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dälek - absence


Erscheinungsjahr: 2005
Label: ipecac
Tracks: 10
Spielzeit: 57:11
Genre: hiphop
Subgenre: avant hiphop
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Bewertung: 8/10

rating

Ob das Intermezzo mit Faust (auf dem letztjährigen "Derbe Respect, Alder!") Spuren bei Dälek hinterlassen haben, ist anhand von "absence" schwer zu sagen. Auf alle Fälle ist hier mindestens genausoviel Geräusch wie Beat und Song an sich zu hören - es klingt aber oft mehr nach Fabrikhalle oder Einstürzenden Neubauten, als nach Krautrock. Die Wirkung ist jedoch dieselbe: Eine Art hypnotischen Dekonstruktivismus pflegen Dälek mit "Absence" noch viel mehr als auf allen vorhergehenden Veröffentlichungen. Die mit rollendem Flow vorgetragenen Raps sind dabei dieselben geblieben und wie immer stehen nicht auf den ersten Blick erschließbare Zeilen mit gesellschaftskritischen, oft zynischen (aber intelligenten) Parolen - oft und gerne auch gegen den momentanen Hip Hop-Ausverkauf - nebeneinander.

Neben den Raps von MC Dälek, die sich tief, breit und stellenweise sogar erstaunlich akzentuiert ins Hirn brennen, überrollen einen die schweren, perfekt platzierten Beats (im Vordergrund) und omnipräsentes, düster grollendes Rauschen (im Hintergrund) droht einen ständig in Trance zu versetzen.
Das komplette Album bildet dabei eine dröhnende Einheit mit nur wenig Ruhe zwischendurch, die aber jederzeit willkommen ist und außergewöhnlich gut in die schroffen Klanglandschaften hereinpasst (der ambientene, kurze Titeltrack). Bei aller Einheit und dem dicken roten Faden, der "absence" durchzieht, steht aber jedem Song eine eigene Identität zu. Der Opener "Distorted Prose" stellt abwechselnd Maschinengedröhne vor und hinter die Beats und beide machen Platz für Däleks wütende, messerscharfe Raps; "Asylum" glänzt mit einer jazzy Basslinie, "Culture for dollars" stellt kreischende (fast unkenntlich gemachte) Gitarren neben meditative Ruhe, während "Köner" ein mystisches Ambientinstrumental ist. "Eyes to form shadows" und "ever somber" wiederum sind die krachendsten Stücke der CD, die am ehesten den Postrockstatus von Dälek repräsentieren - "Opiate the masses" greift das Düsterrockthema erneut auf, schließt aber dazwischen noch mehr die Brücke zum kantigen Hip Hop vom Beginn.

Die Variationen zwischen den Stücken sind nur leicht, und Dälek haben gut daran getan, nicht mehr oberflächliche Abwechslung in diesen Brocken hereinzupacken. Nur so erzeugt dieses Konglomerat aus Industrial, Post Rock und Hip Hop den unvergleichlichen hineinziehenden Sog, in dem dein Gehirn gepackt und kräftig durchgeschleudert wird. Dälek die Waschmaschine; Dälek, der Wäschemangler: Ein für realistische Probleme etwas empfänglicherer Stephen King hätte seine helle Freude daran.


Ähnlich:
Tricky, Einstürzende Neubauten, Sensational, Talib Kweli, El-P, My bloody valentine

03.05.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!