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broken social scene - same (limited digipak with bonus-ep)


Erscheinungsjahr: 2005
Label: arts & crafts/city slang
Tracks: 21
Spielzeit: 89:46
Genre: alternative
Subgenre: indie-postrock
bss2.jpg
Bewertung: 7.5/10

rating

So gebrochen scheinen sie gar nicht zu sein. Die Hochhäuser sind in sanftes Abendrot getaucht, "we hate your hate" als entgegenspringender Spruch im Booklet und rosafarbenes Layout deuten eher auf einen sehr harmonischen Pulk hin. Erst im (32 Seiten dicken) Booklet sind einige verstörende Krakelzeichnungen zu sehen.

Scene passt aber wirklich perfekt zu dem musizierenden Haufen aus Kanada, werkeln doch insgesamt nicht weniger als 17 Leute plus 4 Gäste auf dem selbstbetitelten zweiten Album rum. Dass dabei auf den ersten Blick eine nette, aber auch krude Musikmischung rauskommt, sollte selbstverständlich sein. Die verwaschene Produktion (die leider manchmal ein wenig verzerrt) tut ihr übriges dazu, dass "Broken Social Scene" eine CD ist, die sich erst nach und nach entfaltet, obwohl sie auf Anhieb ins Ohr springt. Da weiß man aber noch nicht, warum.

Broken Social Scene basteln aus Tausenden von einzelnen Melodie-, Rhythmus- und Geräuschstückchen einen musikalischen Stream of consciusness zusammen, auf dem man mitschwimmt, wie auf einer schwammigen Welle. Tröten dringen ans Ohr, Gesangsfetzen klingen hoch, die Rhythmen verschieben sich vor und zurück wie es ihnen passt und die Gitarren sind so homogen verwoben, dass man nicht mehr weiß, welche was spielt. Immer mal wieder, wie zum Beispiel in "7/4 shoreline" und dem wundervollen "major label debut", klart sich aber alles plötzlich auf, Basslinien dümpeln sanft herum, akustische Gitarren liebkosen einander und der Gesang thront ganz bescheiden über allem wie der Hirte über seiner Herde.
Das sind aber eher rare Momente. Überwiegend wird auf die Kraft des komplexen Verwebens gesetzt. Ansonsten wäre es ja Indiepop, wie es ihn schon zu Tausenden gibt. So aber wird eine Melange aus Indie und Postrock geschaffen, wie sie von keinem vorgekaut wird. Es gibt komplexe Polyrhythmen genauso wie schräge Popmelodien, es gibt jazzige Parts, die auf emotionale Gesänge treffen (letzteres besonders schön in "ibi dreams of pavement"). Und es gibt überbordende Effekte ("superconnected") genauso wie reduziertes Geklimper (zum Beispiel im kurzen "Tremoloa Debut"). Vom Geiste her erinnert mich das immer an die frühen dEUS, die auch mal die schräge Idee und die freie Improvisation einer guten Melodie für Millionen vorzogen. Aber wie gesagt: Nur vom Geiste her - das Klangbild ist hier doch ein anderes.

Zur limitierten Erstauflage gibt es eine fast halbstündige 7-Track Bonus-EP, der man den (Umsonst-)Bonusstatus aber anhört. Nach einem Opener, der auch von Sigur Ros hätte stammen können gibt es überwiegend Soundcollagen und Klangexperimente, mehr Skizzen als Songs, ein paar elektronische Friemeleien ("baroque social") und eine rockige Version von "major label debut", die aber den Charme des Originals missen lässt. Brauchbar sind "canada vs. america" (zur Hälfte ein Song, der auch auf die CD gepasst hätte) und das ruhige, folkige "all my friends". "Feel good lost reprise" und "no smiling darkness/snake charmers association" langweilen hingegen mit durchschnittlichem, instrumentalem Ambient Postrock, der nur mit Mühe ein wenig Atmosphäre erzeugt. (5/10)


Ähnlich:
Feist, K.C. Accidental, Pavement, Tortoise, Metric, Secret Machines, dEUS, Stars, The Flaming Lips, Modest Mouse, The Unicorns, The Wrens, Super Furry Animals, Neutral Milk Hotel, Built To Spill, Guided By Voices, Of Montreal

04.12.2005
stativision (Tobias Goris)


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Letzte Kommentare

  • Carsten Rothaar: In meinen Augen verdient die Scheibe ein besseres Feedback als das obige. Für eine Band ohne großes Label eine tolle Leistung. Habe die Band live beim Olgas Rock Festival gesehen und muss sagen: TOP!
  • schizoid: i love this band but i cant find this cd
  • Raven: Ok. Mein Fehler. Der Komponist ist natürlich Edvard Grieg. Und es handelt sich um die Peer Gynt Suite.
  • Raven: Soweit ich weiß, ist das Intro NICHT "Peter und der Wolf" sondern Peer Gynts "Morgenstimmung".
  • Doomboy: Die Scheibe war damals nen dauerbrenner in meinem Player Bewertung 10/10 ich liebe die alten Deathmetalscheiben is halt nix für Weicheier!