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calaveras - water high


Erscheinungsjahr: 2010
Label: sweet home records
Tracks: 10
Spielzeit: 44:44
Genre: alternative
Subgenre: alternative country /americana
calaveras_waterhigh.jpg
Bewertung: 7/10

rating

Chemnitz liegt natürlich noch immer nicht in der mexikanischen Wüste. Calaveras musizieren trotzdem auch auf ihrem zweiten Album, als wäre das so. Was dabei faszinierend ist: Sie klingen authentisch und gar nicht nach einem lauen, deutschen Aufguss. Mit vielen akustischen Passagen, tiefem, nachdenklichen Gesang und Cello und Trompete als melodieführende Instrumente erzeugt das Septett eine melancholische Atmosphäre, die landschaftliche Weiten aus blauem Himmel und trockenem Boden vor dem geistigen Auge aufleben lassen. In vielen Teilen ist "water high" eine konsequente Weiterentwicklung des Sounds, der auf dem selbstbetitelten Debüt zu hören war. Die Band agiert abwechslungsreicher, so stehen hier langsame Balladen neben schnelleren Nummern, zwischendurch dann mal ein atmosphärisches Instrumental. Gepfeift wird dabei nicht mehr ganz so oft, was das Stilmittel nicht so schnell abflachen lässt, während dem Gesang von Sebastian Mansch, der sich besonders hinsichtlich seiner Gesangslinien verbessert hat, mehr Platz eingeräumt wird. Nur bei den rasanteren Songs wie "ride on" und "the ripper", die sich ein wenig an die countrieskeren Nummern Nick Caves anlehnen, hätte er mehr stimmliche Emotion in seinen Vortrag packen müssen - so steht Mansch wie ein neutraler Beobachter neben den Songs und sieht zu, wie sie vorbeirauschen, statt selbst darin aufzugehen. Davon abgesehen machen Calaveras aber vieles richtig. Das Melodieverständnis der Band ist phänomenal, was besonders in den traurig-schönen "Dinah", "Hands over you" und dem eröffnenden Titeltrack deutlich wird. Besonders letzterer fällt durch ausnehmend einnehmende Arrangments auf. Von der einführenden Kontrabassmelodie und der Komplettierung der Instrumentierung durch Schlagzeug und Gitarren bis hin zum intensiven, leicht aufbrausenderen Refrain, der durch weiblichen Backgroundgesang auffällt passt hier alles, auch die sich danach einschleichende gedämpfte Trompete und die einsame Violinenmelodie gegen Ende. Von gleichem Kaliber ist die anrührende Ballade "Hands over you" über Liebe und Verlust, wo Cello und Violine eine größere Rolle spielen und erst später durch die Trompete komplementiert werden. Überflüssig ist auf "water high" hingegen kaum etwas. Das Instrumental "evening light" vielleicht, das etwas zu sehr daherplätschert und die Spannung trotz einiger guter Einfälle nicht die fast 5 Minuten trägt, bis es zum kurzen, finalen Showdown mit leider auch nur mittelmäßigen Trompeten- und Violinenmelodien kommt. Die besagten "The ripper" und "ride on" gehören durch die nicht optimale Vokalperformance leider auch nicht zu den Höhepunkten, obwohl durch die Anziehung des Tempos viel Abwechslung in die CD gebracht wird. Aber selbst diese Songs sind noch immer überdurchschnittlich, so dass das Gesamtbild des Albums kaum getrübt wird. Und zum Schluss gibt es die gesamte Trauer Calaveras in geballter Form: "Tide of love", vielleicht die größte Reminiszenz an Calexico, ist ein gewaltig schleppender, abgrundtiefer Song, der genauso an das Ende von Water High passt, wie der Sturz in den Grand Canyon nach einem zutiefst verpfuschten Leben. "Loose your hope, loose your heart my love... for the worst yet to come".


Ähnlich:
Calexico, Woven Hand, 16 Horsepower, Ennio Morricone, Lambchop, Tindersticks, Iron & Wine, Leonard Cohen, Nick Cave, Giant Sand, Lilium, Neil Young

03.12.2010
TG


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!