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cracow klezmer quartet, the - sanatorium under the sign of the hourglass


Erscheinungsjahr: 2005
Label: tzadik
Tracks: 10
Spielzeit: 65:36
Genre: world
Subgenre: klezmer
cracowklezmer.jpg
Bewertung: 7/10

rating

Vielleicht sind die Masada-Stücke schon genug durchgekaut worden. Seit John Zorn Anfang der Neunziger mit Joey Baron, Greg Cohen und Dave Douglas um die 200 Stücke schrieb und einen Großteil in den zehn Jahren danach auch interpretierte und aufnahm, sind über zwanzig Alben von immer verschiedenen Besetzungen gespielt und umarrangiert worden. Immer blieb dabei der jüdische Klezmer- und Jazz-Charakter (Coleman und Davis) der Stücke erhalten, mal freier, mal ruhiger, mal wilder, mal anhörbarer, mal rhythmischer, mal melodischer. Von sämtlichen Seiten beleuchtet. Vieles davon ist sicher überflüssig, vieles davon wie für die Ewigkeit geschaffen, wie die Aufnahmen auf "Bar Kokhba", "Masada 1" und "Hei: Masada 5".
Das Cracow Klezmer Quartet widmet sich 10 verschiedenen Masada-Kompositionen, von denen etwa die Hälfte noch nicht von anderen Künstlern bearbeitet veröffentlicht wurden. Die Band widmet die Zusammenstellung dem polnisch-jüdischen Schriftsteller Bruno Schulz, der noch nicht einmal 10 Jahre Zeit hatte, sein Werk unter ärmlichen Verhältnissen zu erstellen, bis er im zweiten Weltkrieg von der Gestapo erschossen wurde. Sein Werk war geprägt von surrealistischen Kindheitserzählungen, sprachlicher Experimentierfreude und Vielfalt, sowie einem eigentümlichen Humor, aber auch Melancholie - Schulz suchte zeitlebens die Einsamkeit.

Musikalisch passen die Masada-Stücke gut auf Schulz literarische Arbeiten. Auch hier steht Experimentierfreude neben klassischen Ansätzen und Trauer neben Freude. Das Cracow Klezmer Quartet ersetzt das Saxophon Zorns und die Trompete Douglas' durch Violine und Akkordeon, was der Musik einen weniger jazzigen, als vielmehr klassischen Klezmercharakter verleiht. Schrille Töne durchdringen hier nicht das Ohr, sie schmeicheln ihm mehr. Vieles auf "Sanatorium..." ist gedämpft, aber die Vielfalt der Stücke, die Tempowechsel und Feinheiten werden vom Quartet genau richtig interpretiert. Das einzige Manko liegt in den Kompositionen Zorns: Viele der hier interpretierten gehören nicht zu den besten Masada-Songs. "Yesod" bietet schon viel zu oft gehörte Muster und Melodien, wobei wenigstens der treibende Kontrabass mitreißen kann. Auch "Pagiel" und "Adithaim", ersteres mit langen Violinensoli, letzteres mit mannigfaltigen Klezmer-Klangfarben, können nicht durchgehend beeindrucken, weil zu viele klassiche Muster nicht immer einfallsreich aneinander gereiht werden.
Eine Entdeckung ist dagegen der dramatische Opener "Meshakh", der mit zahlreichen einfallsreichen Wechseln beeindruckt und gefühlvolle Melodien besonders über die Violine passend ausdrückt. Auch das schon von "Unknown Masada" bekannte, lange "Demai" ist mit seinem bedächtigen Aufbau und nachvollziehbaren, aber berührenden Melodien ein Höhepunkt der CD. Ebenso zu letzterem muss man den Einsatz der Gastsängerin Grazyna Auguscik zählen, die besonders dem mit fast 11 Minuten etwas zu langen, melancholisch schönem "Tirzah" eine authentische Seele verleiht und zu Tränen rühren vermag. Nicht ganz so schön, aber immer noch eine Bereicherung zum Quartet-Klang ist ihr Einsatz zum belebten Abschluss "Meholalot", das auch von diversen anderen Masada-CDs bekannt ist und hier gleichzeitig Volksfest-Stimmung und Dramatik verbreitet.

Insbesondere durch die Auswahl der Kompositionen nicht vollständig überzeugend, aber durch die passenden Arrangements und die vielfältige Interpretation des Quartets in der Gesamtheit und dem Bezug zu dem Werk von Bruno Schulz sicher eine der besseren Masada-Veröffentlichungen der letzten Zeit.


Ähnlich:
Masada, diverse Klezmer-Quartetts

03.11.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!