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cephalic carnage - halls of amenti


Erscheinungsjahr: 2002
Label: lumbe
Tracks: 1
Spielzeit: 19:00
Genre: metal
Subgenre: doomcore
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Bewertung: 9/10

rating

Nach einer langen Reise angekommen im Reich der Toten. Eingebrochen durch den heißen Wüstensand. Tief gefallen in ein Becken, so heilig wie das Licht an den dunklen Orten dieses Planetens. Auferstanden im Geifer des Gefechts. Während sich das Licht an seinem Schrein bricht. In den Katakomben des Nephren-Ka gibt es kein Erbarmen. Keine Rettung, nur den Schlund der Verdammnis.
Eine Schlange windet sich durch einen Ozean aus Sand, der kein Anfang und kein Ende zu haben scheint. Es ist heiß. Trocken. Der Wind scheint launisch zu sein. Skelette, die beim geringsten Atemhauch zu Staub zerfallen würden, liegen verstreut in den Hallen des Osiris, Herrscher über Amenti, der westliche Teil der Unterwelt. Längst vergessene Zivilisationen haben längst vergessen, dass das, was sich hier abspielte, nicht nur Mythos ist.
Die Dunkelheit bricht herein. Es wird kalt. Zu kalt. Frostig. Gänsehaut breitet sich am ganzen Körper aus. Gefühlswallungen, die man Cephalic Carnage nie und nimmer zugetraut hätte. Schließlich sind Cephalic Carnage eine der besten und kränksten Grindcore-Bands dieses Planetens. Verwunderlich, dass sich ausgerechnet diese Amis dazu entschlossen haben, eine Mini-CD aufzunehmen, die sowohl atmosphärisch, konzeptionell als auch musikalisch besser zu Nile als zu sonst einer Band passen würde.

Fraglich bleibt allerdings, ob Nile jemals den Mut gehabt hätten, einen 19-Minütigen, alles plattwälzenden Doomer aufnehmen. Ohne großartige Tempiwechsel. Ohne faszinierende technische Finessen. Ohne alles und doch mit allem, was man braucht, um dem Hörer einen fast 20 Minuten lang anhaltenden Emotionssturm zu verschaffen.
Warum ausgerechnet Cephalic Carnage? Würde der Name nicht auf der CD stehen, würde man die Band niemals in Verbindung mit "Halls Of Amenti" bringen. Die Band steht für Grindcore - fies, krank, technisch, nervenzerfetzend, noisig, unverdaulich. Mit Songs, die einem Alpträume bescheren. Alben, wie "Exploiting Dysfunction" oder "Conforming To Abnormality" vergisst man nicht so schnell. Wenn überhaupt. Dass das aktuelle Album der Band, "Lucid Interval", nicht ganz so bemerkenswert ausgefallen ist, liegt nur daran, dass die ersten beiden Alben übermächtig sind. Vor allem "Exploiting Dysfunction" ist ein Meilenstein, was extreme Musik angeht. Und leider völlig unterbewertet.

Normalerweise klingen Cephalic Carnage wie eine Rundreise durch einen Planet, der von bösartigen Missgeburten, völlig entstellten Menschen und Fehlmutationen beherrscht wird. Der totale, abschreckende Wahnsinn einer entarteten Welt, in der es keine Regeln und Gesetze gibt. Die reinste Freakshow im schillernden Abgrund der Zurechnungsfähigkeit. Ein Alptraum ohne Monster. Cephalic Carnage halten sich lieber an die Realität, eingenebelt von einer leichten Wolke Cannabis-Dunst.
Doch "Halls Of Amenti" zeigt eine ganz neue Facette im Sound der Band. Doom pur. Schneckentempo. Eine Walze. Disharmonisch, kühl, sandig und beängstigend gut. Wie frisch aus dem Zwischenreich. Vor allem Dave Otero kann, nachdem er das letzte Album produktionstechnisch etwas vermurkst hat, zeigen, dass es er doch mit einem Keith Falgout aufnehmen kann. Weiterhin erstaunlich: Sogar cleane Vocals finden sich irgendwo in dem langen Edelbräu. Sollten diese von dem etatmäßigen Shouter Lenzig stammen, dann Hut ab. Muss der Gute unbedingt auf dem nächsten Album irgendwie einbringen. Auch wichtig: Die EP ist auf Willowtip Records erschienen und nicht beim eigentlich CC-Label Relapse Records. Hoffentlich haben Willowtip in Zukunft auf weitere Experimente dieser Art Bock.

Und so verliert man sich im Sand. Im Schatten längst vergessener Pharaonen. Im Nebel der geistigen Grenzen. In den Hallen der Unterwelt. Im Klanginferno der Boshaftigkeit. Nur die Zeit heilt alle Wunden, während heilige Gewässer weiterhin das Buch der Toten unter Verschluss halten...

Ra!

13.03.2005
hlmr


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!