willige Gehirn, so dass Ganzkörpergänsehaut angesagt ist. Breitwand. Doch auch der lyrische Schlüsselsong des Albums "Crows On A Wire" ist ein an Dichte kaum zu überbietendes Stück. Das einleitende Bassthema und die anschließend ultra-drückenden Gitarrenwände sprechen für Devons Genie - was für ein Arrangement!

Ein wenig vermisse ich ein ähnliches Stück wie "The Haunted", den wohl besten Song, den Devon je geschrieben hat. Ein fragiles Meisterwerk, einfühlsam wie eine Rasierklinge. Ein kurzer, schmerzloser Schnitt - und dann das Blut. Doch gerade, dass Devon es nicht nötig hat, ein ähnliches Stück wie jenes zu schreiben, spricht nicht nur für seine Individualität, sondern auch für seine Kreativität. Schließlich vermisse ich ein ähnliches Stück nicht, weil es fehlen würde, sondern nur, weil ich besessen von dem Stück bin. Aber das kann Devon ja nicht wissen.

Für schnelles Reinhören empfehle ich das von tollen Piano-Parts getragene "Regret" und den Opener "Feed, Part I: Stone By Stone". Diese Songs werden euch ganz schnell in die Platte einsaugen und ihr werdet sie mit nach Hause nehmen. Und lieb haben. Vielleicht bin an euer Lebensende.

"A Murder Of Crows" ist ein Meisterwerk geworden. Anders als das Debüt, aber genauso gut. Wenn nicht noch besser. Moderner, melancholischer und atmosphärischer Metal der Spitzenklasse. Zuweilen progressiv, aber immer nachvollziehbar.

Wunderbar.

08.03.2005
hlmr


:: Comments ::


Comment
Name:

Comment:

Security question, please solve:

G3K          8       
U G    O    E6    CIX
FFY   6B5    Q       
  K    9     8    9BY
UFY         7WJ      



Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!